Bodo Ramelow, Sachsen-Anhalt

Bodo Ramelow warnt CDU in Sachsen-Anhalt vor AfD-Regierungsauftrag

Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Bodo Ramelow warnt die Parteien in Sachsen-Anhalt eindringlich davor, sich von der AfD in taktische Manöver treiben zu lassen. Seine Kritik zielt vor allem auf den Umgang mit möglichen Regierungsbildungen und die Rolle von CDU und BSW.

Ramelow warnt Parteien in Sachsen-Anhalt vor Falle der AfD
Bodo Ramelow (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Bodo Ramelow, ehemaliger Ministerpräsident von Thüringen und heute Bundestagsvizepräsident, warnt die Parteien in Sachsen-Anhalt davor, sich von der AfD in eine politische Falle locken zu lassen. Nach seinen Worten könne die AfD Unsicherheiten anderer Parteien ausnutzen, wenn diese keinen klaren eigenen Kurs verfolgen.

Verweis auf Thüringer Ministerpräsidentenwahl 2020

Ramelow erinnert an die Wahl von Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten in Thüringen im Jahr 2020. Damals war Kemmerich mit Stimmen der AfD ins Amt gewählt worden. Die AfD habe es nach Ramelows Einschätzung geschafft, die übrigen Parteien in eine Falle zu treiben und aus der entstandenen Verwirrung politischen Profit zu schlagen.

Diese Erfahrung nutzt Ramelow nun als warnendes Beispiel für Sachsen-Anhalt. Seiner Auffassung nach werde die AfD versuchen, ein ähnliches Szenario zu schaffen und erneut aus unklaren Positionierungen der übrigen Parteien Kapital zu schlagen.

Kritik an CDU und Hinweis auf BSW

In seinen Äußerungen nimmt Ramelow ausdrücklich die CDU in Sachsen-Anhalt in den Blick. Er wirft der Partei vor, sich aktuell in die Formel zu retten, die AfD habe nun den Regierungsauftrag, und möglicherweise darauf zu hoffen, dass sich die AfD in der Regierungsverantwortung selbst entzaubere.

Zugleich sieht Ramelow das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) in der Rolle eines möglichen Türöffners für solche Konstellationen. Aus seiner Sicht trägt das BSW dazu bei, dass neue Mehrheitsoptionen im Landtag entstehen könnten, von denen die AfD profitieren würde.

Forderung nach klaren eigenen Kandidaturen

Auf die Frage, ob die CDU einen eigenen Kandidaten für die Ministerpräsidentenwahl in Sachsen-Anhalt benennen sollte, verweist Ramelow auf die Situation in Thüringen im Jahr 2020. Dort wäre es nach seiner Einschätzung besser gewesen, wenn die CDU einen eigenen Kandidaten aufgestellt hätte.

Er ist der Ansicht, dass dadurch das damals entstandene Chaos vermieden worden wäre. Seine Botschaft an die Parteien in Sachsen-Anhalt lautet daher, bei der anstehenden Wahl klare eigene Angebote zu machen, statt sich auf Rollen und Optionen zu verlassen, die von der AfD vorgegeben werden.

Die Warnung von Bodo Ramelow richtet sich auf die Lage in Sachsen-Anhalt, wo nach jüngsten politischen Entwicklungen erneut über den Umgang der etablierten Parteien mit der AfD und möglichen Mehrheiten im Landtag diskutiert wird. Ramelow greift dabei seine eigene Erfahrung aus Thüringen im Jahr 2020 auf, als der FDP-Politiker Thomas Kemmerich mit Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten gewählt wurde und dies eine Regierungskrise auslöste.

Lehren aus Thüringen für Sachsen-Anhalt

Ramelow verweist darauf, dass die AfD damals gezielt die Unklarheit und taktischen Überlegungen anderer Parteien genutzt habe, um eine für sie vorteilhafte Konstellation herzustellen. Die anschließenden Proteste, die bundesweite Kritik und der Rücktritt Kemmerichs machten deutlich, wie stark eine von der AfD getriebene Machtoption die politische Stabilität eines Landes erschüttern kann. Diese Episode gilt seitdem als abschreckendes Beispiel für indirekte Kooperationen oder taktische Spielräume, aus denen die AfD politisches Kapital schlagen könnte.

Debatte um „Regierungsauftrag" und Rolle des BSW

In Sachsen-Anhalt wird derzeit intensiv darüber gestritten, wie Parteien auf starke Wahlergebnisse der AfD reagieren sollen, insbesondere wenn sie deutlich vor anderen Parteien liegt. Der Begriff „Regierungsauftrag" wird dabei unterschiedlich interpretiert: Während einige Akteure argumentieren, die stärkste Fraktion müsse das erste Zugriffsrecht auf eine Regierungsbildung haben, warnt Ramelow vor einer politischen Logik, die der AfD zusätzliche Legitimation verschafft, selbst wenn sie keine Mehrheit hinter sich vereinen kann. Zugleich hebt er das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) hervor, das sich laut seiner Kritik anschickt, „die Tür zu öffnen" – gemeint ist, dass neue Konstellationen und mögliche gemeinsame Abstimmungen im Landtag zusätzliche Wege eröffnen könnten, über die die AfD Mehrheiten organisiert oder politische Prozesse blockiert.

Bedeutung für Wähler und Parteien

Für die Parteien in Sachsen-Anhalt bedeutet Ramelows Warnung, dass sie klare Alternativen formulieren und sich nicht auf indirekte Arrangements mit der AfD verlassen sollen, um kurzfristige Vorteile zu erzielen. Für Wähler ist die Debatte ein Hinweis darauf, wie stark die Frage des Umgangs mit der AfD inzwischen die Bildung von Landesregierungen prägt. Der Verweis auf 2020 in Thüringen zeigt, dass politische Unsicherheit und taktische Manöver schnell in eine Krise münden können, wenn die Grenzen zur AfD nicht eindeutig gezogen werden.

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