Hauptstadtkongress, Gendermedizin

Hauptstadtkongress 2025: Gendermedizin muss interdisziplinÀr gelebt werden

02.07.2025 - 13:53:20

Berlin - Auf dem diesjĂ€hrigen Hauptstadtkongress diskutierten Expertinnen und Experten aus Medizin und Sozialversicherung in der Session "Gendermedizin" ĂŒber die aktuellen politischen und medizinischen Entwicklungen in der Frauen- und MĂ€nnergesundheit. Sie forderten ein stĂ€rkeres Bewusstsein fĂŒr geschlechtsspezifische Unterschiede in Diagnostik und Therapie sowie eine interdisziplinĂ€re Zusammenarbeit.

Das Prinzip "One Size Fits All" wird den spezifischen BedĂŒrfnissen in der Medizin nicht immer gerecht. Gerade in der Gesundheitsversorgung wĂ€chst das Bewusstsein um die Bedeutung und den Nutzen einer gendersensiblen Medizin. In seinem Grußwort betonte Dr. Georg Kippels, Parlamentarischer StaatssekretĂ€r im Bundesministerium fĂŒr Gesundheit, die wachsende Bedeutung der Gendermedizin in der Gesundheitspolitik. Er forderte eine wesentlich stĂ€rkere BerĂŒcksichtigung von hormonell beeinflussten GesundheitszustĂ€nden wie Menopause, Endometriose oder Lipödem im Versorgungssystem und eine Konzentration auf PrĂ€vention zur Gesunderhaltung der Menschen.

Frauengesundheit im Blick - interdisziplinÀrer Ansatz

Dr. med. Katrin Schaudig, PrÀsidentin der Deutschen Menopause Gesellschaft, betonte die Notwendigkeit einer interdisziplinÀren Zusammenarbeit, die auch HausÀrztinnen und HausÀrzte sowie Internistinnen und Internisten in die AufklÀrung und Behandlung der Menopause einbezieht. "Ich glaube, die Politik muss an diesen Stellschrauben drehen und sie muss vielleicht InterdisziplinaritÀt auch fördern", so Dr. Schaudig.

Denn die unzureichende Versorgung von Frauen in den Wechseljahren hat weitreichende Folgen: "Knapp 20 Prozent(1) der Frauen entscheiden sich, aufgrund von Wechseljahrsymptomen vorzeitig in den Ruhestand zu gehen - das ist schockierend", sagte Dr. Schaudig. Die BeeintrĂ€chtigungen durch Wechseljahressymptome fĂŒhren zu einem volkswirtschaftlichen Schaden von geschĂ€tzt 9,4 Milliarden Euro pro Jahr in Deutschland.(2)

Generell wĂŒrden kardiovaskulĂ€re Risiken bei Frauen unterschĂ€tzt, Symptome - etwa bei einem Herzinfarkt - falsch gedeutet, da sie nicht dem gĂ€ngigen mĂ€nnlichen Schema entsprechen, erklĂ€rte Prof. Dr. Michael Becker, Chefarzt fĂŒr Kardiologie (Rhein-Maas-Klinikum GmbH, WĂŒrselen) in seinem Impulsvortrag. "Auch im Jahr 2025 werden Frauen immer noch medizinisch schlechter behandelt und sterben hĂ€ufiger an Herzerkrankungen.", so Becker weiter, "es geht nicht nur darum, dass die Frauen leiden, sondern es geht darum, dass sie Schaden nehmen und wirklich frĂŒher sterben."

Patientinnen mit Herzbeschwerden erhalten hĂ€ufig fĂ€lschlicherweise psychische Diagnosen (z. B. Panikattacken), statt das einer kardiologischen Ursache nachgegangen wird. Dies unterstreicht das Versagen eines nicht-interdisziplinĂ€ren Ansatzes in der Diagnostik. Er fordert, dass Ärztinnen und Ärzte wissen, worauf sie bei geschlechtsspezifischen Unterschieden achten mĂŒssen.

Unterschiede in der Gesundheitsversorgung

Die anschließende Diskussion konzentrierte sich auf die bestehenden Defizite in der geschlechtergerechten Gesundheitsversorgung und die daraus resultierenden Folgen.

PD Dr. Tobias JĂ€ger (Urologische Praxisklinik Essen), stellte fest: Obwohl 80 % der 40-bis 50-jĂ€hrigen MĂ€nner ĂŒber ProstatakrebsfrĂŒherkennung informiert sind, gehen nur 25 % zur Untersuchung. Ein oft genannter Grund ist die Tastuntersuchung. "Die Alternative ist eine Blutabnahme, der PSA-Wert, der Prostatawert, wie man so im Volksmund sagt", sagte Dr. JĂ€ger auf dem Hauptstadtkongress, "der steht mittlerweile auch in den wissenschaftlichen Leitlinien an obererster Stelle." Dr. JĂ€ger betont, dass nicht nur Medien und Fachgesellschaften, sondern auch die Politik eine Verantwortung dafĂŒr tragen, die AufklĂ€rung und Integration von MĂ€nnern in die FrĂŒherkennung zu verbessern. Er schlĂ€gt vor, die Abgabe bestimmter Medikamente, wie PrĂ€parate zur Behandlung von Erektionsstörungen, rezeptfrei ĂŒber Apotheken zu ermöglichen.

Stefanie Bosch, BKK Dachverband, sprach sich dafĂŒr aus, BetriebsĂ€rztinnen und BetriebsĂ€rzten mehr Befugnisse zu erteilen (z. B. Überweisungen, Verordnungen), um den Zugang zu medizinischer Versorgung zu erleichtern, insbesondere fĂŒr MĂ€nner. Bosch Ă€ußerte den Wunsch nach PrimĂ€rversorgungszentren, "wo im Grunde auch Professionen, auch bereichsĂŒbergreifend, miteinander arbeiten". Bosch unterstrich, dass eine gute Versorgung "auch bezahlbar sein muss".

Juliana Kley, Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V. (bvmd), wĂŒnscht sich, dass geschlechtergerechte Medizin als Querschnittsfach im Medizinstudium verankert wird. Damit die nĂ€chste Generation von Ärztinnen und Ärzten von Anfang an fĂŒr geschlechterbedingte Unterschiede sensibilisiert wird.

Gendersensible Medizin als SchlĂŒssel fĂŒr eine zukunftsfĂ€hige Gesundheitsversorgung

Die Diskussionsteilnehmerinnen und Diskussionsteilnehmer betonten die immense Bedeutung der Forschung fĂŒr eine geschlechtersensible Medizin. Sie unterstrichen zudem die Bedeutung der InterdisziplinaritĂ€t.

Dr. Schaudig hob hervor, dass sich die Deutsche Menopause Gesellschaft als eigenstÀndige, interdisziplinÀre Fachgesellschaft versteht und aktiv die Fortbildung von Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner zum Thema Menopause fördert.

PD Dr. Tobias JÀger unterstrich den interdisziplinÀren Ansatz, beispielsweise bei Testosteronmangel oder Erektionsstörungen, die oft Begleitsymptome von Adipositas oder Typ-2-Diabetes sind, und somit das gemeinsame Mitdenken aller Fachkolleginnen und Fachkollegen erfordern.

Die Expertinnen und Experten identifizierten konkrete Ansatzpunkte fĂŒr politische Maßnahmen, um eine gendersensible Gesundheitsversorgung flĂ€chendeckend zu etablieren, wie z. B. Honorar fĂŒr Beratung. Eine angemessene Honorierung medizinischer Beratungsleistungen, insbesondere fĂŒr umfassende GesprĂ€che zur Menopause oder zur PrĂ€vention, ist unerlĂ€sslich, um Ärztinnen und Ärzte die notwendige Zeit und Motivation zu geben. Weitere Forderungen sind die StĂ€rkung der PrimĂ€rversorgung, mehr Kompetenzen fĂŒr BetriebsĂ€rztinnen und BetriebsĂ€rzte, Regulierung des Medikamentenzugangs und sie Erstellung eines umfassenden Berichts zur gesundheitlichen Situation von MĂ€nnern durch die Bundesregierung, analog zum Frauenbericht, zur Schaffung von öffentlichem Bewusstsein und politischen Handlungsfeldern.

Die Diskussion machte deutlich, dass die gendersensible Medizin eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, die ĂŒber den Ă€rztlichen Bereich hinaus Akteurinnen und Akteure aus Politik, Bildung, Wirtschaft und Forschung einbeziehen muss. Nur durch gemeinsame Anstrengungen kann eine optimale und gerechte Gesundheitsversorgung fĂŒr alle Geschlechter erreicht werden.

Hinweis: Besins Healthcare Germany ist VIP-Partner des Hauptstadtkongresses 2025

Quellen:

1. Prof. Dr. Andrea Rumler, Julia Memmert, HWR Berlin. Forschungsprojekt MenoSupport. Ergebnisse der ersten deutschlandweiten Befragung zum Thema Wechseljahre am Arbeitsplatz. https://www.ifaf-berlin.de/projekte/menosupport/#ergebnisse, die genannten knapp 20 Prozent beziehen sich auf die Befragungsergebnisse in der Altersgruppe > 55 Jahre, zuletzt abgerufen am 26.06.2025.

2. Pressemitteilung 46/2024. Deutsche Volkswirtschaft leidet unter den Wechseljahren. Hochschule fĂŒr Wirtschaft und Recht Berlin. https://ots.de/OqtZ0c

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