Milliarden, die nie kommen: BVTE warnt vor Wiederholung gescheiterter Tabaksteuerpolitik
28.04.2026 - 11:20:01 | presseportal.de
Die aktuellen PlĂ€ne sehen innerhalb von 16 Monaten zusĂ€tzliche Tabaksteuereinnahmen von rund 2,8 Milliarden Euro bis Ende 2027 vor. Der BVTE hĂ€lt diese Erwartungen fĂŒr unrealistisch. Erfahrungen aus Deutschland und Europa zeigen, dass abrupte und starke Preiserhöhungen regelmĂ€Ăig zu Ausweichreaktionen fĂŒhren - mit negativen Folgen fĂŒr den legalen Markt.
"Diese Rechnung wird nicht aufgehen. Wer in kurzer Zeit massive Preissteigerungen erzwingen will, riskiert eine Verlagerung in den Schwarzmarkt und am Ende geringere statt höherer Steuereinnahmen", erklĂ€rt BVTE-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Jan MĂŒcke.
Schwarzmarkt wÀchst - staatliche Kontrolle sinkt
Bereits heute ist der Schwarzmarkt ein massives Problem und der Anteil nicht in Deutschland versteuerter Zigaretten hoch: 2025 lag er bei 20,9 Prozent, in Ostdeutschland bei ĂŒber 40 Prozent. Darin enthalten sind sowohl legale KĂ€ufe im Ausland als auch illegale Angebote. Gleichzeitig registrieren Ermittlungsbehörden zunehmend FĂ€lle organisierter illegaler Produktion in Deutschland. Immer hĂ€ufiger werden illegale Zigarettenfabriken aufgedeckt. Der Schwarzmarkt ist lĂ€ngst kein RandphĂ€nomen mehr, sondern ein wachsendes GeschĂ€ftsfeld organisierter KriminalitĂ€t. Weitere Steuererhöhungen wĂŒrden diesen Trend beschleunigen. Steigende Preise erhöhen die AttraktivitĂ€t alternativer Bezugsquellen - mit Folgen fĂŒr Steuereinnahmen, MarktstabilitĂ€t und staatliche Kontrolle.
Gleichzeitig bleiben erhebliche Einnahmepotenziale ungenutzt: Obwohl rund 1,5 Mio. Deutsche tabakfreie Nikotinbeutel konsumieren, fehlt bislang eine Regulierung. Dadurch entgehen dem Staat jÀhrlich etwa 400 Mio. Euro Steuereinnahmen.
Gescheiterte Steuerpolitik: Blick in Vergangenheit und NachbarlÀnder
Die aktuelle Debatte ist ein politisches DĂ©jĂ -vu. Bereits zwischen 2002 und 2005 fĂŒhrten mehrere Tabaksteuererhöhungen zu erheblichen Marktverwerfungen. Statt stabiler Mehreinnahmen entstanden Einnahmeverluste, wĂ€hrend sich der Schwarzmarkt nachhaltig etablierte.
NachbarlÀnder bestÀtigen diese Entwicklung: In Frankreich liegt der Anteil illegal konsumierter Zigaretten inzwischen bei rund 38 Prozent - verbunden mit massiven SteuerausfÀllen in Milliardenhöhe. In den Niederlanden ist der legale Zigarettenabsatz seit 2020 nach drastischen Steuererhöhungen um 44 Prozent und der Feinschnittmarkt um 78 Prozent eingebrochen. Nach der niederlÀndischen Gesundheitsbehörde RIVM werden 60 Prozent der TabakeinkÀufe im Ausland getÀtigt.
Solche Beispiele zeigen, dass drastische Steueranhebungen legale MĂ€rkte destabilisieren können, sobald Preisgrenzen ĂŒberschritten werden und Verbraucher in groĂem Umfang ausweichen.
Deutschland ist aufgrund seiner geografischen Lage zu NiedrigsteuerlĂ€ndern wie Polen und Tschechien besonders anfĂ€llig fĂŒr diese Effekte. Es drohen noch mehr GrenzkĂ€ufe als auch ein wachsender illegaler Handel.
ArbeitsplÀtze und Wertschöpfung in Gefahr
Neben den fiskalischen Risiken warnt der BVTE auch vor wirtschaftlichen FolgeschĂ€den. Weitere Marktverwerfungen könnten sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette auswirken - von der Industrie ĂŒber Logistik bis zum Handel. Bereits heute steht der Standort massiv unter Druck, zusĂ€tzliche Belastungen könnten weitere hochqualifizierte, tarifgebundene ArbeitsplĂ€tze gefĂ€hrden.
"Wer strukturelle Haushaltsprobleme mit immer neuen Steuererhöhungen lösen will, gefĂ€hrdet nicht nur stabile Einnahmen, sondern auch ArbeitsplĂ€tze und funktionierende Marktstrukturen", so MĂŒcke.
Fazit
Die geplanten kurzfristigen Steuererhöhungen bergen erhebliche Risiken und drohen, bekannte Fehler zu wiederholen. Je stĂ€rker der Preissprung, desto gröĂer die Ausweichreaktionen - und desto unsicherer die tatsĂ€chlichen Einnahmen.
Aus Sicht des BVTE braucht es statt kurzfristiger Eingriffe eine verlÀssliche, langfristig angelegte Steuerpolitik mit moderaten Anpassungen. Nur so lassen sich Marktverwerfungen begrenzen, staatliche Einnahmen sichern und wirtschaftliche SchÀden vermeiden.
Ansprechpartner fĂŒr RĂŒckfragen:
Bundesverband der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse (BVTE)
Jan MĂŒcke
HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer
GeorgenstraĂe 25
10117 Berlin
Tel. +49 30 88 66 36 - 123
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