Berlin-Wahl: Linke beschließt Sondierungen mit Grünen und SPD
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 19:48 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie Berliner Linke will nach ihrem Sieg bei der Abgeordnetenhauswahl mit Grünen und SPD Sondierungsgespräche zur Regierungsbildung führen.
Parteitag stimmt für Gespräche
Die Delegierten beschlossen den Schritt am Freitagabend auf einem Parteitag mit breiter Mehrheit. Damit strebt die Linke ein Bündnis mit den beiden Parteien an, die zusammen mit ihr eine Mehrheit im Abgeordnetenhaus bilden könnten.
Die Sondierungen sollen zunächst klären, ob die politischen Gemeinsamkeiten für die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen ausreichen. In dieser Phase werden zentrale Vorhaben, mögliche Konflikte und Bedingungen der beteiligten Parteien ausgelotet.
Linke will Senat führen
Die Linke war bei der Wahl stärkste Kraft geworden und beansprucht deshalb die Führung einer möglichen gemeinsamen Landesregierung. Als Spitzenkandidatin steht Elif Eralp für das Amt der Regierenden Bürgermeisterin bereit.
Bei den möglichen Partnern gibt es Gesprächsbereitschaft, aber auch Vorbehalte. Die Grünen haben bereits ein Sondierungsteam zusammengestellt. In der SPD unterstützt die Landesvizevorsitzende Cansel Kiziltepe ein Bündnis mit Linken und Grünen, während andere Sozialdemokraten einer Zusammenarbeit kritisch gegenüberstehen.
Antisemitismus und Wohnen im Mittelpunkt
Zu den zentralen Streitpunkten gehört der Umgang mit Antisemitismus und israelkritischen Äußerungen in Teilen der Linken. Auch die Forderung nach einer Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände dürfte die Gespräche prägen. Die Linke will damit den Einfluss privater Wohnungskonzerne auf den Berliner Mietmarkt zurückdrängen.
Koalitionssuche mit mehreren Hürden
Die Berliner Linke startet die Regierungsbildung aus einer starken Position: Bei der Abgeordnetenhauswahl wurde sie mit 25,7 Prozent stärkste Kraft. Ein Bündnis mit Grünen und SPD hätte nach den vorliegenden Wahlergebnissen eine Mehrheit und würde der Linken erstmals die Führung des Senats ermöglichen.
Sondierungen sind jedoch noch keine Koalitionsverhandlungen. In dieser Phase prüfen die Parteien, ob zentrale politische Vorhaben, personelle Fragen und der Umgang miteinander eine gemeinsame Regierung tragen könnten. Die Grünen haben bereits ein Team benannt; aus der SPD gibt es sowohl Unterstützung für ein rot-grün-rotes Bündnis als auch Widerstand.
Antisemitismus und Wohnungsmarkt als Schlüsselthemen
Besonders sensibel ist der Umgang der Linken mit Antisemitismus und israelkritischen Äußerungen. Die Partei muss gegenüber möglichen Partnern glaubhaft zeigen, dass sie jüdisches Leben schützt und Grenzüberschreitungen aufarbeitet. Die Grünen haben diesen Punkt ebenso wie Sicherheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu einem Schwerpunkt gemacht.
Inhaltlich dürfte außerdem die Wohnungspolitik die Gespräche prägen. Die Linke strebt die Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände an; betroffen wären rund 240.000 Wohnungen. Das Vorhaben könnte den Bestand kommunal gebundener Wohnungen vergrößern, wäre aber rechtlich und finanziell umstritten. Für Mieterinnen und Mieter entscheidet sich damit, ob aus dem Wahlkampfthema ein konkretes Regierungsprojekt wird.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: „Berliner Linke entscheidet auf Parteitag über Sondierungen“ (25.09.2026)
Der Bericht bestätige den Parteitagsbeschluss und ordne Sondierungen als ersten Schritt vor möglichen Koalitionsverhandlungen ein. Er hebe zusätzlich die Antisemitismus-Debatte, den Widerstand in Teilen der SPD und das bereits zusammengestellte Sondierungsteam der Grünen hervor. Als weitere offene Frage benenne der Artikel die Konkurrenzoption eines Bündnisses aus CDU, Grünen und SPD.
Wohnungspolitik als möglicher Verhandlungskonflikt
tagesschau: „Löst Vergesellschaftung das Wohnungsproblem?“ (25.09.2026)
Der Beitrag bestätige den Zusammenhang zwischen dem Wahlsieg und den geplanten Gesprächen und setze einen anderen Schwerpunkt auf die Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände. Er stelle die möglichen Auswirkungen auf Mieten, Investitionen und den Landeshaushalt gegenüber und verweise auf erhebliche rechtliche Auseinandersetzungen. Einigkeit bestehe damit über die Bedeutung des Themas, während Nutzen, Kosten und Umsetzung offenblieben.
Beide Berichte stellten den Parteitagsbeschluss als Ausgangspunkt eines möglichen rot-grün-roten Bündnisses dar; Unterschiede lägen vor allem in der Gewichtung von Koalitionshürden und Wohnungspolitik.
