Verteidigung, Bundeswehr

Zivil-mililtĂ€rische Zusammenarbeit / SanitĂ€tsdienst der Bundeswehr und BG-Kliniken in der Landes- und BĂŒndnisverteidigung

24.11.2025 - 15:14:36

Bonn - Bereits seit fĂŒnf Jahren besteht das Kooperationsnetzwerk zwischen den Kliniken der gesetzlichen Unfallversicherung (BG Kliniken) und dem SanitĂ€tsdienst der Bundeswehr. Beide Partner eint das gemeinsame Ziel der bestmöglichen Versorgung, der Rehabilitation und Wiedereingliederung von Patientinnen und Patienten - auch im Szenario der Landes- und BĂŒndnisverteidigung.

Dr. Christoph Reimertz, Koordinator fĂŒr die Unternehmenskooperation der BG-Kliniken mit dem SanitĂ€tsdienst der Bundeswehr und Generalstabsarzt Dr. Johannes Backus, Kommandeur des Kommandos Gesundheitsversorgung der Bundeswehr, erlĂ€utern im Interview den aktuellen Stand der Kooperation und wo der Weg, gerade im Hinblick auf die Landes- und BĂŒndnisverteidigung (LV/BV) hinfĂŒhren soll.

1. Herr Generalstabsarzt Dr. Backus, seit fĂŒnf Jahren besteht die enge Kooperation zwischen den BG-Kliniken und dem SanitĂ€tsdienst der Bundeswehr. Welche Ziele stehen im Fokus aus der Sicht des SanitĂ€tsdienstes?

Die BundeswehrkrankenhĂ€user dienen neben ihrem klinischen Versorgungsauftrag in erster Linie als Ausbildungseinrichtungen fĂŒr unser medizinisches Personal, das im Falle der Landes- und BĂŒndnisverteidigung und anderweitiger EinsatzauftrĂ€ge fĂŒr die Versorgung der verwundeten und erkrankten Soldatinnen und Soldaten zustĂ€ndig ist. Wir haben also fĂŒnf Hochwertkliniken fĂŒr komplexe Verletzungs- und Erkrankungsmuster, analog zu den BG-Kliniken, die sich um die Behandlung und Rehabilitation von im Beruf Verletzten oder Erkrankten kĂŒmmern. Die Ausrichtung der Kliniken ist also ganz Ă€hnlich und durchaus vergleichbar. Im Hinblick auf unseren Versorgungsauftrag haben wir quasi die gleiche DNA und da lag es nahe, gerade im Hinblick auf ein Szenario der Landes- und BĂŒndnisverteidigung, nĂ€her zusammenzurĂŒcken, um gemeinsam medizinische Ressourcen zu schaffen und weiter voneinander zu lernen.

2. Herr Dr. Reimertz, die Kooperation der BG-Kliniken mit dem SanitÀtsdienst der Bundeswehr bestand schon vor der Vollinvasion der Ukraine und der damit einhergehenden VerschÀrfung der sicherheitspolitischen Lage in Europa. Welche Intention gab es seitens der BG-Kliniken, eine solche Kooperation einzugehen?

Auch wir sprechen intern gerne davon, dass uns die gemeinsame DNA zusammengebracht hat. BG Kliniken und BundeswehrkrankenhĂ€user sind sich Ă€hnlicher, als viele denken. Beide sind bereits in Friedenszeiten unerlĂ€sslich fĂŒr die Akutversorgung in Deutschland. Beide haben auch einen muskuloskelettalen Schwerpunkt und verfolgen eine ganzheitliche und sektorenĂŒbergreifende Versorgung nach ArbeitsunfĂ€llen. Denn nichts Anderes ist schließlich die Kriegsverwundung eines Soldaten im Dienst unseres Landes. Und last but not least eint uns der gesetzliche Auftrag, unsere Patientinnen und Patienten jederzeit bestmöglich zu versorgen. Da war es fast schon folgerichtig, eine langfristige Partnerschaft einzugehen, in vielen gemeinsamen Fragestellungen enger zu kooperieren und uns gemeinsam als Gesundheitseinrichtungen des Bundes öffentlich bzw. politisch mehr Sichtbarkeit zu verschaffen.

3. Herr Generalarzt, ein Krieg in Mitteleuropa ist durch die sicherheitspolitischen Entwicklungen wahrscheinlicher geworden. Worauf kommt es bei der klinischen Verwundetenversorgung im Szenario der Landes- und BĂŒndnisverteidigung an?

Wie auch bei allen anderen Teilen der StreitkrĂ€fte bestimmen auch bei uns Personal und Material die DurchhaltefĂ€higkeit. Aber gerade im SanitĂ€tsdienst bedeutet vorhandene Expertise den Unterschied zwischen Leben und Tod. Bei sogenannten Kriegsverwundungen sprechen wir von komplexen Verletzungsmustern und Polytraumata, z.B. durch Beschuss und Explosion. Um solche Verwundungen behandeln zu können, braucht es Kliniken auf universitĂ€rem Niveau. Sowohl die BundeswehrkrankenhĂ€user, als auch die BG-Kliniken können das bieten. Das Ziel der schnellstmöglichen Rehabilitation der Verwundeten muss dabei ganz klar an erster Stelle stehen, weil die Ressource Personal in einem Szenario der Landes- und BĂŒndnisverteidigung entscheidend sein wird.

4. Herr Dr. Reimertz, die klinische Verwundetenversorgung gehörte bislang nicht zum alltĂ€glichen Portfolio der BG-Kliniken. Wie wird Ihr Personal auf diese Situation vorbereitet? Woher bekommt das medizinische Personal der BG-Kliniken die Expertise fĂŒr die Versorgung Schuss- und Sprengverletzungen?

Das ist eine berechtigte Frage. Wir kennen aus der Ukraine die Verletzungsmuster einer drohnenbasierten KriegsfĂŒhrung. Gerade die BG Kliniken halten die Kompetenzen vor, die zur Behandlung solcher Verletzungen notwendig sind. Expertise in Verbrennungsmedizin, plastisch-rekonstruktiver Chirurgie und umfassender Rehabilitation nach traumatischer Amputation gehören jetzt schon zu unserem Alltag. NatĂŒrlich gehören gemeinsame Fort- und Weiterbildungen, wie zum Beispiel der Verbrennungskurs BTC 48 und die Weiterbildung zum Notfall- und Einsatzchirurgen sowie gemeinsame Übungen mit dem SanitĂ€tsdienst dazu, um unser Personal bestmöglich auf eine solche Situation vorzubereiten, immer in der Hoffnung, dass sie nie eintritt.

5. Herr Generalstabsarzt, es ist kein Geheimnis, dass viele Soldatinnen und Soldaten der BwKrhs im Falle LV/BV ihren Dienst nicht mehr in den Kliniken, sondern in SanitĂ€tseinrichtungen im Einsatzgebiet leisten werden. Wer ĂŒbernimmt dann die Aufgaben der BundeswehrkrankenhĂ€user?

ZunĂ€chst: Wenn wir uns die gesamte Rettungskette betrachten, dann ist es entscheidend, dass das uniformierte Personal aus den BundeswehrkrankenhĂ€usern die notfallchirurgische und akutmedizinische Versorgung im Einsatzgebiet leistet. Ohne diese Ebenen mĂŒssten wir ĂŒber die abschließende Versorgung in der Heimat gar nicht mehr reden. Die BundeswehrkrankenhĂ€user werden aber in jedem Fall "am Netz" bleiben; zu diesem Zweck werden wir uns mit Reservedienstleistenden verstĂ€rken. Die im Frieden ĂŒbliche Versorgung der Zivilbevölkerung muss jedoch dann von den Nachbarkliniken in der Region ĂŒbernommen werden. Die BundeswehrkrankenhĂ€user ĂŒbernehmen aber in LV/BV voraussichtlich auch weiterhin unverzichtbare Funktionen, wie z.B. die fachĂ€rztliche Begutachtung der Rehabilitanden.

6. Herr Dr. Reimertz, die Kompetenz der BG-Kliniken liegt in der Akutversorgung und Rehabilitation von Menschen, die sich im Beruf verletzt haben. Wo liegen, Ihrer Ansicht nach, die Herausforderungen fĂŒr die BG-Kliniken in der Zusammenarbeit mit dem SanitĂ€tsdienst und welche Vorteile bringt diese Kooperation?

Vor allem können wir voneinander lernen: Die BG Kliniken haben große Expertise in sektorĂŒbergreifender Rehabilitation, die BundeswehrkrankenhĂ€user sind stark in der Aus-, Fort- und Weiterbildung medizinischer FachkrĂ€fte. Hier lassen sich durch gemeinsame Konzepte noch viele Synergien heben. Herausforderungen bestehen bei den rechtlichen Rahmenbedingungen; da ist einiges ungeklĂ€rt oder zu kompliziert geregelt. Angefangen bei der europaweiten Ausschreibungspflicht fĂŒr bestimmte medizinische Leistungen, ĂŒber fehlende VertrĂ€ge fĂŒr gemeinsamen Einkauf und VorrĂ€te, bis hin zur Verteilung von Patientinnen und Patienten nebst Informationsweitergabe im Kriegsfall.

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