Merz fordert Koalition zu Zusammenhalt und Sozialreformen auf
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 00:25 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBundeskanzler Friedrich Merz hat Union und SPD nach wochenlangem Streit ĂŒber Sozialreformen zum Zusammenhalt und zu Entscheidungen noch in diesem Jahr aufgefordert.
Merz drÀngt auf Reformen
In Kiew sagte der CDU-Politiker am Sonntagabend in der ARD-Sendung âBericht aus Berlinâ: âWir mĂŒssen in der Regierung zusammenbleiben. Wir mĂŒssen das Land nach vorne bringen.â Er sei fest entschlossen, dies zu tun.
Besonders bei der gesetzlichen Rentenversicherung mĂŒsse die Koalition vorankommen, sagte Merz. Die VorschlĂ€ge seien so gut ausgearbeitet wie seit 30 Jahren nicht. Er hoffe, dass sie gemeinsam durchgesetzt wĂŒrden.
Streit um Rente mit 63
In der SPD gibt es Widerstand gegen die geplante Abschaffung der abschlagsfreien FrĂŒhrente nach 45 Beitragsjahren. Unionspolitiker drĂ€ngen deshalb auf einen Gesetzentwurf von Arbeitsministerin BĂ€rbel Bas (SPD).
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sagte der âBild am Sonntagâ, sie vertraue darauf, dass die im Kabinett beschlossenen und in der Koalition ausgehandelten Vorhaben umgesetzt wĂŒrden. Die Rentenreform soll bis zum Jahresende vorankommen.
Pflegereform passiert das Kabinett
Auch bei der Pflegeversicherung hatte es bis zuletzt Streit gegeben. Das Kabinett beschloss schlieĂlich einen Gesetzentwurf zur Stabilisierung der Versicherung.
SPD-Fraktionschef Matthias Miersch sagte, unterschiedliche Auffassungen ĂŒber den besten Weg gehörten dazu. Zugleich betonte er, seine Partei habe eine âKĂŒrzungsorgieâ bei der Pflegeversicherung verhindert. Die SPD wolle in den weiteren Beratungen strukturelle VerĂ€nderungen und mehr Gerechtigkeit erreichen, etwa durch einen Finanzausgleich zwischen privater und sozialer Pflegeversicherung.
Merz verweist auf Europas StabilitÀt
Merz sagte, ganz Europa hÀnge an der StabilitÀt Deutschlands. Viele Menschen unterschÀtzten möglicherweise, wie wichtig gerade in turbulenten Zeiten eine stabile Bundesregierung sei.
Der Kanzler war nach dem Wahldebakel der CDU in Sachsen-Anhalt vor vier Wochen innerparteilich unter Druck geraten. Die AfD gewann die Landtagswahl mit deutlichem Abstand vor der CDU. Am 20. September flog die CDU auch in Mecklenburg-Vorpommern aus dem Landtag; in Berlin wurde sie von der Linken von Platz eins im Parlament verdrÀngt.
ZusĂ€tzlichen Druck erzeugten Umfragen: In einer am Samstag veröffentlichten Insa-Erhebung fĂŒr die âBildâ erreichte die AfD bundesweit erstmals 30 Prozent, wĂ€hrend die Union bei 18 Prozent lag. Im ARD-âDeutschlandtrendâ der vergangenen Woche Ă€uĂerte sich nur etwa jeder Zehnte zufrieden oder sehr zufrieden mit der Arbeit des Kanzlers.
Reformdruck trifft auf Koalitionskonflikte
Die Rentenreform gehört zu den zentralen Vorhaben der schwarz-roten Bundesregierung. Im Kern geht es um die langfristige Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung und um die Frage, wie stark das Renteneintrittsalter, die Beitragslast und der Leistungsumfang an die demografische Entwicklung angepasst werden sollen.
Besonders konflikttrĂ€chtig ist die geplante Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren. FĂŒr die SPD steht dabei die soziale Absicherung langjĂ€hrig BeschĂ€ftigter im Vordergrund, wĂ€hrend die Union auf mehr BeschĂ€ftigung und eine Begrenzung steigender Ausgaben drĂ€ngt. Der Streit berĂŒhrt damit unmittelbar Millionen Versicherte und BeschĂ€ftigte.
Pflege, Haushalt und europÀische Bedeutung
Parallel muss die Koalition die Pflegeversicherung finanziell stabilisieren. Der jĂŒngst beschlossene Gesetzentwurf soll kurzfristig Entlastung schaffen, verschiebt aber die grundsĂ€tzliche Debatte ĂŒber Einnahmen, Leistungen und die Lastenverteilung zwischen gesetzlicher und privater Pflegeversicherung nicht.
In den kommenden Monaten stehen zudem weitere finanzpolitische Entscheidungen und der Haushalt 2027 an. Verzögerungen könnten die HandlungsfĂ€higkeit der Regierung bei Innen-, Wirtschafts- und Europapolitik beeintrĂ€chtigen. FĂŒr BĂŒrgerinnen und BĂŒrger entscheidet sich damit nicht nur die Ausgestaltung von Rente und Pflege, sondern auch, ob die angekĂŒndigten Reformen rechtzeitig in konkrete Gesetze umgesetzt werden.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Tagesspiegel: âKanzler in Kiew: Merz: Instabile Bundesregierung hĂ€tte âunermessliche Folgenââ (04.10.2026)
Der Bericht hebe hervor, Merz habe in Kiew die StabilitĂ€t der Bundesregierung als entscheidend fĂŒr Europa bezeichnet. Anders als die dpa-Meldung setze der Artikel den Schwerpunkt auf seine Warnung vor den Folgen einer handlungsunfĂ€higen Regierung und erwĂ€hne zusĂ€tzlich den politischen Druck nach den Wahlniederlagen.
n-tv: âAuswirkungen auf Europa: Merz: Scheitern der Regierung hĂ€tte "unermessliche Folgen"â (04.10.2026)
Der Bericht bestĂ€tige Merzâ Appell zum Zusammenhalt und ordne ihn in anstehende Entscheidungen zu Rente, Pflege, Steuern und Haushalt ein. ZusĂ€tzlich verweise er auf schwache Umfragewerte fĂŒr Union und Kanzler; offen bleibe, ob die Koalition die verschiedenen Reformvorhaben politisch zusammenfĂŒhren könne.
Beide Berichte stellten die europÀische Bedeutung stabiler Regierungsarbeit heraus, wÀhrend die dpa-Meldung stÀrker die konkreten Konflikte bei Rente und Pflege sowie den innerkoalitionÀren Zeitdruck beleuchte.
