Bund und LĂ€nder wollen Klinikreform nachbessern
03.07.2025 - 17:06:09Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) sagte nach einem Treffen mit ihren Amtskolleginnen und Amtskollegen aus den LĂ€ndern in Berlin, es gehe darum, sie so anzupassen, dass sie wirke, aber auch alltagstauglich werde. "Die Reform wird verbessert, aber nicht verwĂ€ssert." Im Blick stehen sollen etwa lĂ€ngere Ăbergangsfristen und flexiblere Vorgaben fĂŒr lĂ€ndliche Regionen. Ein Gesetzentwurf dazu soll jetzt erarbeitet werden und Anfang September ins Bundeskabinett kommen.
Warken sagte mit Blick auf Vereinbarungen im Koalitionsvertrag von Union und SPD, die Bundesregierung wolle Forderungen der LĂ€nder entgegenkommen. So benötigten die LĂ€nder "etwas mehr Luft", um die Reform regional umzusetzen. "Zudem brauchen wir mehr Ausnahmemöglichkeiten fĂŒr Kliniken auf dem Land, die nicht sofort die notwendigen QualitĂ€tsstandards erfĂŒllen können." Die Ministerin betonte zugleich, es bleibe dabei, dass nicht jede Klinik alles machen solle. "Wir brauchen klare QualitĂ€tsstandards fĂŒr einzelne Leistungen, und wer die nicht nachweist, kann die zugehörigen Leistungen nicht mehr erbringen."
Um die Reform gab es heftige Auseinandersetzungen
An der noch von der Ampel-Koalition beschlossenen Reform, die der damalige Minister Karl Lauterbach (SPD) gegen Proteste der LĂ€nder durchgesetzt hatte, gibt es weiter viel Kritik. Sie trat Anfang 2025 in Kraft und soll schrittweise bis 2029 umgesetzt werden. Das Netz der 1.700 Kliniken dĂŒrfte kleiner werden.
Die Reform soll den Finanzdruck auf die KrankenhÀuser mindern und mehr Spezialisierung bei komplexeren Eingriffen erreichen. Grundlage der Finanzierung durch die Krankenkassen sollen neue "Leistungsgruppen" sein. Diese sollen Klinik-Behandlungen genauer beschreiben und einheitliche QualitÀtsvorgaben etwa bei Personal oder Behandlungserfahrung durchsetzen.
Warken machte deutlich, dass bestimmte Aspekte noch zu klĂ€ren sind. Sichtweisen der LĂ€nder sollten einflieĂen, und sie freue sich darauf, die Reform dann "gemeinsam ins Ziel zu bringen". Vertreter der SPD- und unionsgefĂŒhrten LĂ€nder signalisierten ebenfalls, einvernehmliche Ănderungen anzustreben.
LÀnder sehen konstruktive Lösungen
Hamburgs Gesundheitssenatorin Melanie Schlotzauer (SPD) sagte nach dem Treffen: "Ich bin sehr sicher, dass wenn der Bund den Gesetzesentwurf vorlegt, dass wir dann ebenso konstruktiv zu einer Lösung ĂŒber den Sommer kommen." Die Nachjustierungen gingen nicht ĂŒber die Verabredungen im Koalitionsvertrag hinaus. "Das wĂ€re meine rote Linie gewesen."
Der nordrhein-westfĂ€lische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) betonte, jeder könne davon ausgehen, "dass diese Reform zu 2027 kommt und scharf geschaltet wird". Einen Weg zurĂŒck könne es nicht geben. Es sei klar, dass die Reform praktikabler werde. Nun sei die Wahrscheinlichkeit "sehr, sehr groĂ", dass der Entwurf von den LĂ€ndern letztlich mitgetragen werden könne.
Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) nannte den Austausch "sehr konstruktiv und lösungsorientiert". Der Bund mĂŒsse den LĂ€ndern "ausreichend Beinfreiheit fĂŒr notwendige Abweichungen" einrĂ€umen, um die stationĂ€re Versorgung im lĂ€ndlichen Raum nicht zu gefĂ€hrden. Wichtig sei, dass der Gesetzesentwurf zĂŒgig komme, damit Kliniken Planungssicherheit hĂ€tten.
Warnungen vor Aufweichen der Reformziele
Die gesetzlichen Krankenkassen warnten grundsĂ€tzlich vor einem Aufweichen der Reformziele. "Im Mittelpunkt der Reform mĂŒssen die Patientinnen und Patienten und ihr Anspruch auf die bestmögliche Behandlung in dafĂŒr spezialisierten und erfahrenen KrankenhĂ€usern stehen", sagte die stellvertretende Chefin des Spitzenverbands, Stefanie Stoff-Ahnis, vor dem Bund-LĂ€nder-Treffen.
Der Sozialverband Deutschland erklĂ€rte, regionale Besonderheiten mĂŒssten berĂŒcksichtigt werden - das dĂŒrfe aber nicht dazu fĂŒhren, dass alles beim Alten bleibe. "KrankenhĂ€user in der NĂ€he sind nur dann hilfreich, wenn sie auch eine gute Versorgung gewĂ€hrleisten", sagte Vorstandschefin Michaela Engelmeier.
Der GrĂŒnen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen warnte vor Geschenken an die Kliniklobby. "Menschen mĂŒssen sich darauf verlassen können, dass dort, wo Krankenhaus draufsteht auch das richtige Krankenhaus drin ist."

