Sachsen-Anhalt, MinisterprÀsidentenkonferenz

BSW greift Schulze wegen Plan zum MPK-Vorsitz fĂŒr Siegmund an

Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 19:45 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS
Die BSW-Fraktionsspitze in Sachsen-Anhalt wirft MinisterprĂ€sident Sven Schulze vor, seinem möglichen AfD-Amtsnachfolger Ulrich Siegmund den Vorsitz der MinisterprĂ€sidentenkonferenz entziehen zu wollen. Sie spricht von einem politisch unanstĂ€ndigen Vorgehen und einem fragwĂŒrdigen DemokratieverstĂ€ndnis.
Sven Schulze am 07.09.2026 - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Die FraktionsfĂŒhrung des BĂŒndnisses Sahra Wagenknecht (BSW) im Landtag von Sachsen-Anhalt hat MinisterprĂ€sident Sven Schulze (CDU) scharf fĂŒr dessen PlĂ€ne zum Vorsitz der MinisterprĂ€sidentenkonferenz (MPK) kritisiert. Schulze wolle dem möglichen Amtsnachfolger Ulrich Siegmund (AfD) den Zugang zum MPK-Vorsitz verwehren und damit die Gestaltungsmöglichkeiten des kĂŒnftigen Regierungschefs beschneiden, heißt es.

BSW sieht WĂ€hlerwillen missachtet

„Sven Schulze hat die Wahl verloren und versucht jetzt offenbar, seinem Nachfolger noch schnell die Gestaltungsmöglichkeiten zu nehmen“, erklĂ€rten BSW-Landtagsfraktionschef Thomas Schulze und Vize-Fraktionschefin Claudia Wittig gegenĂŒber der „Welt“. Dass Sachsen-Anhalt ausgerechnet jetzt der Vorsitz der MinisterprĂ€sidentenkonferenz entzogen werden solle, sei „politisch unanstĂ€ndig“ und zeuge von einem „fragwĂŒrdigen DemokratieverstĂ€ndnis“.

Nach Ansicht der BSW-Politiker gehört es zur Achtung des WĂ€hlerwillens, einem neuen MinisterprĂ€sidenten keine „verbrannte Erde“ zu hinterlassen. Schulze solle seinen Kurs deshalb korrigieren und dafĂŒr sorgen, dass Sachsen-Anhalt wie ursprĂŒnglich vorgesehen den Vorsitz der MPK ĂŒbernehmen kann.

BSW fordert Landesinteressen in den Vordergrund

Durch den Vorsitz der MinisterprĂ€sidentenkonferenz bekĂ€me Sachsen-Anhalt nach Ansicht der BSW-Spitze die Chance, eigene Landesinteressen stĂ€rker auf Bundesebene einzubringen. Schulze und Wittig fordern den CDU-Politiker auf, persönliche Befindlichkeiten zurĂŒckzustellen und im Interesse des Landes zu handeln.

Sachsen-Anhalt dĂŒrfe keinen bundespolitischen Einfluss verlieren, nur weil der CDU das Ergebnis der Landtagswahl nicht gefalle, betonen die beiden Fraktionsmitglieder. Der Streit um den MPK-Vorsitz ist damit zu einem weiteren Schauplatz der Auseinandersetzung ĂŒber die Rolle der AfD in den LĂ€ndern und im föderalen MachtgefĂŒge geworden.

Die Kritik der BSW-FraktionsfĂŒhrung in Sachsen-Anhalt richtet sich gegen einen besonders sensiblen Punkt föderaler Machtverteilung: den Vorsitz der MinisterprĂ€sidentenkonferenz. Dieser Vorsitz ist mit erheblichem politischem Gewicht verbunden, weil der jeweilige Gastgeber die Tagesordnung stark mitprĂ€gen und Themen setzen kann, die in der Bund-LĂ€nder-Abstimmung eine zentrale Rolle spielen.

Vor diesem Hintergrund bewertet die BSW das Vorgehen von Sven Schulze als Versuch, dem möglichen AfD-Amtsnachfolger Ulrich Siegmund diesen Einfluss auf Bundesebene zu entziehen. Die Wortwahl der Fraktionsspitze mit Begriffen wie „politisch unanstĂ€ndig“ und „fragwĂŒrdiges DemokratieverstĂ€ndnis“ zeigt, wie sehr der Streit ĂŒber den MPK-Vorsitz inzwischen zu einem Symbolkonflikt geworden ist: Es geht nicht nur um AblĂ€ufe in der Konferenz, sondern um die Frage, wie weit etablierte Parteien bereit sind, institutionelle Hebel zu nutzen, um die Gestaltungsmacht eines möglichen AfD-MinisterprĂ€sidenten zu begrenzen.

Konfliktlinie zwischen Parteien und WĂ€hlerwillen

Die BSW knĂŒpft ihre Argumentation ausdrĂŒcklich an den Verweis auf den WĂ€hlerwillen und wirft der CDU vor, diesen nicht zu respektieren. Damit stellt sie sich in die Reihe der Akteure, die im Umgang mit der AfD vor allem auf formale demokratische Legitimation abstellen und weniger auf politische Abgrenzungsstrategien. Gleichzeitig macht die Fraktion deutlich, dass aus ihrer Sicht Landesinteressen – also etwa bessere finanzielle Ausstattung, Infrastrukturprojekte oder Einfluss auf bundesweite Gesetzgebung – gefĂ€hrdet sind, wenn Sachsen-Anhalt den geplanten MPK-Vorsitz verliert.

Mögliche Auswirkungen fĂŒr Sachsen-Anhalt

FĂŒr die BĂŒrgerinnen und BĂŒrger des Landes ist der Streit deshalb relevant, weil der MPK-Vorsitz traditionell dazu genutzt wird, regionale Anliegen stĂ€rker in den Mittelpunkt der bundespolitischen Debatte zu rĂŒcken. FĂ€llt dieser Vorsitz weg oder wird neu vergeben, könnte Sachsen-Anhalt weniger Gelegenheiten haben, seine Position zu Themen wie Finanzausgleich, Energiepolitik oder Bildung mit besonderem Gewicht einzubringen. Die Debatte berĂŒhrt damit nicht nur parteipolitische Taktik, sondern auch die Frage, wie stark das Land in den nĂ€chsten Monaten auf der BundesbĂŒhne wahrnehmbar ist.

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