Katherina Reiche fordert Kampfgeist für Reformkurs der Regierung
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSBundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will den Reformkurs der Bundesregierung unbeirrt fortsetzen und fordert von den Beteiligten weiteren Kampfgeist. Die Bundesregierung habe einen klaren Reformauftrag, sagte Reiche der „Rheinischen Post“ für deren Samstagsausgabe.
Um den Reformkurs durchzusetzen, müsse man „auf dem Platz stehen bleiben und kämpfen“, sagte die Ministerin unter Rückgriff auf ein Fußballbild.
Reformen sollen Wachstum stärken
Reiche zeigte sich überzeugt, dass sich alle Beteiligten in der Koalition des Ernstes der Lage weiterhin bewusst seien. Reformen seien kein Selbstzweck, sondern sollten Deutschland durch mehr Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit „zurück an die Spitze Europas“ führen und den Stolz auf die Leistungen des Landes stärken.
Die Ministerin verglich Reformen mit einem Fitnessprogramm. Die ersten Schritte seien nach einem langen Winter anstrengend, danach gehe es kontinuierlich bergauf.
Reiche verweist auf Sorgen der Bevölkerung
Viele Menschen verbänden Reformen zunächst mit der Sorge, dass etwas wegfalle oder ihr Einkommen sinke, sagte Reiche. Zugleich bestehe die Befürchtung, dass es den eigenen Kindern nicht besser gehen könnte als der gegenwärtigen Generation.
Reformen müssten deshalb das „Generationenversprechen“ wieder einlösen, hob die CDU-Politikerin hervor. Damit verbindet sie den Reformkurs mit dem Anspruch, langfristig bessere wirtschaftliche und soziale Perspektiven zu schaffen.
SPD erkennt Reformbedarf an
Die SPD bestreite die Notwendigkeit von Reformen nicht, sagte Reiche. Die sozialen Sicherungssysteme seien bis zum Zerreißen gespannt, die Lohnnebenkosten belasteten die Wettbewerbsfähigkeit des Faktors Arbeit, Bürokratie erschwere wirtschaftliche Tätigkeit und hohe Energiepreise seien ein Problem für die Industrie.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) stärke ihr dabei den Rücken, sagte Reiche. Er leiste täglich Enormes für Deutschland und müsse in Europa und weltweit Führungsstärke zeigen, Verantwortung übernehmen und Veränderungen entschlossen vorantreiben.
Die Reformdebatte der Bundesregierung betrifft mehrere Bereiche gleichzeitig: die gesetzliche Rente, die Pflege, das Gesundheitssystem, Sozialabgaben, Bürokratie und Energiepolitik. Reiches Forderung nach einem anhaltenden Reformkurs steht damit für einen umfassenden politischen Anspruch, der Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit mit der Stabilisierung sozialer Sicherungssysteme verbinden soll.
Besonders konfliktträchtig ist die Verteilung der Belastungen. Bei der Rente stehen Vorschläge wie ein höheres Eintrittsalter und Änderungen bei der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren im Raum. In der Pflege wächst zugleich der finanzielle Druck auf die Kassen; kurzfristige Einsparungen und langfristige Strukturreformen sollen miteinander verbunden werden.
Koalition zwischen Reformdruck und Akzeptanz
Die politische Schwierigkeit liegt darin, dass Union und SPD den Reformbedarf grundsätzlich anerkennen, bei den konkreten Folgen aber unterschiedliche Prioritäten setzen. Während die Union stärker auf Einsparungen, längere Erwerbszeiten und niedrigere Arbeitskosten drängt, pocht die SPD auf sozialen Ausgleich und eine stärkere Beteiligung der Länder.
Für Bürgerinnen und Bürger entscheidet sich die Bedeutung des Reformkurses daran, ob Veränderungen bei Renten, Pflegebeiträgen, Energiepreisen und Bürokratie tatsächlich spürbare Verbesserungen bringen. Reiches Hinweis auf ein „Generationenversprechen“ beschreibt dabei den zentralen Zielkonflikt: Kurzfristige Belastungen sollen politisch mit langfristiger finanzieller Stabilität und besseren Wachstumschancen begründet werden.
Nächste politische Bewährungsproben
Die kommenden Gesetzesvorhaben werden zeigen, ob die Koalition den angekündigten Kurs in mehrheitsfähige Beschlüsse übersetzen kann. Entscheidend werden dabei nicht nur die Verhandlungen zwischen Union und SPD, sondern auch die Einbindung der Länder und die gesellschaftliche Akzeptanz der Maßnahmen sein.
