Neuer Wehrdienst: Pistorius will Wehrerfassung reaktivieren
12.06.2024 - 16:10:26Viel mehr junge Leute mĂŒssten sich dadurch die Frage stellen, ob ein Wehrdienst fĂŒr sie in Frage kĂ€me, sagte der SPD-Politiker. Die "fittesten, geeignetsten und interessiertesten" 40.000 bis 50.000 jungen Erwachsenen jedes Jahrgangs sollen dann - ebenfalls verpflichtend - zur Musterung eingeladen werden. Pistorius erklĂ€rte zugleich, dass jeder weiterhin ein verbrieftes Recht auf Kriegsdienstverweigerung habe. Insgesamt sollen so zunĂ€chst 5.000 zusĂ€tzliche Rekruten gewonnen werden, mit steigender Tendenz. Ihnen werden zwei Optionen angeboten: ein Grundwehrdienst mit einer Dauer von sechs Monaten fĂŒr GewehrtrĂ€ger mit geringerer Qualifikation. Oder ein Wehrdienst von zwölf bis 17 Monaten, bei dem die Teilnehmer tiefer in die Strukturen der Bundeswehr integriert werden und so beispielsweise lernen, bestimmte IT-Dienstleistungen zu erbringen oder Panzer zu fahren. Der Wehrdienst solle "sinnstiftend" sein, erklĂ€rte Pistorius. Mit einer VerpflichtungsprĂ€mie, einem möglichen Bonus fĂŒr den Numerus Clausus und die im Wehrdienst erworbenen Kenntnisse und Bescheinigungen, wie etwa dem FĂŒhrerschein, sollen mögliche AnwĂ€rter ĂŒberzeugt werden. Zur Debatte, dass die Pflichten weiterhin nur fĂŒr MĂ€nner gelten, verwies Pistorius darauf, dass fĂŒr eine Wehrpflicht fĂŒr Frauen eine GrundgesetzĂ€nderung nötig wĂ€re. Rund ein Jahr vor der Bundestagswahl wĂŒrde dies seiner Ansicht nach zu lange dauern, um auf einer VerfassungsĂ€nderung aufbauend ein einfaches Gesetz zu verabschieden, das rechtzeitig seine Wirkung entfaltet. Der Verteidigungsminister begrĂŒndete seine Initiative mit einer durch den Ukrainekrieg verĂ€nderten Situation. Die verbalen Attacken von Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin und aus der Staatsduma gegen Nato-LĂ€nder nĂ€hmen zu und die russische Wirtschaft sei in eine Kriegswirtschaft umgewandelt wurden. Bis 2029 werde Russland militĂ€risch in der Lage sein, einen Nato-Staat anzugreifen. Die bestehende PersonallĂŒcke der aktiven Truppe soll allerdings nicht allein mit der Wehrdienstreform geschlossen werden. Wenn es gelinge, dass sich junge MĂ€nner und Frauen bei der Bundeswehr fĂŒr lĂ€ngere Zeit verpflichten, sei dies ein positiver Nebeneffekt. Insgesamt sieht Pistorius die Notwendigkeit, die Zahl der aktuell 181.000 StreitkrĂ€fte auf 203.000 zu erhöhen. Durch die WehrdienstplĂ€ne sollen auĂerdem zu den 60.000 Reservisten 200.000 Personen hinzukommen, die nach dem Wehrdienst in die Reserve ĂŒberfĂŒhrt werden. Zum Vergleich: Zu Zeiten des Kalten Krieges gab es rund 500.000 StreitkrĂ€fte und etwa 800.000 Reservisten.


