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Warnungen vor Abstrichen bei Krankenhausreform

17.04.2024 - 12:41:02 | dpa.de

BERLIN - Im Ringen um die Krankenhausreform werden Warnungen vor Abstrichen bei Vorgaben fĂŒr die BehandlungsqualitĂ€t und eine stĂ€rkere Spezialisierung lauter.

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BERLIN (dpa-AFX) - Im Ringen um die Krankenhausreform werden Warnungen vor Abstrichen bei Vorgaben fĂŒr die BehandlungsqualitĂ€t und eine stĂ€rkere Spezialisierung lauter. Der Chef der Barmer Krankenkasse, Christoph Straub, mahnte vor erneuten Bund-LĂ€nder-Beratungen am Mittwoch, es bestehe das Risiko, dass von der groß angekĂŒndigten Reform eine reine Finanzreform ĂŒbrig bleibe. "Damit drohen enorme Kosten fĂŒr das System und die gesetzlich Versicherten, ohne dass die dringend notwendigen QualitĂ€ts- und StrukturverĂ€nderungen tatsĂ€chlich angepackt werden." Auch die Techniker Krankenkasse und die mitregierende FDP warben am Mittwoch dafĂŒr, vorgesehene grundlegende Änderungen im Kliniknetz umzusetzen.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) wollte bei einem Treffen in Berlin mit seinen Kolleginnen und Kollegen aus den LĂ€ndern ĂŒber einen inzwischen vorgelegten Gesetzentwurf sprechen. Die ReformplĂ€ne zielen darauf, die VergĂŒtung mit Pauschalen fĂŒr BehandlungsfĂ€lle zu Ă€ndern, um Kliniken von dem finanziellen Druck zu lösen, immer mehr Patienten behandeln zu mĂŒssen. KĂŒnftig sollen sie 60 Prozent der VergĂŒtung allein schon fĂŒr das Vorhalten von Angeboten bekommen. Grundlage der Finanzierung durch die Krankenkassen sollen genauer definierte Leistungsgruppen sein. Sie sollen einheitliche QualitĂ€tsvorgaben enthalten.

Der Chef der Techniker Krankenkasse, Jens Baas, kritisierte, die Reform nĂ€here sich immer mehr einem Kipppunkt, an dem keine Reform das kleinere Übel sei. "Das ursprĂŒngliche Ziel, flĂ€chendeckend mehr QualitĂ€t durch sinnvolle Arbeitsteilung zwischen den Kliniken zu schaffen, gerĂ€t mehr und mehr in den Hintergrund." Stattdessen entstĂŒnden immer mehr Kostenfallen fĂŒr die Beitragszahler. Die Reform sei eine historische Chance, veraltete Strukturen auf Vordermann zu bringen. Die Politik dĂŒrfe diese Chance jetzt nicht vergeben.

Der gesundheitspolitische Sprecher der FDP im Bundestag, Andrew Ullmann, sagte: "Die Versorgung der Patientinnen und Patient kann sich nachhaltig nur durch die VerĂ€nderung der Strukturen verbessern. Eine Einigung auf eine entökonomisierte Finanzierung bei gleichbleibenden Strukturen werden wir nicht mittragen." Die LĂ€nder mĂŒssten sich klar dazu bekennen, dass die Zahl der stationĂ€ren Betten reduziert werden mĂŒsse. Über- und Unterversorgung in den Regionen mĂŒssten beseitigt werden.

Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) sagte der "Augsburger Allgemeinen" (Mittwoch), die LĂ€nder sĂ€hen nach wie vor an vielen Stellen dringenden Änderungsbedarf. "Ich erwarte, dass Lauterbach die Bedenken und BedĂŒrfnisse der LĂ€nder ernst nimmt." Bayern setze sich unter anderem dafĂŒr ein, dass die LĂ€nder Abweichungsmöglichkeiten von den bundesweiten Strukturvorgaben bekĂ€men, um die Versorgungssicherheit gewĂ€hrleisten zu können, sagte Gerlach. "Mit den derzeitigen starren Vorgaben und den vorgesehenen Befristungen wird die Krankenhausplanungskompetenz der LĂ€nder massiv beeintrĂ€chtigt."

Die Bund-LĂ€nder-Runde war in den vergangenen Monaten mehrmals zu schwierigen Beratungen zusammengekommen. Unter den LĂ€ndern gibt es diverse Kritikpunkte an den GesetzesplĂ€nen, die Lauterbach aber nicht mehr so angelegt hat, dass sie im Bundesrat zustimmungsbedĂŒrftig sind. Der Minister hatte als Ziel genannt, dass das Bundeskabinett sich in der kommenden Woche mit den PlĂ€nen befassen soll. Die LĂ€nder und die Kliniken fordern auch schnelle zusĂ€tzliche Finanzhilfen bereits vor der vorgesehenen großen Reform.

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