Lauterbach: Einigung auf Klinik-Eckpunkte bis 10. Juli
29.06.2023 - 17:32:43Im Ringen um eine Neuaufstellung der Kliniken baut Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach trotz weiter strittiger Fragen auf eine baldige VerstĂ€ndigung mit den LĂ€ndern. Man sei viel weiter gekommen, sagte der SPD-Politiker nach gemeinsamen Beratungen am Donnerstag in Berlin. «Es sind noch ein paar Punkte offen, aber in den wichtigsten Punkten sehe ich doch mehr Gemeinsamkeit als Konflikt.» Vorgesehen seien nun noch weitere GesprĂ€che bei der Gesundheitsministerkonferenz in der kommenden Woche und dann eine abschlieĂende Runde am 10. Juli auch mit den Koalitionsfraktionen.
Er sei sicher, dass dann Eckpunkte vereinbart werden können, machte Lauterbach deutlich. Der Zeitplan stehe, dass ĂŒber den Sommer ein Gesetzentwurf erarbeitet werde und die Reform am 1. Januar 2024 in Kraft treten solle. ZunĂ€chst hatte eine VerstĂ€ndigung schon in der abschlieĂenden Runde der Bund-LĂ€nder-Arbeitsgruppe am Donnerstag im Blick gestanden. Kurz zuvor untermauerten aber alle LĂ€nder in einem Papier ihre EinwĂ€nde gegen Teile der Reform und forderten auĂerdem ein vorgeschaltetes Gesetz mit zusĂ€tzlichem Geld fĂŒr die Kliniken, um einen «kalten Strukturwandel» vor dem Greifen der Reform abzuwenden. Lauterbach lehnte solche Extra-Mittel «mit der GieĂkanne» ab.
Reform dringend benötigt
Der Vorsitzende der LĂ€nderressortchefs, Manne Lucha (GrĂŒne) aus Baden-WĂŒrttemberg, machte deutlich, dass man sich insgesamt aufeinander zubewegt habe. Es gehe um das richtige Angebot am richtigen Ort mit der richtigen Ausstattung, auch im lĂ€ndlichen Raum. «Das Ziel ist klar: Wir benötigen diese Reform.» Die Gelegenheit dafĂŒr sei jetzt da, und es gelte, sie zu nutzen. Bayerns Minister Klaus Holetschek (CSU) sagte, der Bund mĂŒsse den LĂ€ndern dringend noch weiter entgegenkommen, wenn die Reform wirksam, zeitnah und ohne GefĂ€hrdung der Versorgung vollzogen werden solle.
Kurz vor der Beratung war der Bund in einem ĂŒberarbeiteten Entwurf fĂŒr die Eckpunkte weiter auf die LĂ€nder zugegangen. Er beharrte aber auf einheitlichen QualitĂ€tsvorgaben und Transparenz. Die QualitĂ€tsziele wĂŒrden durch genauer definierte Leistungsgruppen der Kliniken mit hinterlegten QualitĂ€tsvoraussetzungen erreicht, hieĂ es in dem Papier, das der dpa vorlag. Der Bund will aber weiterhin die Verteilung der Leistungsgruppen auf die Kliniken und eine Einteilung in Versorgungsstufen (sogenannte Level) veröffentlichen. Daran werde die GröĂe der HĂ€user deutlich, aber auch die QualitĂ€t etwa mit der Zahl von FachĂ€rzten oder der HĂ€ufigkeit von Eingriffen.
Könnte Einteilung in «Level» rufschÀdigend sein?
Ăber eine stĂ€rker steuernde Funktion der Level war bereits zuvor keine Einigkeit erzielt worden. Die LĂ€nder hatten in ihrem jĂŒngsten Papier auch vor einer Veröffentlichung gewarnt. Hintergrund ist, dass dies fĂŒr manche Kliniken «rufschĂ€digend wirken» könne. Gemeint sind mit Leveln Einordnungen des Kliniknetzes in Stufen mit einheitlichen Mindestanforderungen - von der wohnortnahen Grundversorgung ĂŒber eine zweite Stufe mit weiteren Angeboten bis zu Maximalversorgern wie UniversitĂ€tskliniken. Mit Leistungsgruppen soll statt grober Beschreibungen wie «Innere Medizin» eine Zuordnung nach exakter gefassten Gruppen wie «Kardiologie» vorgenommen und entsprechend vergĂŒtet werden.
Die ReformplĂ€ne sehen zudem vor, das VergĂŒtungssystem mit Pauschalen fĂŒr BehandlungsfĂ€lle zu Ă€ndern, um Kliniken von finanziellem Druck zu befreien. Um nicht auf immer mehr FĂ€lle angewiesen zu sein, sollen sie einen gröĂeren VergĂŒtungsanteil allein schon fĂŒr das Vorhalten von Leistungsangeboten bekommen. In dem ĂŒberarbeiteten Papier des Bundes heiĂt es, dass die Bereiche Kinderheilkunde, Geburtshilfe und Notfallversorgung einen «zusĂ€tzlichen Sicherstellungszuschlag» erhalten sollen. Die LĂ€nder hatten mehr Geld dafĂŒr gefordert.
ĂrzteprĂ€sident Klaus Reinhardt begrĂŒĂte es, dass Bund und LĂ€nder im GesprĂ€ch bleiben und zu einer Einigung kommen wollen. «Scheitern ist keine Option.» Die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) mahnten, bei der verbindlichen Definition der Leistungsgruppen dĂŒrfe es keine faulen Kompromisse geben, die doch wieder «Gelegenheitsversorgung auf Kosten der Sicherheit von Patientinnen und Patienten» ermöglichten. Auch aus der Ampel-Koalition kamen Appelle zu einer zĂŒgigen Lösung.


