CDU-Basis trifft Merz am 2. November in Berlin
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 05:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSCDU-Konferenz bĂŒndelt Personalfragen
- Die Kreisvorsitzenden treffen sich am 2. November in Berlin mit GeneralsekretÀrin Franziska Hoppermann und Friedrich Merz.
- Von knapp 330 KreisverbĂ€nden sind 164 Kreisvorsitzende fĂŒr die nicht öffentliche Konferenz angemeldet.
- Die CDU-Spitzengremien sollen am 9. November ĂŒber die Kandidatur fĂŒr das BundesprĂ€sidentenamt entscheiden.
CDU-Kreisvorsitzende beraten in Berlin ĂŒber Parteikrise
Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz trifft am Nachmittag in Berlin auf die Kreisvorsitzenden seiner Partei, die der Bundespolitik die tiefe Krise der CDU anlasten. Vor der nicht öffentlichen Konferenz berichten FunktionĂ€re von Parteiaustritten, schlechten Umfragewerten und wachsendem Frust ĂŒber den Kurs der ParteifĂŒhrung.
Basis fordert Entscheidungen und Entlastungen
Die Kreisvorsitzenden verlangen vor allem, dass die ParteifĂŒhrung stĂ€rker zuhört, sich weniger mit sich selbst beschĂ€ftigt und Entscheidungen trifft, die fĂŒr BĂŒrger spĂŒrbar sind. Im Mittelpunkt stehen unter anderem Entlastungen bei den Energiepreisen, eine bessere Einbindung der Basis und mehr FĂŒhrungsstĂ€rke.
Die CDU-Kreisvorsitzende DĂ©sirĂ©e Schrade aus Frankfurt (Oder) spricht von einer âdunkelrotenâ Alarmlampe und von Parteiaustritten in spĂŒrbarem Umfang. Der Dresdner Kreisvorsitzende Ingo Flemming sagt, viele BĂŒrger hĂ€tten nicht den Eindruck, dass Berlin die Warnsignale verstanden habe.
Merz bekommt Kritik an seiner Doppelrolle
Einzelne Kreisvorsitzende stellen auch die AutoritÀt des Kanzlers infrage und legen ihm nahe, den Parteivorsitz abzugeben. Der CDU-Bundestagsabgeordnete und Kreisvorsitzende in Oldenburg-Land, Bastian Ernst, bringt eine Trennung von Kanzlerschaft und Parteivorsitz ins Spiel.
Als mögliches Vorbild nennt Ernst die frĂŒhere Regelung unter Angela Merkel, die den Parteivorsitz abgab und Kanzlerin blieb. Auch Schrade fordert eine eigenstĂ€ndige Kraft fĂŒr die Parteiarbeit, falls Merz diese Aufgabe nicht ausreichend wahrnehmen könne.
Nur etwa die HĂ€lfte der Kreisvorsitzenden angemeldet
Die CDU hat knapp 330 KreisverbĂ€nde. Ihre Vorsitzenden gelten als Bindeglied zwischen OrtsverbĂ€nden sowie Bezirks- und LandesverbĂ€nden; fĂŒr die Konferenz haben sich 164 Kreisvorsitzende angemeldet.
Das Treffen findet in einer schweren Krise der Partei statt. Im September schied die CDU in Mecklenburg-Vorpommern erstmals aus einem Landtag aus; auf Bundesebene wurde sie nach der Wahl 2025 in Umfragen von der AfD als stÀrkste Kraft abgelöst.
Personaldebatte um BundesprÀsidentenamt
Bei der Konferenz könnte auĂerdem die Suche nach einem Kandidaten oder einer Kandidatin fĂŒr das BundesprĂ€sidentenamt zur Sprache kommen. Die CSU unterstĂŒtzt die bayerische LandtagsprĂ€sidentin Ilse Aigner, wĂ€hrend Merz dazu bislang keine Stellung bezogen hat.
Die CDU-Spitzengremien sollen am 9. November ĂŒber die Personalie entscheiden. Neben der Aussprache mit Merz und GeneralsekretĂ€rin Franziska Hoppermann sind eine Podiumsdiskussion zur Reformpolitik sowie GesprĂ€che ĂŒber die Parteistruktur und Satzung geplant.
Das Treffen fĂ€llt in eine Phase, in der die CDU mehrere Belastungen gleichzeitig bewĂ€ltigen muss. Die dpa-Meldung nennt Wahlniederlagen, schwache Umfragewerte, Streit in der Koalition und sinkende Beliebtheitswerte des Kanzlers als zentrale Auslöser des Unmuts. Besonders schwer wiegt fĂŒr die Parteibasis, dass politische Vorhaben bislang nicht ĂŒberall als spĂŒrbare Entlastung ankommen.
Konflikt zwischen Parteizentrale und FlÀche
Kreisvorsitzende haben eine besondere Funktion: Sie verbinden OrtsverbĂ€nde und Landesebene und erhalten unmittelbar RĂŒckmeldungen von Mitgliedern und kommunalen Akteuren. Wenn sie von Austritten, fehlender FĂŒhrung und enttĂ€uschten Erwartungen berichten, betrifft das deshalb nicht nur einzelne LandesverbĂ€nde, sondern die innerparteiliche Vermittlung insgesamt.
Im Mittelpunkt steht die Frage, ob die CDU ihre Regierungsarbeit stĂ€rker mit den Erwartungen der eigenen Mitglieder und der BĂŒrger vor Ort verbinden kann. Genannt werden vor allem Entscheidungen zu Energiepreisen, eine bessere Einbindung der Basis und ein klarerer politischer Kurs. Der Streit ĂŒber eine mögliche Trennung von Kanzleramt und Parteivorsitz berĂŒhrt zugleich die Machtbalance der Partei: Er wĂŒrde die Verantwortung fĂŒr Regierung und Organisation neu verteilen.
Personalfragen erhöhen den Druck
ZusĂ€tzliche Spannung entsteht durch die anstehende Entscheidung ĂŒber den CDU-Vorschlag fĂŒr das BundesprĂ€sidentenamt. Dass die Parteigremien am 9. November darĂŒber beraten sollen, gibt der Konferenz eine weitere personalpolitische Dimension. FĂŒr Merz geht es damit nicht nur um Kritik an einzelnen Vorhaben, sondern um Vertrauen in seine FĂŒhrung und um die FĂ€higkeit der CDU, geschlossene Entscheidungen zu treffen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Die Frankfurter Rundschau habe vor allem den Unmut ostdeutscher CDU-FunktionĂ€re und Forderungen nach einem spĂŒrbaren Kurswechsel beschrieben. Sie habe dabei zusĂ€tzliche Stimmen aus Brandenburg und ThĂŒringen sowie Kritik an Strukturdebatten hervorgehoben.
Focus: âCDU-Kreischefs treffen Merz und schlagen vorher Alarmâ (01.11.2026)
Focus habe die angekĂŒndigte Begegnung mit Merz und die von KreisverbĂ€nden geschilderten Parteiaustritte in den Mittelpunkt gestellt. Anders als die Frankfurter Rundschau habe der Beitrag stĂ€rker konkrete Kritik an kommunalen Belastungen, möglichen neuen Steuern und einem frĂŒheren Brandbrief an Merz gebĂŒndelt.
Beide BeitrÀge hÀtten den wachsenden Druck an der Basis und die Erwartungen an das Berliner Treffen bestÀtigt. Unterschiede lÀgen vor allem in der regionalen Gewichtung und bei den zusÀtzlich dargestellten Sachthemen.
