BMW zieht Dienstwagen-Angebot für Landtagspräsident Tobias Rausch zurück
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 12:27 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBMW hat das Angebot zur Verlängerung des Leasingvertrags für den Dienstwagen von Sachsen-Anhalts Landtagspräsidenten Tobias Rausch zurückgezogen.
Vertrag läuft im November aus
Der AfD-Politiker war Anfang der Woche zum ersten Landtagspräsidenten seiner Partei in Deutschland gewählt worden. Das Fahrzeug ist Rausch persönlich zugeordnet; der Vertrag wäre im November ausgelaufen.
Nach dpa-Informationen muss sich der ranghöchste Politiker des Landes deshalb einen neuen Anbieter für sein Auto suchen. BMW teilte auf Anfrage mit, sich grundsätzlich nicht zu einzelnen Kundenbeziehungen zu äußern.
Mehrheit der Wagen wird geteilt
Die Dienstwagenflotte von Landesregierung und Landtag umfasst mehrere Fahrzeuge, die meisten stammen von BMW. Üblicherweise sind diese Wagen nicht einzelnen Personen zugeordnet, sondern werden von mehreren Politikern und Beamten genutzt.
Nur wenige Fahrzeuge sind personifiziert. Dazu gehört der Wagen des Landtagspräsidenten.
Siegmund kündigt Fahrt mit Simson an
AfD-Fraktionschef Ulrich Siegmund reagierte mit Spott auf den Rückzug des BMW-Angebots. „Mit der Schwalbe zur Staatskanzlei! Da BMW mit Demokratie offenbar wenig am Hut hat, werde ich im Dezember mit derjenigen zur Staatskanzlei fahren, die mich auch treu durch den Wahlkampf begleitet hat. Zweitakt statt Bevormundung!“, erklärte er.
Siegmund will sich im Dezember zum Ministerpräsidenten wählen lassen. Trotz Kritik der Simson-Nachfahren war er im Wahlkampf mehrfach mit einem der Fahrzeuge unterwegs.
Ein Amt mit besonderer Symbolkraft
Mit Tobias Rausch steht erstmals ein AfD-Politiker an der Spitze eines deutschen Landesparlaments. Der 35-Jährige erhielt bei der konstituierenden Sitzung des Landtags von Sachsen-Anhalt 48 von 82 abgegebenen Stimmen. AfD und BSW verfügen zusammen über 44 Abgeordnete; die geheime Wahl führte deshalb zu einer politischen Debatte über zusätzliche Stimmen aus anderen Fraktionen.
Das Amt des Landtagspräsidenten ist nicht mit der Leitung der Landesregierung gleichzusetzen. Der Präsident führt die Sitzungen, achtet auf die parlamentarische Ordnung und repräsentiert das Parlament. Gerade deshalb steht die Frage der Überparteilichkeit im Mittelpunkt. Rausch will zugleich Generalsekretär der AfD in Sachsen-Anhalt bleiben – eine Doppelrolle, die politisch und institutionell kritisiert wird.
Folgen für die Landespolitik
Die Wahl fällt in eine Phase, in der Sachsen-Anhalt nach der Landtagswahl über die künftige Regierungsbildung verhandelt. AfD-Fraktionschef Ulrich Siegmund strebt im Dezember das Amt des Ministerpräsidenten an. Die Wahl des Landtagspräsidenten gilt daher als erster Test dafür, ob die AfD bei wichtigen parlamentarischen Entscheidungen Unterstützung über die eigene Fraktion hinaus erhalten kann.
Für den Dienstwagen des Landtagspräsidenten hat der Vorgang zunächst eine konkrete administrative Folge: Das bisherige BMW-Leasing soll im November auslaufen, ein Verlängerungsangebot wurde zurückgezogen. Die Flottenregelung unterscheidet zwischen gemeinsam genutzten Fahrzeugen und wenigen persönlich zugeordneten Wagen. Rauschs Auto gehört zur zweiten Kategorie; der Landtag muss deshalb einen neuen Anbieter oder eine andere Lösung finden.

