US-Konzern Dow schlieĂt Chemieanlagen in Sachsen und Sachsen-Anhalt
07.07.2025 - 15:44:13(neu: Reaktion des Wirtschaftsministers in Sachsen-Anhalt ergÀnzt.)
BĂHLEN/SCHKOPAU (dpa-AFX) - Der US-Chemiekonzern Dow US2605571031 will einen Teil seiner Anlagen im sĂ€chsischen Böhlen und in Schkopau in Sachsen-Anhalt Ende 2027 schlieĂen. Grund seien strukturelle Herausforderungen auf dem europĂ€ischen Markt, darunter hohe Energie- und Betriebskosten, steigende CO2-Kosten sowie eine mangelnde Nachfrage in SchlĂŒsselindustrien, teilte das Unternehmen mit. Dow habe die Mitarbeiter an den betroffenen Standorten ĂŒber diese Entscheidung informiert, hieĂ es.
"Unsere Branche sieht sich in Europa nach wie vor mit schwierigen Marktdynamiken und einem anhaltend herausfordernden Kosten- und Nachfrageumfeld konfrontiert", sagte Dow-Chef Jim Fitterling.
Betroffen sind nach Unternehmensangaben insgesamt rund 550 regulĂ€r BeschĂ€ftige in Böhlen und Schkopau. Dies betreffe sowohl Mitarbeiter an den entsprechenden Produktionsanlagen als auch BeschĂ€ftigte in unterstĂŒtzenden Bereichen, hieĂ es. Dow unterhĂ€lt nach Angaben zufolge 13 Standorte in Deutschland mit rund 3.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
Nicht alle Anlagen der Region betroffen
Konkret geht es um die Chloralkali- und Vinylanlagen in Schkopau (Saalekreis) sowie den sogenannten Steamcracker in Böhlen, der aus Rohbenzin chemische Grundstoffe herstellt. Diese Anlagen stehen am Anfang der chemischen Wertschöpfungskette und gelten als besonders kosten- und energieintensiv. Ihre SchlieĂung dient laut Dow der Anpassung von KapazitĂ€ten, dem Abbau von Handelsrisiken sowie der Verbesserung der WettbewerbsfĂ€higkeit.
Dow hatte bereits im April angekĂŒndigt, mehrere Anlagen in Europa zu ĂŒberprĂŒfen. Neben den deutschen Standorten ist auch eine Anlage im britischen Barry betroffen. Insgesamt sollen europaweit rund 800 Stellen wegfallen. Die SchlieĂungen sollen das operative Ergebnis ab 2026 steigern. Bis Ende 2027 sollen rund 50 Prozent des Einsparziels von 200 Millionen US-Dollar erreicht sein.
Kritik aus der Branche
Die Nordostchemie-VerbĂ€nde (VCI) reagierten alarmiert auf die AnkĂŒndigung. "Die SchlieĂungen der Dow-Anlagen haben katastrophale Auswirkungen. Stoppt das Cracker-Herz, geraten alle anderen angeschlossenen Unternehmen in Gefahr", sagte die HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrerin des VCI Nordost, Nora Schmidt-Kesseler. Viele Unternehmen seien auf die Produktion in Böhlen und Schkopau angewiesen. Die chemische Industrie in Ostdeutschland sei stark vom Stoffverbund geprĂ€gt.
"Das Wegbrechen von Anlagen hat massive Auswirkungen auf nachgelagerte Prozesse und angeschlossene Unternehmen." Die SchlieĂung werde ganze Produktionsketten infrage stellen, erklĂ€rte Schmidt-Kesseler. Sie erinnerte daran, dass an jedem Chemiearbeitsplatz drei weitere ArbeitsplĂ€tze hĂ€ngen.
Reaktion aus der Landespolitik
Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Sven Schulze (CDU) erklĂ€rte: "Die Entwicklung bei Dow hat sich bereits seit lĂ€ngerer Zeit angedeutet." Etwa ein Drittel der rund 550 betroffenen Dow-BeschĂ€ftigten arbeite am Standort Schkopau. Das Land habe frĂŒhzeitig mit Dow eine Arbeitsgruppe gegrĂŒndet, um "gröĂere Teile der Chemiestandorte zu sichern und damit ArbeitsplĂ€tze in der Region zu erhalten".
Die Industrie stehe insgesamt unter Druck. "Hohe Energiepreise und der zunehmende internationale Wettbewerbsdruck setzen die Branche massiv unter Druck", so Schulze. Man arbeite daran, die Branche gezielt zu unterstĂŒtzen. Schulze verwies auf eine Bundesratsinitiative aus Sachsen-Anhalt zur Entlastung energieintensiver Industrien, die der Bundesrat im MĂ€rz beschlossen habe: "Uns ist klar: Viele ArbeitsplĂ€tze hĂ€ngen an der Chemie. Wir arbeiten mit allen uns zur VerfĂŒgung stehenden Möglichkeiten daran, dass diese erhalten bleiben."
Dow plant Konsultationen mit BetriebsrÀten
Die betroffenen Anlagen sollen bis Ende 2027 in Betrieb bleiben, die Stilllegung und der RĂŒckbau könnten sich bis 2029 hinziehen. "Wir werden umgehend einen formalen Konsultationsprozess mit den BetriebsrĂ€ten einleiten, um die damit verbundenen organisatorischen Ănderungen und den Zeitplan zu besprechen", teilte Dow mit. Ziel sei es, sozialvertrĂ€gliche Lösungen zu erarbeiten.
In Deutschland betreibt Dow weitere Anlagen in Schkopau, Leuna und Böhlen - unter anderem zur Herstellung von Kunststoff und Materialien fĂŒr die Bauindustrie. Diese Anlagen sind den Angaben zufolge nicht von der aktuellen Entscheidung betroffen.

