Wehrdienst, Pistorius

Neuer Wehrdienst: Pistorius will Wehrerfassung reaktivieren

12.06.2024 - 16:10:26

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat am Mittwoch seine PlĂ€ne fĂŒr einen "Auswahlwehrdienst" vorgestellt.

KĂŒnftig sollen demnach alle 18-JĂ€hrigen digital fĂŒr einen Fragebogen zur Wehrerfassung kontaktiert werden. FĂŒr MĂ€nner soll das AusfĂŒllen des Bogens verpflichtend sein, fĂŒr Frauen freiwillig. So soll das Interesse möglicher Bewerber, ihr Gesundheitszustand und beispielsweise ihre Hobbys erhoben werden.

Viel mehr junge Leute mĂŒssten sich dadurch die Frage stellen, ob ein Wehrdienst fĂŒr sie in Frage kĂ€me, sagte der SPD-Politiker. Die "fittesten, geeignetsten und interessiertesten" 40.000 bis 50.000 jungen Erwachsenen jedes Jahrgangs sollen dann - ebenfalls verpflichtend - zur Musterung eingeladen werden. Pistorius erklĂ€rte zugleich, dass jeder weiterhin ein verbrieftes Recht auf Kriegsdienstverweigerung habe. Insgesamt sollen so zunĂ€chst 5.000 zusĂ€tzliche Rekruten gewonnen werden, mit steigender Tendenz. Ihnen werden zwei Optionen angeboten: ein Grundwehrdienst mit einer Dauer von sechs Monaten fĂŒr GewehrtrĂ€ger mit geringerer Qualifikation. Oder ein Wehrdienst von zwölf bis 17 Monaten, bei dem die Teilnehmer tiefer in die Strukturen der Bundeswehr integriert werden und so beispielsweise lernen, bestimmte IT-Dienstleistungen zu erbringen oder Panzer zu fahren. Der Wehrdienst solle "sinnstiftend" sein, erklĂ€rte Pistorius. Mit einer VerpflichtungsprĂ€mie, einem möglichen Bonus fĂŒr den Numerus Clausus und die im Wehrdienst erworbenen Kenntnisse und Bescheinigungen, wie etwa dem FĂŒhrerschein, sollen mögliche AnwĂ€rter ĂŒberzeugt werden. Zur Debatte, dass die Pflichten weiterhin nur fĂŒr MĂ€nner gelten, verwies Pistorius darauf, dass fĂŒr eine Wehrpflicht fĂŒr Frauen eine GrundgesetzĂ€nderung nötig wĂ€re. Rund ein Jahr vor der Bundestagswahl wĂŒrde dies seiner Ansicht nach zu lange dauern, um auf einer VerfassungsĂ€nderung aufbauend ein einfaches Gesetz zu verabschieden, das rechtzeitig seine Wirkung entfaltet. Der Verteidigungsminister begrĂŒndete seine Initiative mit einer durch den Ukrainekrieg verĂ€nderten Situation. Die verbalen Attacken von Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin und aus der Staatsduma gegen Nato-LĂ€nder nĂ€hmen zu und die russische Wirtschaft sei in eine Kriegswirtschaft umgewandelt wurden. Bis 2029 werde Russland militĂ€risch in der Lage sein, einen Nato-Staat anzugreifen. Die bestehende PersonallĂŒcke der aktiven Truppe soll allerdings nicht allein mit der Wehrdienstreform geschlossen werden. Wenn es gelinge, dass sich junge MĂ€nner und Frauen bei der Bundeswehr fĂŒr lĂ€ngere Zeit verpflichten, sei dies ein positiver Nebeneffekt. Insgesamt sieht Pistorius die Notwendigkeit, die Zahl der aktuell 181.000 StreitkrĂ€fte auf 203.000 zu erhöhen. Durch die WehrdienstplĂ€ne sollen außerdem zu den 60.000 Reservisten 200.000 Personen hinzukommen, die nach dem Wehrdienst in die Reserve ĂŒberfĂŒhrt werden. Zum Vergleich: Zu Zeiten des Kalten Krieges gab es rund 500.000 StreitkrĂ€fte und etwa 800.000 Reservisten.

@ dts-nachrichtenagentur.de