Ilse Aigner, CSU-Parteitag

Bundespräsidentenwahl: Merz muss sich zu Aigner äußern

Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 04:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Beim CSU-Parteitag in München wächst der Druck auf Friedrich Merz, sich zur Kandidatur der bayerischen Landtagspräsidentin zu positionieren. In der Koalition und innerhalb der Union konkurrieren dabei parteipolitische Ansprüche mit dem Wunsch nach einer raschen Einigung.

Bundesversammlung entscheidet im Januar

  • Die Bundesversammlung soll am 30. Januar über die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier entscheiden.
  • Union und SPD verfügen nach Expertenberechnungen über eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen.
  • Als weitere CDU-Namen werden Karin Prien, Julia Klöckner, Annegret Kramp-Karrenbauer und Boris Rhein genannt.
  • Beim letzten CSU-Parteitag bekam Merz einen Trachtenhut. Was bekommt er diesmal - außer Druck in der P-Frage? - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
  • Der CSU-Chef wird als möglicher Nachfolger von Merz gehandelt. - Bild: Peter Kneffel/dpa
  • Aigner ließ sich auf dem Parteitag feiern. - Bild: Peter Kneffel/dpa
Beim letzten CSU-Parteitag bekam Merz einen Trachtenhut. Was bekommt er diesmal - außer Druck in der P-Frage? - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa Der CSU-Chef wird als möglicher Nachfolger von Merz gehandelt. - Bild: Peter Kneffel/dpa Aigner ließ sich auf dem Parteitag feiern. - Bild: Peter Kneffel/dpa

Merz soll sich in München zur Aigner-Kandidatur positionieren

CSU-Chef Markus Söder wirbt für die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner als Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin, während Bundeskanzler Friedrich Merz die Frage bislang offenlässt. Beim CSU-Parteitag in München könnte Merz am Samstag eine Entscheidung andeuten oder den parteiinternen Wettbewerb um die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier weiterlaufen lassen.

CSU fordert zügige Entscheidung

CSU-Landtagsfraktionschef Klaus Holetschek sagte der Deutschen Presse-Agentur, das Zeitfenster für eine Entscheidung sei gekommen. Er verwies auf Aigners hohe Zustimmung in Bayern und bei anderen Parteien.

Auch der CSU-Politiker Manfred Weber appellierte an die Bundespolitik, keine Zeit zu verlieren. Eine zügige Entscheidung könne Handlungsfähigkeit in Berlin zeigen, sagte der Chef der Europäischen Volkspartei.

SPD signalisiert Sympathie für Aigner

Aus der SPD kamen ebenfalls positive Signale. Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Dirk Wiese, nannte Aigner eine mögliche Persönlichkeit mit Integrität und Strahlkraft, die Brücken zwischen gesellschaftlichen und politischen Gruppen bauen könne.

Söder hatte Aigner Mitte April erstmals ins Gespräch gebracht und beim Parteitag erneut für sie geworben. Die Delegierten reagierten mit großem Jubel. Söder stellte zugleich klar, dass die Entscheidung nicht allein bei der CSU liege.

CDU hält eigenen Anspruch offen

Merz hatte bislang erklärt, die Kandidatenfrage solle nach den Landtagswahlen im September innerhalb der Regierungskoalition geklärt werden. Die Bundesversammlung, die am 30. Januar über die Nachfolge Steinmeiers entscheidet, wird zur Hälfte aus Bundestagsabgeordneten und zur Hälfte aus Wahlleuten der Länder bestehen.

In der CDU gilt das Vorschlagsrecht der Union als unstrittig. Die CDU-Führung betonte vor dem Parteitag jedoch, sie habe den Anspruch auf eine Kandidatin oder einen Kandidaten aus den eigenen Reihen nicht aufgegeben.

Aigners Kandidatur berührt Söders Ambitionen

Die Personalfrage ist auch mit der künftigen Führung der Union verbunden. Markus Söder und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst gelten als aussichtsreiche Bewerber für eine spätere Kanzlerkandidatur.

Würde Aigner Bundespräsidentin, könnte Söder nach der Logik der dpa-Meldung kaum zugleich Anspruch auf das Kanzleramt erheben, weil die CDU der CSU voraussichtlich nicht beide Spitzenämter überlassen würde. Als mögliche CDU-Kandidaten werden außerdem Bildungsministerin Karin Prien, Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, die frühere CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer und Hessens Ministerpräsident Boris Rhein genannt.

Aigner verweist auf Zuständigkeit der Parteichefs

Aigner wertete den Applaus beim Parteitag als gewisse Bestätigung für ihre mehr als 40-jährige Arbeit für die CSU. Zugleich betonte sie, der Parteitag entscheide nicht über die Kandidatur.

Auch Söder verwies darauf, dass die Parteivorsitzenden von CDU, CSU und SPD gemeinsam einen Vorschlag machen müssten. Damit bleibt Merz' Auftritt in München ein wichtiger Termin, ohne dass die Entscheidung allein bei der CSU fallen kann.

Die Debatte über die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verbindet die Personalfrage im Staatsoberhaupt mit den Machtinteressen innerhalb der Union. Die Bundesversammlung soll am 30. Januar über die Nachfolge entscheiden. Da Union und SPD nach der dpa-Meldung über eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen verfügen, kommt der Koalition bei der Auswahl eine zentrale Rolle zu.

Ilse Aigner bringt für die CSU mehrere politische Vorteile mit: Sie verfügt über langjährige Erfahrung in Landes- und Bundespolitik und genießt nach den Aussagen aus CSU und SPD parteiübergreifende Anerkennung. Eine Kandidatur würde zugleich die CSU im Rennen um das höchste Staatsamt sichtbar machen. Für die CDU wäre damit jedoch die Frage verbunden, ob sie auf den Anspruch verzichtet, selbst eine Persönlichkeit aus ihren Reihen zu nominieren.

Personalentscheidung mit Folgen für die Union

Die Entscheidung reicht deshalb über das Amt des Bundespräsidenten hinaus. Weil Markus Söder als möglicher künftiger Kanzlerkandidat der Union gilt, könnte Aigners Aufstellung auch die innerunionale Kräfteverteilung beeinflussen. Nach der geltenden politischen Logik wird die Union kaum beide Spitzenämter dauerhaft der CSU überlassen wollen.

Merz muss daher mehrere Interessen zusammenführen: das CSU-Signal des Parteitags, den Anspruch der CDU und die Zustimmung des Koalitionspartners SPD. Eine Festlegung beim Auftritt in München würde die Debatte beschleunigen; ein weiteres Zögern ließe den Wettbewerb um die Kandidatur offen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Frankfurter Rundschau: „Parteitag in München: Söders CSU präsentiert sich als „Stabilitätsanker“ – Kanzler Merz am Samstag erwartet“ (23.10.2026)

Der Artikel ordne den Parteitag als Auftritt der CSU mit Markus Söder zum Auftakt und Friedrich Merz zum Abschluss ein. Anders als die dpa-Meldung setze er zusätzlich einen Schwerpunkt auf die politische Lage der Union und den Reformdruck der Bundesregierung.

Deutschlandfunk: „Parteien CDU-Chef Merz spricht heute zum Abschluss des CSU-Parteitags in München“ (24.10.2026)

Der Deutschlandfunk berichte über Merz' Gastrede und nenne die mögliche Nachfolge Steinmeiers als Thema seines Auftritts. Bestätigt werde damit der zeitliche Fokus des Parteitags; offen bleibe, ob Merz tatsächlich eine Entscheidung zur Kandidatur ankündige.

Beide Beiträge ordnen den Münchner Parteitag als wichtigen Termin für die Debatte ein. Der Schwerpunkt liege beim ersten Beitrag stärker auf Söders politischer Positionierung, beim zweiten auf Merz' bevorstehender Rede und der möglichen Reaktion auf die Personalfrage.

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de | politik | 70402018 |