Als AuslÀnder wahrgenommene Menschen hÀufiger in Kontrollen
15.11.2023 - 13:47:30Wer von seinen Mitmenschen als auslĂ€ndisch wahrgenommen wird, muss in Deutschland laut einer Studie mit hĂ€ufigeren Kontrollen durch die Polizei rechnen als Menschen, auf die das nicht zutrifft. «Unsere Daten zeigen, dass es ein Ungleichgewicht bei polizeilichen Kontrollen im öffentlichen Raum gibt», sagte Maximilian MĂŒller, Autor der am Mittwoch veröffentlichten reprĂ€sentativen Untersuchung des SachverstĂ€ndigenrats fĂŒr Integration und Migration (SVR), «Racial Profiling bei Polizeikontrollen».
Die Ergebnisse seien «ein Indiz, dass Racial Profiling in Deutschland existiert», sagte Maximilian MĂŒller. Einen eindeutigen Beweis liefern sie jedoch nach EinschĂ€tzung der Wissenschaftler nicht. Co-Autor Alex Wittlif wies beispielsweise auf einen Effekt hin, der sich trotz des komplexen Studiendesigns seiner Ansicht nach nicht «herausrechnen» lĂ€sst. Er sagte: «KriminalitĂ€tsschwerpunkte, in deren Umgebung generell hĂ€ufiger kontrolliert wird, befinden sich hĂ€ufig in sozial benachteiligten Stadtvierteln mit einem hohen Anteil an Zugewanderten und ihren Nachkommen.»
Von «Racial Profiling» spricht man, wenn Menschen allein aufgrund ihres physischen Erscheinungsbildes oder ethnischer Merkmale von der Polizei kontrolliert werden. Eine solche Ungleichbehandlung verstöĂt gegen das verfassungsrechtlich verbriefte Diskriminierungsverbot.
Deutliche Unterschiede je nach Aussehen
Zu den auffĂ€lligsten Ergebnissen der Befragung zĂ€hlt: 18,4 Prozent der MĂ€nner im Alter zwischen 15 und 34 Jahren, die nach eigener EinschĂ€tzung aufgrund Ă€uĂerlicher Merkmale von ihren Mitmenschen als auslĂ€ndisch wahrgenommen werden, berichteten, sie seien in den vergangenen zwölf Monaten von der Polizei kontrolliert worden. Von jungen MĂ€nnern, die von ihrer Umwelt nach eigenem Bekunden als Menschen ohne auslĂ€ndische Wurzeln eingeschĂ€tzt werden, betraf dies laut SVR lediglich 11,9 Prozent.
Um falsche KausalitĂ€ten zu vermeiden, hatten die Forscher die Menschen, die zwischen November 2021 und Juli 2022 fĂŒr das SVR-Integrationsbarometer befragt wurden, explizit gefragt, ob sie nach eigener EinschĂ€tzung aufgrund ihres ĂuĂeren - etwa wegen ihrer Hautfarbe oder Kleidung - als Mensch mit Migrationshintergrund wahrgenommen werden oder nicht. Denn ob jemand einen bestimmten Namen trĂ€gt oder mit Akzent Deutsch spricht, ist fĂŒr Polizisten in dem Moment, wo ihre Kontrolle beginnt, oft nicht erkennbar. Nicht berĂŒcksichtigt wurden auĂerdem Kontrollen in privaten RĂ€umen oder UnterkĂŒnften.
Kontrollquittungen geplant
Wer sich von der Bundespolizei anlasslos kontrolliert fĂŒhlt, soll dafĂŒr von den Beamten kĂŒnftig eine sogenannte Kontrollquittung verlangen können. Darauf hat sich die Ampel-Koalition verstĂ€ndigt. Allerdings gibt es zur Novelle des Bundespolizeigesetzes, in die das einflieĂen soll, noch keinen Kabinettsbeschluss. Auf der Quittung sollen etwa Ort, Zeit und Grund der ĂberprĂŒfung der Personalien vermerkt werden. Der SVR regt an, solche Kontrollquittungen auch fĂŒr Polizeibeamte der LĂ€nder einzufĂŒhren. Bisher gibt es das lediglich in Bremen. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hĂ€lt die Kontrollquittung fĂŒr ĂŒberflĂŒssig und befĂŒrchtet einen erheblichen Verwaltungsaufwand.
Die meisten Polizeibeamten leisteten eine vorbildliche Arbeit, betonte die Beauftragte der Bundesregierung fĂŒr Antirassismus, Reem Alabalil-Radovan. Die Zahlen des SVR machten aber deutlich, dass Erfahrungen mit «Racial Profiling» im Kontakt mit der Polizei keine EinzelfĂ€lle seien. Diese Erfahrungen fĂŒhrten zum Verlust von Vertrauen, sagte die SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Sie habe sich dafĂŒr eingesetzt, dass das im Grundgesetz verankerte Verbot rassistischer Diskriminierung in das neue Bundespolizeigesetz aufgenommen wird, das demnĂ€chst vom Kabinett beschlossen werden soll, ebenso wie das Recht auf Ausstellung einer Kontrollquittung. Die Mehrheit polizeilicher Kontrollen finde jedoch in den LĂ€ndern und nicht durch die Bundespolizei statt. Deshalb liege es nun in der Verantwortung der LĂ€nder, gleiches auch fĂŒr die dortigen Polizeien zu initiieren.


