Brandanschlag Wuppertaler Synagoge: Tatverdächtiger in Untersuchungshaft
Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 16:35 Uhr | dpa, AD HOC NEWSNach dem Brandanschlag auf die Bergische Synagoge in Wuppertal ist der tatverdächtige 37-Jährige in Untersuchungshaft genommen worden.
Haftbefehl und Tatvorwurf
Ein Richter erließ gegen den Mann Haftbefehl wegen versuchter schwerer Brandstiftung. Nach Angaben der Wuppertaler Staatsanwaltschaft äußerte sich der Beschuldigte klar antisemitisch. Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund der Tat wurden bislang nicht festgestellt.
Ablauf des Angriffs auf die Synagoge
Der 37-jährige Afghane soll zwei Beutel mit Flüssigkeit gegen das Gebäude der Synagoge geworfen und einen dritten Beutel an einer Nebentür ausgegossen haben. Die brennbare Flüssigkeit soll er anschließend entzündet haben. Sicherheitskräfte nahmen den Mann kurz darauf in der Nähe des Tatorts fest.
Durchsuchung und Vorstrafen
Bereits am Donnerstag wurde die Wohnung des Beschuldigten durchsucht. Dabei stellten die Ermittler ein Mobiltelefon sicher, dessen Auswertung andauert. Zudem wurden mehrere Messer und eine Machete gefunden, die nach Angaben der Staatsanwaltschaft griffbereit lagen. Der Verdächtige hat eine Vorstrafe wegen der Bedrohung einer Nachbarin.
Schaden am Gebäude und Zeuginnen gesucht
Der Brand war auf einer Treppe an einem Nebeneingang der Synagoge gelegt worden. Mitarbeitende der Gemeinde konnten das Feuer mit einem Feuerlöscher schnell löschen. Menschen wurden nicht verletzt, der Sachschaden blieb gering. Die Polizei sucht zwei junge Frauen als mögliche Zeuginnen, die sich zur Tatzeit in unmittelbarer Nähe der Synagoge aufgehalten haben sollen.
Reaktionen jüdischer Organisationen
Der Zentralrat der Juden in Deutschland verurteilte den Angriff auf die Synagoge. Präsident Josef Schuster erklärte, es sei erneut in der Zeit der jüdischen hohen Feiertage zu einem Anschlag auf eine Synagoge gekommen. Auch der Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein reagierte mit Entsetzen.
Vergleich mit früheren Angriffen
Der Landesverband verwies darauf, dass der Versuch, am helllichten Tag und vor laufender Sicherheitskamera das Gebäude in Brand zu setzen, deutlich mache, dass Jüdinnen und Juden in Deutschland nicht sicher seien. Der erneute Anschlag wenige Tage vor Jom Kippur wecke Erinnerungen an den tödlichen Angriff auf die Synagoge in Halle im Jahr 2019. Nach Darstellung der Gemeinde zeigten die Kameraaufzeichnungen, dass der Täter maximalen Schaden habe anrichten wollen und menschliche Opfer in Kauf genommen habe. Die Gemeinde fordert, dass derartige Taten spürbare Konsequenzen nach sich ziehen.
Reaktion der Stadt Wuppertal
Wuppertals Oberbürgermeisterin Miriam Scherff (SPD) verurteilte die Tat als sehr schäbig und rief zur Solidarität mit der Jüdischen Kultusgemeinde auf. Die Bergische Synagoge wurde 2002 eröffnet, der Jüdischen Kultusgemeinde Wuppertal gehören gut 2000 Menschen an. Bereits 2014 war ein Brandanschlag auf die Synagoge verübt worden. Drei Palästinenser hatten gestanden, mit der Tat Aufmerksamkeit auf den Gaza-Konflikt lenken zu wollen, und wurden zu Bewährungsstrafen verurteilt.
Angriff auf Synagoge in hochsensibler Zeit
Der Brandanschlag auf die Bergische Synagoge in Wuppertal trifft die jüdische Gemeinde in einer besonders sensiblen Phase: In diesen Tagen begehen Jüdinnen und Juden die hohen Feiertage, die traditionell von intensiver religiöser Praxis und verstärkten Sicherheitsvorkehrungen begleitet sind. Wenn, wie geschildert, ein 37-jähriger Mann am helllichten Tag Brandsätze gegen eine Synagoge richtet und sich dabei antisemitisch äußert, fügt sich die Tat in eine Reihe von Angriffen, die jüdisches Leben in Deutschland gezielt bedrohen.
Kontinuität antisemitischer Gewalt und Sicherheitsdebatte
Die Wuppertaler Synagoge war bereits 2014 Ziel eines Brandanschlags, dessen Täter angaben, auf den Gaza-Konflikt aufmerksam machen zu wollen. Seither wird in Politik und Sicherheitsbehörden immer wieder über den Schutz jüdischer Einrichtungen diskutiert. Dass der aktuelle Angriff trotz Überwachungskamera und Sicherheitskräften unmittelbar an der Synagoge verübt wurde, dürfte die Forderung nach noch stärkeren Schutzmaßnahmen und einer konsequenten Strafverfolgung antisemitischer Straftaten zusätzlich verstärken. Die geschilderten Funde von Messern und einer Machete in der Wohnung des Verdächtigen unterstreichen, wie schnell aus solchen Taten eine Gefahr für Leib und Leben entstehen kann.
Signalwirkung für jüdisches Leben und Strafverfolgung
Der Umstand, dass ein Haftbefehl wegen versuchter schwerer Brandstiftung erlassen wurde, zeigt, dass die Justiz den Angriff als gravierende Straftat mit erheblichem Gefährdungspotenzial bewertet. Für die jüdischen Gemeinden in Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus sind die Verurteilungen des Zentralrats und des Landesverbands ein deutliches Zeichen, dass der Angriff nicht als Einzelfall verstanden wird, sondern als Teil eines breiteren Problems des Antisemitismus. Die Parallelen, die zur tödlichen Attacke in Halle 2019 gezogen werden, machen klar: Auch wenn der Sachschaden in Wuppertal gering blieb und niemand verletzt wurde, steht für viele die Frage im Raum, wie Politik, Sicherheitsbehörden und Gesellschaft verhindern können, dass aus einem versuchten Anschlag ein nächstes tödliches Verbrechen wird.
