Friedenspreis, Holocaust-Überlebende

Friedenspreis an Holocaust-Überlebende Margot FriedlĂ€nder

04.04.2025 - 12:42:52

Bei der WestfÀlischen Friedenskonferenz ehrt BundesprÀsident Frank-Walter Steinmeier die 103-jÀhrige Margot FriedlÀnder. Es gab viel Lob, langen Applaus, Worte tiefen Respekts - und ein Versprechen.

Die Holocaust-Überlebende Margot FriedlĂ€nder ist mit dem erstmals vergebenen «Sonderpreis des Internationalen Preises des WestfĂ€lischen Friedens» ausgezeichnet worden. GewĂŒrdigt werde FriedlĂ€nders langjĂ€hriger Einsatz fĂŒr das menschliche Miteinander, sagte BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier, der den Preis in MĂŒnster an die 103-JĂ€hrige ĂŒbergab. Ihr Engagement gegen das Vergessen, fĂŒr Menschlichkeit und Toleranz, fĂŒr Frieden und Demokratie sei beharrlich, entschieden und komme aus innerer Festigkeit und GĂŒte heraus. 

Margot FriedlĂ€nder wurde 1921 in Berlin geboren. Ihr Vater starb 1942 in einem Vernichtungslager, ihre Mutter und ihr Bruder wurden im KZ Auschwitz ermordet. Margot FriedlĂ€nder selbst wurde 1944 nach Theresienstadt deportiert. Sie ĂŒberlebte den Holocaust als einzige in ihrer direkten Familie. Nach mehr als 60 Jahren im Exil in New York kehrte sie im Alter von 88 Jahren nach Berlin zurĂŒck und nahm wieder die deutsche StaatsbĂŒrgerschaft an.

WĂŒrdigung und ein Versprechen des BundesprĂ€sidenten 

«Ihre Botschaft ist aber nicht Abrechnung mit diesem Land, Abrechnung mit Deutschland - eine Abrechnung, zu der Sie alles Recht hÀtten», sagte Steinmeier direkt an Margot FriedlÀnder gerichtet. Das Staatsoberhaupt forderte, denen zu widersprechen, die einen Schlussstrich beim Erinnern an den Holocaust fordern. «Verantwortung kennt keinen Schlussstrich. Das sehen wir gerade heute, wo die Demokratie so sehr angefochten ist, wie seit achtzig Jahren vielleicht nicht.»

Die Geehrte hat eine klare Botschaft

FriedlĂ€nder sagte, sie spreche «fĂŒr alle Menschen, die man ermordet hat, weil Menschen sie nicht als Menschen respektiert haben». Derzeit sei der Frieden «im Äußeren wie im Inneren bedroht». Jeder Einzelne habe die Verpflichtung, sich fĂŒr ein friedliches Zusammenleben, fĂŒr Respekt und die Demokratie einzusetzen. «Denn das, was damals passiert ist, darf nie, nie wieder geschehen», mahnte die Holocaust-Überlebende. 

Ihre Botschaft laute: «Wir sind alle gleich. Seid Menschen!» Vor ihrer Rede auf der BĂŒhne sagte sie leise zu Steinmeier nach dessen WĂŒrdigung: «Ich bin so gerĂŒhrt.»

NRW-MinisterprĂ€sident WĂŒst will ein stĂ€rkeres Europa 

Ähnlich wie Steinmeier forderte auch NRW-MinisterprĂ€sident Hendrik WĂŒst anlĂ€sslich der 2. WestfĂ€lischen Friedenskonferenz: «Wir mĂŒssen Deutschland und Europa stĂ€rker aufstellen. DafĂŒr muss Europa selbststĂ€ndiger werden, wenn es um die Verteidigung seiner Freiheit und seiner Werte geht.» 

In MĂŒnster rĂŒckten Frieden und Sicherheit ins Zentrum, sie bringe «große internationale Stimmen zusammen, um die Herausforderungen unserer Zeit zu diskutieren». Mit dem Karlspreis in Aachen und dem Friedenspreis in MĂŒnster habe NRW zwei wichtige Institutionen, die «einen wichtigen Beitrag zur VölkerverstĂ€ndigung» leisteten, sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur.

Mehrere hundert Teilnehmende waren gekommen - zu Themen wie dem Auseinanderdriften der USA und Europas oder den Folgen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. Da aber derzeit in Berlin eine schwarz-rote Koalition geschmiedet wird, hatte mehrere prominente Politiker wie CDU-Chef Friedrich Merz oder SPD-Chef Lars Klingbeil kurzfristig abgesagt.

@ dpa.de