Berlin-Wahl: Linke lädt Grüne und SPD zu Sondierungen ein
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 19:52 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Berliner Linke will nach ihrem Wahlsieg mit Grünen und SPD Sondierungsgespräche über eine mögliche Regierungsbildung führen.
Parteitag stimmt für Einladung
Die Delegierten beschlossen den Schritt am Freitagabend mit breiter Mehrheit. In den Gesprächen soll geprüft werden, ob die politischen Voraussetzungen für die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen vorhanden sind.
Die Parteispitze will Grüne und SPD nun offiziell einladen. Die Gespräche könnten im Verlauf der kommenden Woche beginnen; genaue Termine gibt es noch nicht.
Zunächst getrennte Gespräche geplant
Nach dem bisherigen Plan soll die Linke zunächst getrennt mit Vertreterinnen und Vertretern der Grünen sowie der SPD sprechen. Anschließend sollen die Gespräche im Dreierformat fortgesetzt werden.
Grüne und SPD dürften die Einladung annehmen, obwohl es in beiden Parteien Skepsis gegenüber einem Bündnis mit der Linken gibt. Der Landesvorstand der Grünen beschloss nach Angaben einer Parteisprecherin, in Sondierungen zu gehen. SPD-Landesparteichef Steffen Krach hatte sich ebenfalls grundsätzlich offen gezeigt, zugleich aber betont, dass daraus kein Automatismus für Koalitionsverhandlungen entstehe.
Antisemitismus belastet mögliche Koalition
Seit dem Wahlsonntag wird bundesweit über den Umgang der Linken mit Antisemitismus und Kontakten ins Clan-Milieu diskutiert. Grüne und SPD forderten Klarstellungen zum Schutz jüdischen Lebens und zu einer eindeutigen Abgrenzung von Antisemitismus.
Spitzenkandidatin Elif Eralp und die Bundesspitze der Linken haben sich wiederholt gegen Antisemitismus und für den Schutz jüdischen Lebens ausgesprochen. Teile des Berliner Landesverbands stehen wegen Positionen zum Nahostkonflikt und zum Antisemitismus jedoch seit Längerem in der Kritik.
Wahl macht Dreierbündnis nötig
Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am vergangenen Sonntag wurde die Linke mit 25,7 Prozent stärkste Kraft. Es folgten CDU mit 18,8 Prozent, AfD mit 16,3 Prozent, Grüne mit 14,3 Prozent und SPD mit 12,1 Prozent.
Bisher regiert in Berlin ein CDU/SPD-Senat. Nach dem Wahlergebnis verfügen nur Dreierbündnisse über eine rechnerische Mehrheit. Ob aus den nun geplanten Sondierungen tatsächlich eine Koalition hervorgeht, ist offen.
Sondierungen sind noch keine Koalition
Mit dem Parteitagsbeschluss beginnt zunächst eine Prüfphase. Die drei Parteien müssen ausloten, ob sie bei zentralen Themen genügend Gemeinsamkeiten finden und ob die jeweiligen Landesverbände ein späteres Bündnis mittragen. Dass Grüne und SPD die Gespräche voraussichtlich aufnehmen, bedeutet daher noch keine Entscheidung für eine gemeinsame Regierung.
Politisch spricht für die Linke, dass sie mit 25,7 Prozent deutlich stärkste Kraft wurde und damit den Anspruch auf die Führung eines Regierungsprojekts begründen kann. Rechnerisch reicht es nach dem Wahlergebnis nur für Dreierbündnisse. Neben Rot-Grün-Rot bliebe als mögliche Alternative ein Bündnis von CDU, Grünen und SPD, das derzeit jedoch als weniger wahrscheinlich gilt.
Antisemitismus und Sicherheit als Prüfsteine
Die Debatte über Antisemitismus, den Schutz jüdischen Lebens und Kontakte ins Clan-Milieu wird die Gespräche unmittelbar prägen. Grüne und SPD verlangen von der Linken klare politische und organisatorische Abgrenzungen. Damit wird nicht nur die Haltung der Parteispitze entscheidend sein, sondern auch die Frage, ob sie im Landesverband verbindlich durchgesetzt werden kann.
Wohnungspolitik als zweiter Konflikt
Ein weiterer schwerer Verhandlungspunkt ist die Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände. Die Linke will damit eines ihrer zentralen Wahlversprechen umsetzen; die Maßnahme beträfe nach aktuellen Berechnungen rund 240.000 Wohnungen und wäre rechtlich wie finanziell ohne Vorbild. Für Mieterinnen und Mieter geht es damit um die künftige Wohnungspolitik, für die Stadt um mögliche Milliardenkosten und langwierige Rechtsstreitigkeiten.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
DER SPIEGEL: „Berlin: SPD setzt Linke vor Sondierungsgesprächen unter Druck“ (23.09.2026)
Der Bericht schreibe, die SPD-Spitze knüpfe eine mögliche Regierungsbildung an klare Konsequenzen der Linken im Umgang mit Antisemitismus und Kontakten ins Clan-Milieu. Er bestätige damit den im dpa-Bericht beschriebenen Konflikt, setze den Schwerpunkt aber stärker auf den Druck der Bundespartei und zusätzliche Warnungen aus der Union.
n-tv: „‚Bündnis nicht um jeden Preis‘: Grünen-Chef nennt Bedingungen für Koalition mit Linken“ (24.09.2026)
Nach Darstellung des Artikels halte Grünen-Chef Felix Banaszak ein Bündnis grundsätzlich für möglich, verlange aber eine glaubwürdige Abgrenzung der Linken von Antisemitismus, Islamismus und organisierter Kriminalität. Der Bericht bestätige damit die Skepsis der möglichen Partner und stelle zusätzlich heraus, dass die Grünen den Regierungsauftrag zunächst bei der Linken sähen.
Beide Berichte bestätigten, dass die Sondierungen an Bedingungen geknüpft seien; der Spiegel hebe vor allem den Druck der SPD hervor, während n-tv den Maßstab der Grünen und deren grundsätzliche Offenheit betone. Offen bleibe, ob die Linke die geforderten Abgrenzungen so konkret vornehmen könne, dass daraus Koalitionsverhandlungen entstünden.
