Berlin, Innere Sicherheit

Berliner Linke-Spitzenkandidatin Eralp setzt auf hÀrteren Kurs gegen organisierte KriminalitÀt

Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 04:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Die Berliner Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp fordert mehr Personal fĂŒr die Strafverfolgung gegen organisierte KriminalitĂ€t und Steuerhinterziehung, distanziert sich aber vom Begriff „ClankriminalitĂ€t“. Zugleich will sie Polizeiarbeit stĂ€rker auf echte Gefahren konzentrieren und mehr auf Sozialarbeit und PrĂ€vention setzen.

Berliner Linke will Kampf gegen Organisierte KriminalitÀt stÀrken
Polizei (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Die Spitzenkandidatin der Berliner Linken, Elif Eralp, will die Strafverfolgung im Bereich der organisierten KriminalitĂ€t deutlich stĂ€rken und dafĂŒr zusĂ€tzliches Personal einsetzen. Zugleich grenzt sie sich vom Begriff „ClankriminalitĂ€t“ ab und betont, dass es um strukturelle KriminalitĂ€t und nicht um bestimmte Bevölkerungsgruppen gehe.

Eralp fordert mehr Personal fĂŒr Schwerpunktstaatsanwaltschaften

Eralp sagte dem Nachrichtenportal T-Online, in der BekĂ€mpfung organisierter KriminalitĂ€t könne man nicht sparen, sondern mĂŒsse zusĂ€tzlich Personal einsetzen. Sie hob die Bedeutung von Schwerpunktstaatsanwaltschaften hervor, die komplexe Verfahren bĂŒndeln und effektiver gegen organisierte Strukturen vorgehen sollen. Der Begriff „ClankriminalitĂ€t“ sei aus ihrer Sicht nicht geeignet, um diese Formen von KriminalitĂ€t prĂ€zise zu beschreiben.

Als zentrale Felder nannte Eralp Steuerhinterziehung, die stĂ€rker verfolgt werden mĂŒsse, weil dem Staat dadurch Millionen entgingen. Zudem bezeichnete sie Schutzgelderpressung als „riesiges Problem“ in Berlin und verwies darauf, dass in diesem Zusammenhang Menschen erschossen wĂŒrden. In beiden Bereichen verlangte sie einen klaren Ausbau der Ermittlungs- und VerfolgungskapazitĂ€ten.

Neupositionierung der Berliner Linken in Sicherheitsfragen

In der Vergangenheit hatten Politiker der Berliner Linken immer wieder dazu aufgerufen, die Mittel der Polizei zu kĂŒrzen. Eralp stellte nun klar, sie spare nicht an der Sicherheit der Berlinerinnen und Berliner. Statt pauschaler KĂŒrzungen gehe es ihrer Ansicht nach darum, die Polizei sinnvoller einzusetzen und Schwerpunkte neu zu setzen.

Sie stellte dabei die Frage, ob die Polizei tatsĂ€chlich alle SachschĂ€den bei VerkehrsunfĂ€llen protokollieren mĂŒsse oder ob bei jeder Demonstration ein großes Polizeiaufgebot notwendig sei. Hier sehe sie SpielrĂ€ume, um Ressourcen umzuschichten, ohne die Sicherheit zu gefĂ€hrden. Eralp plĂ€dierte dafĂŒr, die Polizei stĂ€rker dort einzusetzen, wo viel Unsicherheit und KriminalitĂ€t herrsche.

Mehr PrÀvention an Brennpunkten wie Kottbusser Tor und Görlitzer Park

Mit Blick auf bekannte Brennpunkte wie das Kottbusser Tor und den Görlitzer Park sagte Eralp, man habe dort gesehen, dass sich die KriminalitÀt durch mehr Polizei lediglich verlagert habe. Deshalb sei die Polizei aus ihrer Sicht kein Allheilmittel, auch wenn sie an Orten mit hoher Unsicherheit und KriminalitÀt weiterhin notwendig bleibe.

Sie setzt vor allem auf Sozialarbeit und PrĂ€vention, um langfristig KriminalitĂ€t zu reduzieren. Dazu zĂ€hlen aus ihrer Sicht Angebote fĂŒr Jugendliche, UnterstĂŒtzung fĂŒr von Schutzgelderpressung betroffene Gewerbetreibende und Maßnahmen gegen soziale Ausgrenzung. Die Kombination aus gezielter Strafverfolgung und verstĂ€rkter PrĂ€ventionsarbeit soll nach ihrem Konzept zu mehr Sicherheit fĂŒhren, ohne bestimmte Gruppen pauschal zu stigmatisieren.

Die Aussagen von Elif Eralp fĂŒgen sich in eine seit Jahren gefĂŒhrte Debatte ĂŒber den Umgang mit KriminalitĂ€tsschwerpunkten und organisierter KriminalitĂ€t in Berlin ein. Dabei prallen unterschiedliche Sicherheitskonzepte aufeinander: mehr Polizei und hĂ€rtere Strafen auf der einen Seite, stĂ€rkere PrĂ€vention und soziale Arbeit auf der anderen.

Besonders die Ablehnung des Begriffs „ClankriminalitĂ€t“ verweist auf eine Auseinandersetzung ĂŒber die Sprache der Inneren Sicherheit. Kritiker sehen darin eine stigmatisierende Zuschreibung gegenĂŒber bestimmten Bevölkerungsgruppen, wĂ€hrend BefĂŒrworter argumentieren, ohne das Label wĂŒrden spezifische Strukturen der organisierten KriminalitĂ€t aus dem Blick geraten. Eralp versucht hier eine Linie zu ziehen: harte Strafverfolgung gegen organisierte KriminalitĂ€t und Steuerhinterziehung, ohne pauschale ethnische Zuschreibungen.

Hintergrund: Berliner Sicherheitsdebatten

Berlin diskutiert seit Jahren ĂŒber KriminalitĂ€t an Orten wie Kottbusser Tor und Görlitzer Park. Die Erfahrungen mit verstĂ€rkten PolizeiprĂ€senz zeigen, dass Delikte hĂ€ufig rĂ€umlich ausweichen, anstatt ganz zu verschwinden. Daran knĂŒpft Eralp an, indem sie mehr Sozialarbeit und PrĂ€vention fordert und Polizei als begrenztes Instrument beschreibt. Zugleich ist bemerkenswert, dass eine Spitzenkandidatin der Linken ausdrĂŒcklich zusĂ€tzliche Ressourcen fĂŒr Schwerpunktstaatsanwaltschaften und Ermittlungen gegen Steuerhinterziehung verlangt – ein Feld, in dem ein hoher Schaden fĂŒr die öffentlichen Haushalte entsteht.

Bedeutung fĂŒr Berlinerinnen und Berliner

FĂŒr Menschen in betroffenen Vierteln ist die Frage, wie Sicherheit hergestellt wird, unmittelbar spĂŒrbar: Es geht um Schutz vor Gewalt, Schutzgelderpressung und DrogenkriminalitĂ€t, aber auch darum, ob Kontrollen und EinsĂ€tze als fair und verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig erlebt werden. Eralps Vorschlag, Polizei von Routineaufgaben wie der detaillierten Aufnahme von BagatellschĂ€den im Straßenverkehr zu entlasten, zielt darauf, KrĂ€fte genau dorthin zu verlagern, wo sie als notwendig gelten. Die Kombination aus gezielter Strafverfolgung, Ausbau von Staatsanwaltschaften und intensiver Sozialarbeit könnte – sofern politisch durchgesetzt und finanziert – die Sicherheitsarchitektur der Stadt spĂŒrbar verĂ€ndern.

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