Frank-Walter Steinmeier, Joe Biden

Steinmeier fĂŒr Kurzbesuch in Washington - Treffen mit Biden

06.10.2023 - 22:18:45

BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier Ă€ndert seine PlĂ€ne, um einer Einladung des US-PrĂ€sidenten nach Washington zu folgen. Die Sicherung der Ukraine-Hilfen dĂŒrfte beide umtreiben.

BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier ist auf Einladung des US-PrĂ€sidenten Joe Biden zu einem Kurzbesuch nach Washington gereist. Am Freitagnachmittag (Ortszeit) stand ein GesprĂ€ch mit dem US-PrĂ€sidenten im Weißen Haus auf der Agenda. Es ist die erste Begegnung der beiden als StaatsoberhĂ€upter. Geplant war auch Begegnung mit dem Chef des Auslandsgeheimdienstes CIA, William Burns. Es wurde erwartet, dass es in den GesprĂ€chen vor allem um die UnterstĂŒtzung der von Russland angegriffenen Ukraine gehe.

«Unsere Partnerschaft ist unverzichtbar fĂŒr unser Streben, globale Herausforderungen anzugehen: von Klimawandel und ErnĂ€hrungssicherheit bis zur Verteidigung von Demokratie und Menschenrechten», hieß es in einer vom BundesprĂ€sidialamt veröffentlichten gemeinsamen ErklĂ€rung. «Unser BĂŒndnis ist von zentraler Bedeutung in unserem fortwĂ€hrenden Einsatz fĂŒr die UnterstĂŒtzung der Ukrainerinnen und Ukrainer und ihrer tapferen Verteidigung ihres Landes, ihrer Freiheit und ihrer Zukunft.»

Überraschende Reise nach Washington

Die Reise nach Washington kam ĂŒberraschend. Am Donnerstag hielt sich Steinmeier noch in Kap Verde auf, wo er gerade einen zweitĂ€gigen Staatsbesuch absolviert hatte. Von dort wollte er eigentlich nach Portugal weiterfliegen, um in Porto an einem Treffen nicht-exekutiver StaatsprĂ€sidenten der EuropĂ€ischen Union teilzunehmen. Nun aber kam die Einladung des US-PrĂ€sidenten dazwischen.

Das Weiße Haus teilte vorab mit, man wolle «die engen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland bekrĂ€ftigen». Dabei gehe es auch um eine «enge Abstimmung als Nato-BĂŒndnispartner in einer Reihe von wichtigen Fragen». Als Beispiele nannte das Weiße Haus die Verteidigung demokratischer Werte und die «gemeinsame Verpflichtung, die Ukraine bei der Verteidigung gegen die russische Invasion zu unterstĂŒtzen».

US-Übergangshaushalt ohne Mittel fĂŒr Ukraine-Hilfe

Als offiziellen Anlass fĂŒr den Besuch nannte das Weiße Haus den Tag der deutsch-amerikanischen Freundschaft. In den USA wird am 6. Oktober der German-American-Day gefeiert. Er erinnert an die Ankunft erster deutscher Siedler in Philadelphia im Jahr 1683. In der TerminĂŒbersicht des US-PrĂ€sidenten fĂŒr Freitag war etwas salopp davon die Rede, dass Steinmeier am Nachmittag kurz im Weißen Haus «vorbeischauen» werde.

Deutschland und die USA wollen die Ukraine so lange wie nötig unterstĂŒtzen. Doch Biden hat ein Problem: In dem am Wochenende vom US-Kongress verabschiedeten Übergangshaushalt sind keine weiteren Hilfen fĂŒr die Ukraine vorgesehen. Das heißt zwar nicht, dass die USA ihre UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine von jetzt auf gleich einstellen. Aber das bisher genehmigte Geld geht zur Neige, neue Mittel mĂŒssen her. US-PrĂ€sident Biden bemĂŒht sich, bei Nato-VerbĂŒndeten und Partnern Sorgen zu zerstreuen, dass die US-MilitĂ€rhilfe fĂŒr Kiew versiegen könnte.

Steinmeiers Besuch als eine Chance

Der Vorsitzende des AuswĂ€rtigen Ausschusses, Michael Roth (SPD), sagte, er sehe den Besuch Steinmeiers im Weißen Haus als eine Chance, die USA von einem weiteren Engagement in Europa zu ĂŒberzeugen. «Vielen in Deutschland und Europa scheint nach wie vor unklar zu sein, dass im Wesentlichen die USA mit ihrer massiven NATO-PrĂ€senz unsere Sicherheit und unseren Frieden garantieren», sagte Roth dem «Tagesspiegel». Kurzfristig wĂ€re ein RĂŒckzug der USA aus Europa «ein sicherheitspolitisches Desaster». Vor allem die militĂ€rische UnterstĂŒtzung der Ukraine in ihrem Freiheitskampf bleibe essenziell.

Steinmeier war als BundesprĂ€sident mehrfach in den USA gewesen, hatte aber in der Amtszeit von Donald Trump als US-PrĂ€sident immer einen Bogen um Washington gemacht. Das VerhĂ€ltnis zwischen beiden Politikern galt als angespannt, seitdem Steinmeier im August 2016 noch als Außenminister im US-Wahlkampf Trump einen «Hassprediger» genannt hatte. Trumps «America-first»-Politik, die oft einer regelbasierten internationalen Ordnung zuwiderlief, wurde von Steinmeier vehement abgelehnt.

Steinmeier trat die Reise nach Washington mit seinem engsten Mitarbeiterkreis von Kap Verde aus an. Dazu war eine kleinere Maschine der Flugbereitschaft der Bundeswehr in die Inselrepublik gekommen. Das grĂ¶ĂŸere Flugzeug, mit dem Steinmeier dorthin geflogen war, brachte die restliche Delegation nach Deutschland zurĂŒck.

@ dpa.de