Gordon Schnieder, Rot-Grün-Rot Berlin

Berlin: Schnieder fordert Prüfung der Linken-Verfassungstreue

Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 11:04 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Rheinland-Pfalzens Ministerpräsident Gordon Schnieder verlangt eine Prüfung der Verfassungstreue der Linken. Er wirft SPD und Grünen vor, bei den Berliner Gesprächen politische Grenzen zu verschieben, und fordert einen einheitlichen Umgang mit Extremisten von rechts und links.

Schnieder kritisiert rot-grün-rote Gespräche in Berlin
Gordon Schnieder (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) kritisiert die Gespräche von SPD, Grünen und Linken über eine mögliche Zusammenarbeit in Berlin. In einem Gastbeitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ fordert er, die Verfassungstreue der Linken zu prüfen und sie in einer von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst vorgeschlagenen Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur AfD mitzuberücksichtigen.

Schnieder schreibt, die „reaktionäre und antisemitische Linke“ müsse ebenso untersucht werden wie rechtsextreme Parteien. Parteien der politischen Mitte dürften keine Mehrheit mit Extremisten bilden, fordert der CDU-Politiker.

Schnieder greift Berliner Gespräche an

SPD und Grüne sprächen in Berlin mit der Linken „mit einer bemerkenswerten Selbstverständlichkeit“ über eine Zusammenarbeit, schreibt Schnieder. Damit werde aus seiner Sicht eine grundlegende Grenze verschoben.

Mit Blick auf Antisemitismus fragt er, ob SPD und Grüne tatsächlich zulassen wollten, dass eine Partei mit offen zutage tretender Judenfeindlichkeit an führender Stelle Verantwortung übernehme. Die Linke habe im Wahlkampf ihre radikale Seite gezeigt, so Schnieder weiter.

Gleicher Maßstab für rechte und linke Extremisten

Beim Kampf gegen Antisemitismus dürfe es keinen politischen Rabatt geben, schreibt der Ministerpräsident. Das „Nie wieder“ der deutschen Geschichte gelte nicht nur dann, wenn es politisch bequem sei.

Schnieder kritisiert zugleich indirekt die CDU-Führung in Sachsen-Anhalt. Er bezeichnete es als „fassungslos“, dass der AfD-Landtagspräsident Tobias Rausch mit Stimmen außerhalb von AfD und BSW gewählt worden sei und die CDU zur Stimmenthaltung aufgerufen habe.

Forderung nach einem moralischen Konsens

Es sehe derzeit so aus, als sei allein die CDU bereit, die politische Mitte gleichermaßen gegen Extremisten, Populisten und Radikale von rechts und links zu verteidigen, schreibt Schnieder. Von SPD und Grünen erwartet er einen klaren moralischen Konsens und denselben demokratischen Maßstab für jede Form von Extremismus.

Die Gespräche zwischen SPD, Grünen und Linken in Berlin stehen im unmittelbaren Zusammenhang mit der Wahl zum Abgeordnetenhaus vom 20. September. Die Linke wurde mit 25,7 Prozent stärkste Kraft, während die bisherige CDU-SPD-Koalition ihre Mehrheit verlor. Ein rot-grün-rotes Bündnis ist damit rechnerisch möglich, zugleich bleibt eine Zusammenarbeit von CDU, Grünen und SPD als Alternative denkbar.

Der Streit über den Umgang mit Antisemitismus ist für die Sondierungen zentral. Die drei Parteien verständigten sich inzwischen auf gemeinsame Grundsätze zum Schutz jüdischen Lebens, zur Benennung israelbezogenen Antisemitismus und zu möglichen Konsequenzen für Verstöße. Damit wurde eine Voraussetzung für die Aufnahme offizieller Sondierungen geschaffen.

Politische Tragweite der Debatte

Schnieders Kritik zielt auf die grundsätzliche Frage, ob demokratische Parteien bei der Bewertung politischer Ränder denselben Maßstab anlegen. Seine Forderung, neben der AfD auch die Verfassungstreue der Linken zu prüfen, verknüpft die Berliner Landespolitik mit der bundesweiten Debatte über den Umgang der Union mit politischen Mehrheiten außerhalb der demokratischen Mitte.

Für die Berliner Gespräche kommt es nun darauf an, ob die vereinbarten Regeln innerhalb der Linken politisch durchgesetzt werden. Neben dem Antisemitismusstreit dürften Haushalt, innere Sicherheit und der Umgang mit organisierter Kriminalität die Tragfähigkeit eines möglichen Bündnisses bestimmen. Sondierungen sind noch keine Koalitionsverhandlungen; zunächst müssen die Parteien klären, ob ihre programmatischen und finanziellen Gegensätze überbrückbar sind.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

BR24: „Rot-Grün-Rot in Berlin nehmen Sondierungsgespräche auf“ (08.10.2026)

Der BR24-Beitrag bestätigt die Verständigung von Linken, Grünen und SPD auf offizielle Sondierungen und stellt die gemeinsamen Regeln zum Antisemitismus heraus. Anders als Schnieder konzentriert sich der Bericht auf die Vereinbarung und ihre institutionellen Konsequenzen, darunter mögliche Sanktionen bei Verstößen.

rbb24: „Sondierungsgespräche: Die rot-grün-rote Theorie steht, jetzt kommt der Praxis-Test“ (09.10.2026)

Die rbb24-Analyse bestätigt den Start der Sondierungen, legt den Schwerpunkt aber auf die praktische Durchsetzbarkeit der Vereinbarungen. Sie thematisiert innerparteilichen Widerstand in der Linken sowie weitere Konfliktfelder wie Haushalt und Wohnungspolitik.

Übereinstimmend wird die Antisemitismus-Vereinbarung als Voraussetzung für die Gespräche beschrieben. Offen bleibt, ob die beschlossenen Regeln im parlamentarischen Alltag Bestand haben und ob sich daraus tatsächlich eine belastbare Koalition entwickeln kann.

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