Ex-MinisterprÀsident Vogel ist tot
03.03.2025 - 13:29:51 | dpa.deDer einzige MinisterprĂ€sident, der gleich zwei BundeslĂ€nder regiert hat, ist tot. Der CDU-Politiker Bernhard Vogel, einst Regierungschef erst von Rheinland-Pfalz und dann von ThĂŒringen, starb im Alter von 92 Jahren, wie die CDU Rheinland-Pfalz und die Konrad-Adenauer-Stiftung der Deutschen Presse-Agentur bestĂ€tigten. Zuvor hatte die «Bild»-Zeitung berichtet. Vogel hĂ€lt mit einer Amtszeit von insgesamt 23 Jahren in Mainz und Erfurt den Rekord als Landesregierungschef.
Die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schrieb ihm bereits 2007 anlÀsslich seines 75. Geburtstags, seine «historische Einmaligkeit» werde wohl von niemand anderem zu erreichen sein. Zuletzt wohnte er im pfÀlzischen Speyer.
Vermittler zwischen Ost und West
Bundeskanzler Olaf Scholz wĂŒrdigte sein politisches Wirken. Vogel habe das Zusammenwachsen von Ost und West gestaltet und das Land geprĂ€gt, schrieb der SPD-Politiker auf der Plattform X. Er sei eine «unermĂŒdliche Stimme fĂŒr die Demokratie» gewesen. «Diese Stimme wird uns fehlen.»Â
CDU-Chef Friedrich Merz bezeichnete Vogel als «Ausnahmepolitiker». «Als MinisterprĂ€sident in zwei BundeslĂ€ndern, BrĂŒckenbauer zwischen Ost und West und langjĂ€hriger Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung hinterlĂ€sst er ein bleibendes VermĂ€chtnis», schrieb Merz bei X.
Der aktuelle Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung, Norbert Lammert, sagte, Vogel habe «durch klare Orientierung und Respekt vor dem politischen Gegner ein Beispiel fĂŒr demokratische Streitkultur gegeben».
Staatsakt und Trauerbeflaggung
In ThĂŒringen veranlasste MinisterprĂ€sident Mario Voigt Trauerbeflaggung. Er nannte Vogel einen «Jahrhundertpolitiker». «Er war jemand, der mit einem freundlichen LĂ€cheln, mit scharfem Verstand und unerschĂŒtterlicher Ăberzeugung fĂŒhrte», sagte der CDU-Politiker. In Rheinland-Pfalz soll es einen Trauerstaatsakt geben. FĂŒr den rheinland-pfĂ€lzischen MinisterprĂ€sidenten Alexander Schweitzer (SPD) war Vogel eine prĂ€gende Gestalt der politischen Geschichte Deutschlands. Vogel sei auch ein Mittler zwischen West und Ost gewesen, erklĂ€rte Schweitzer. «Seine politische Arbeit war stets geprĂ€gt von Ausgleich, Mitte, Dialog und Kompromiss.» Die Beisetzung finde im engsten Kreis in MĂŒnchen statt.
MinisterprĂ€sident in ThĂŒringen und Rheinland-Pfalz
Vogels politische Karriere begann in den 1960er Jahren und war eng mit dem Namen Helmut Kohl verbunden. Nach zwei Jahren Bundestag wurde er 1967 Kultusminister in Rheinland-Pfalz â Kohl war damals MinisterprĂ€sident â und profilierte sich als Bildungspolitiker. Vogel setzte etwa den Ăbergang von der Konfessionsschule zur christlichen Gemeinschaftsschule durch.
1974 löste er Kohl als CDU-Landeschef ab und setzte sich gegen Heiner GeiĂler durch, den Kohl favorisiert hatte. Zwei Jahre spĂ€ter folgte Vogel als MinisterprĂ€sident auf Kohl.
In der rheinland-pfĂ€lzischen CDU verlor Vogel 1988 einen Machtkampf gegen Hans-Otto Wilhelm. Nach dessen Wahl zum CDU-Landesvorsitzenden trat Vogel als MinisterprĂ€sident zurĂŒck. Im Jahr darauf ĂŒbernahm er den Chefposten der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung.
«Mainz war ein Wagnis. ThĂŒringen war ein Abenteuer»
Nach der deutschen Wiedervereinigung begann 1992 die zweite Karriere Vogels als Regierungschef in ThĂŒringen. «Mainz war ein Wagnis. ThĂŒringen war ein Abenteuer», sagte er einmal. Nach elf Jahren verabschiedete er sich 2003 aus diesem Amt. Bereits 2001 war er wieder Vorsitzender der Adenauer-Stiftung geworden, was er bis 2009 blieb. Mit seinem Bruder, dem frĂŒheren SPD-Chef Hans-Jochen Vogel (1926-2020), und mit Parteikollegen diskutierte er bis ins hohe Alter ĂŒber politische Fragen.
Als einschneidende Erlebnisse nannte Vogel oft die Flugtagkatastrophe 1988 in Ramstein in seiner Amtszeit in Rheinland-Pfalz und den Amoklauf von 2002 in Erfurt, als er MinisterprĂ€sident von ThĂŒringen war.
Eigentlich wollte der am 19. Dezember 1932 in Göttingen geborene und in GieĂen aufgewachsene Politologe Professor an einer Uni werden. Allerdings könne er nicht beantworten, ob er auch in dieser Position erfolgreich gewesen wĂ€re, sagte Vogel einmal der Deutschen Presse-Agentur. «Ich behaupte aber, dass ich in der Politik mehr bewirken konnte als als Wissenschaftler.»
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