Berlin: Linke, Grüne und SPD setzen Sondierungen fort
Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 15:34 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBerliner Sondierungen und Bundesstreit
- Linke, Grüne und SPD treffen sich am Sonntag erneut und setzen ihre Gespräche am Montag fort.
- Über mögliche Zankpunkte wie Mieten und Wohnen ist noch nicht abschließend gesprochen.
- Wolfram Weimer warnt vor Folgen für die schwarz-rote Koalition im Bund.
Linke, Grüne und SPD in Berlin treiben ihre Gespräche über eine mögliche gemeinsame Landesregierung voran, während die Debatte darüber bundespolitisch eskaliert.
Warnungen aus der Bundespolitik
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer forderte die SPD-Vorsitzenden Lars Klingbeil und Bärbel Bas auf, ein Bündnis mit der Linken sofort zu verhindern. Andernfalls wäre dies nach seiner Darstellung eine Belastung für die Koalition im Bund.
Weimer sprach von einem „Achsbruch für die Integrität der Bundesrepublik“ und warf der Berliner Linken vor, dem Antisemitismus Tür und Tor zu öffnen. Auch der frühere baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann nannte eine Zusammenarbeit mit einer offen antisemitisch agierenden Partei ausgeschlossen.
SPD weist Spekulationen zurück
SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf wies Spekulationen über einen möglichen Bruch der Bundesregierung zurück. Weimer solle sich stattdessen mit der Frage beschäftigen, ob die Union die Zusammenarbeit mit Rechtsextremen weiterhin ausschließe, sagte Klüssendorf der dpa.
Er verwies auf die Debatte über die Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt, wo die AfD um die nötigen Stimmen für ihren Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund wirbt.
Linke wirbt für Politikwechsel
Der Linken-Parteivorstand bezeichnete ein rot-grün-rotes Bündnis in Berlin als möglichen „Leuchtturm für einen Politikwechsel“. Bundestagsabgeordneter Dietmar Bartsch warf den Kritikern vor, die Debatte zu instrumentalisieren, und verwies auf die Positionierung der Berliner Spitzenkandidatin Elif Eralp gegen Antisemitismus.
Gleichzeitig lehnen auch Politiker aus SPD und Grünen eine Zusammenarbeit mit der Berliner Linken ab. Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour warnte davor, Verantwortung an Politiker mit Nähe zu radikalen Milieus zu übertragen.
Offene Fragen bei Sondierungen
Am Rand der Gespräche äußerten sich die Parteien kaum zu Zwischenständen. Neben Mieten und Wohnen dürften weitere Sachthemen zu klären sein, bevor über Koalitionsverhandlungen entschieden werden kann.
Die Debatte wird zusätzlich durch Vorwürfe gegen einzelne Verbindungen der Berliner Linken zu antisemitischen Kreisen und zum sogenannten Clan-Milieu belastet. Der Begriff Clankriminalität wird von der Partei als stigmatisierend kritisiert.
Giffey lehnt Bündnis ab
Berlins amtierende Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey hält eine Koalition mit der Linken für nicht vertretbar. Sie verwies auf den Widerstand von 120 Linken gegen eine Vereinbarung zum Umgang mit Antisemitismus.
Auch Brandenburgs SPD-Generalsekretär Kurt Fischer forderte Konsequenzen gegen radikale Parteimitglieder. Ohne eine solche Aufarbeitung könne keine verantwortungsvolle Koalition für Berlin entstehen, sagte er der dpa.
Berliner Machtfrage mit Folgen für den Bund
Die Sondierungen gehen über eine gewöhnliche Regierungsbildung auf Landesebene hinaus, weil die SPD und die Grünen im Bund mit der Union regieren. Ein rot-grün-rotes Bündnis in Berlin könnte deshalb die Zusammenarbeit zwischen den Koalitionspartnern zusätzlich belasten. Genau diese Verbindung macht die Warnungen aus dem Kanzleramt politisch relevant.
Inhaltlich entscheidet sich die Tragfähigkeit der Gespräche vor allem an zwei Punkten: dem Umgang mit Antisemitismus und Kontakten ins organisierte Kriminalitätsmilieu sowie der Finanzierung politischer Vorhaben. Die drei Parteien haben zwar gemeinsame Grundsätze vereinbart. Ihre praktische Wirkung hängt jedoch davon ab, ob Parteigremien und Fraktionen bei Verstößen tatsächlich Konsequenzen durchsetzen.
Haushalt als Belastungsprobe
Nach den Fragen zu Sicherheit und Antisemitismus rücken nun Mieten, Wohnen und der Landeshaushalt in den Mittelpunkt. Berlin steht vor erheblichen finanziellen Herausforderungen, während die möglichen Partner zugleich teure politische Vorhaben verfolgen. Das begrenzt den Spielraum für neue Leistungen und Investitionen.
Für die Berlinerinnen und Berliner bleibt damit entscheidend, ob aus den politischen Zusagen ein belastbares Regierungsprogramm entsteht. Alternativen zu Rot-Grün-Rot sind rechnerisch möglich. Solange die Sondierungen laufen, bleibt die Regierungsbildung offen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Der Liveblog berichte über Weimers Warnung vor Folgen für die Bundeskoalition und stelle zugleich innerparteiliche Konflikte sowie den Widerstand gegen die Antisemitismus-Vereinbarung heraus. Anders als die dpa-Meldung beleuchte er zusätzlich die Zahl der Unterzeichner einer kritischen Erklärung und die Debatte über einzelne Abgeordnete.
FOCUS online: „Berliner Linke haben am Ende das letzte Wort: Rot-rot-grüner Deal zum Thema Judenhass hat einen Haken“ (10.10.2026)
Der Bericht hebe hervor, dass über mögliche Konsequenzen bei Verstößen letztlich die betroffene Fraktion oder Partei entscheide. Damit bestätige er den Streit über Antisemitismus und setze einen anderen Schwerpunkt auf die praktische Durchsetzbarkeit der Vereinbarung.
Beide Beiträge bestätigten die Fortsetzung der Sondierungen und die politische Kontroverse. Während der Tagesspiegel die Auswirkungen auf die Bundeskoalition sowie parteiinterne Reaktionen hervorhebe, konzentriere sich FOCUS auf die offenen Sanktionsfragen.

