Bundesanwaltschaft, Eritrea

Bundesanwaltschaft lĂ€sst mutmaßliche Mitglieder eritreischer Terrorgruppe festnehmen

Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 12:18 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Bundesanwaltschaft lĂ€sst zwei mutmaßliche Mitglieder der eritreischen Gruppe «Brigade N'Hamedu Deutschland» festnehmen und stuft die Organisation als inlĂ€ndische terroristische Vereinigung ein. Hintergrund sind gewaltsame Übergriffe bei Veranstaltungen mit Bezug zur Regierung Eritreas in Deutschland.

Die Bundesanwaltschaft war im MĂ€rz 2025 schon gegen die Gruppe vorgegangen. (Archivbild) - Bild: Christoph Schmidt/dpa
Die Bundesanwaltschaft war im MĂ€rz 2025 schon gegen die Gruppe vorgegangen. (Archivbild) - Bild: Christoph Schmidt/dpa

Die Bundesanwaltschaft hat zwei mutmaßliche Mitglieder einer in Deutschland aktiven eritreischen Terrorgruppe in der NĂ€he von SaarbrĂŒcken und in Stuttgart festnehmen lassen.

Vorwurf der Mitgliedschaft in terroristischer Vereinigung

Die Karlsruher Behörde wirft den beiden MĂ€nnern die Mitgliedschaft in einer inlĂ€ndischen terroristischen Vereinigung vor. Sie sollen der Organisation «Brigade N'Hamedu Deutschland» angehören, die nach Angaben der Bundesanwaltschaft international vernetzt ist und in Deutschland aktiv wurde. Die Beschuldigten werden dem Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe vorgefĂŒhrt, der ĂŒber eine mögliche Untersuchungshaft entscheidet.

Ziel der Gruppe und Gewalt in Deutschland

ErklĂ€rtes Ziel der Vereinigung ist es laut Bundesanwaltschaft, die Regierung in Eritrea zu stĂŒrzen. Dieses Ziel habe sie in Deutschland durch gewaltsame Aktionen bei Veranstaltungen von AnhĂ€ngern der eritreischen Regierung verfolgt. Nach Darstellung der Behörde erachten Mitglieder der Gruppe Gewalt gegen deutsche staatliche Institutionen und ReprĂ€sentanten der Staatsgewalt, etwa gegen PolizeikrĂ€fte beim Schutz solcher Veranstaltungen, als legitimes Mittel.

Durchsuchungen in mehreren BundeslÀndern

Im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen die Gruppe hatte die Bundesanwaltschaft bereits im MĂ€rz 2025 bundesweit zugeschlagen. Damals wurden 19 Objekte in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-WĂŒrttemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz durchsucht, zudem ein Objekt in DĂ€nemark. Rund 200 Beamte des Bundeskriminalamts und PolizeikrĂ€fte der LĂ€nder waren im Einsatz. Festnahmen gab es bei dieser Aktion nicht.

Ausschreitungen bei Eritrea-Veranstaltungen

Auslöser der Ermittlungen sind Ausschreitungen am Rande von Eritrea-Festivals in Gießen in den Sommern 2022 und 2023 sowie eines Seminars eines eritreischen Vereins im September 2023 in Stuttgart. Die Festivals in Gießen wurden vom Zentralrat der Eritreer in Deutschland organisiert, der als regierungsnah gilt. Kritiker werfen den Organisatoren vor, Propaganda fĂŒr die eritreische Regierung zu betreiben, was die Veranstalter bestreiten.

Rolle der festgenommenen MĂ€nner

Die beiden Festgenommenen, ein eritreischer und ein deutscher Staatsangehöriger, sollen maßgeblich am Aufbau der Strukturen der «Brigade N'Hamedu Deutschland» beteiligt gewesen sein. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft waren sie außerdem an der Organisation der gewaltsamen Aktionen beteiligt. Der eritreische Beschuldigte war demnach zeitweise GeneralsekretĂ€r, der deutsche erster Vorsitzender der Gruppe.

Menschenrechtslage in Eritrea

Das Land Eritrea am Horn Afrikas mit rund vier Millionen Einwohnern ist nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen durch systematische Repressionen und Gewalt geprĂ€gt. Die autoritĂ€re Regierung von PrĂ€sident Isaias Afwerki unterdrĂŒckt demnach die Bevölkerung durch Zwangsarbeit, erzwungene Wehrpflicht sowie eingeschrĂ€nkte Meinungs-, Glaubens- und Pressefreiheit. Zudem berichten Menschenrechtsgruppen von großflĂ€chigen Massakern, außergerichtlichen Hinrichtungen und sexueller Gewalt durch SicherheitskrĂ€fte. Die Regierung des Ein-Parteien-Staats, in dem keine Wahlen stattfinden, weist diese VorwĂŒrfe als politisch motiviert zurĂŒck.

Innenpolitische Dimension und Sicherheitslage

Die Festnahmen mutmaßlicher Mitglieder der Gruppe «Brigade N'Hamedu Deutschland» markieren einen weiteren Schritt der deutschen Sicherheitsbehörden, politisch motivierte Gewalt aus dem Umfeld diasporischer Konflikte konsequent strafrechtlich zu verfolgen. Die Einstufung als inlĂ€ndische terroristische Vereinigung zeigt, dass die Bundesanwaltschaft den Konflikt um die eritreische Regierung nicht mehr nur als auslĂ€ndisches Menschenrechtsproblem, sondern als konkrete Gefahr fĂŒr die öffentliche Sicherheit in Deutschland bewertet. FĂŒr die Polizei bedeutet dies, dass EinsĂ€tze bei politisch sensiblen Veranstaltungen von Exilgemeinschaften zunehmend auch unter dem Blickwinkel möglicher Terrorstrukturen geplant werden.

Konflikte innerhalb der eritreischen Diaspora

Die Ausschreitungen rund um Eritrea-Festivals und Vereinsveranstaltungen in Gießen und Stuttgart machen deutlich, wie stark die Polarisierung innerhalb der eritreischen Diaspora ist. Regimekritische Gruppen wenden sich gegen Veranstaltungen, die sie als Propaganda fĂŒr die Regierung in Asmara ansehen, wĂ€hrend die Veranstalter diesen Vorwurf zurĂŒckweisen. Wenn Ermittler den Verdacht formulieren, dass eine organisierte Gruppe gezielt gewaltsame Aktionen gegen regierungsnahe Veranstaltungen in Deutschland vorbereitet und ausfĂŒhrt, rĂŒckt die Frage in den Vordergrund, wie politische Auseinandersetzungen von Exilgemeinschaften im Rahmen des Versammlungsrechts friedlich ausgetragen werden können, ohne dass staatliche Schutzaufgaben fĂŒr gefĂ€hrdete Veranstaltungen vernachlĂ€ssigt werden.

Menschenrechtslage in Eritrea und rechtlicher Rahmen

Die geschilderten Menschenrechtsverletzungen in Eritrea erklĂ€ren, warum viele Menschen das Land verlassen und im Ausland politisch aktiv werden. Gleichzeitig bleibt fĂŒr die deutschen Behörden entscheidend, dass auch legitimer Protest an das Strafrecht gebunden ist. Das Instrument des Terrorismusparagrafen erlaubt es, nicht nur einzelne Taten, sondern die Struktur einer Vereinigung ins Visier zu nehmen, die Gewalt auch gegen deutsche Institutionen und EinsatzkrĂ€fte als Mittel akzeptiert. FĂŒr Leser bedeutet dies, dass Konflikte, die ihren Ursprung in autoritĂ€ren Regimen haben, lĂ€ngst Teil der innenpolitischen Sicherheitsagenda geworden sind und sich etwa bei Festivalverboten, Auflagen fĂŒr Veranstaltungen oder erweiterten Ermittlungsbefugnissen konkret auswirken können.

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