Copernicus: 2026 überschreitet fast sicher 1,5-Grad-Marke
Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 11:50 Uhr | dpa, AD HOC NEWSOktoberwerte und Meerestemperaturen
- Copernicus erwartet 2026 als zweitwärmstes Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen.
- Der globale Vierjahresdurchschnitt von 2023 bis 2026 dürfte über 1,5 Grad liegen.
- Die Meeresoberfläche zwischen den 60. Breitengraden erreichte im Oktober 20,95 Grad.
Copernicus erwartet zweites Jahr über 1,5 Grad
Das Jahr 2026 wird nach Angaben des EU-Klimawandeldienstes Copernicus fast sicher die Marke von 1,5 Grad globaler Erwärmung gegenüber der vorindustriellen Zeit überschreiten. Es wäre nach 2024 erst das zweite Kalenderjahr über dieser Schwelle, die offiziell erst bei einem mehrjährigen Durchschnitt als gerissen gilt.
2026 dürfte zweitwärmstes Jahr werden
Copernicus schätzt, dass 2026 höchstwahrscheinlich das zweitwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen wird. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent könnte es sogar den Rekordwert von 2024 übertreffen.
Vierjahresmittel liegt voraussichtlich über Zielmarke
Auch für den Durchschnitt der Jahre 2023 bis 2026 erwarten die Experten einen Wert von mehr als 1,5 Grad. Die Weltgemeinschaft hatte sich im Pariser Klimaabkommen vorgenommen, die Erwärmung möglichst auf 1,5 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen.
Oktober bricht weltweiten Temperaturrekord
Der vergangene Oktober war laut Copernicus der wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen. Die durchschnittliche globale Oberflächentemperatur lag bei 15,35 Grad und damit 1,75 Grad über dem vorindustriellen Niveau.
Es war der dritte Monat in Folge über der 1,5-Grad-Marke. In Europa war der Oktober der zweitwärmste nach 2022; besonders hohe Temperaturen wurden im Osten und Nordosten des Kontinents gemessen.
Meere erreichen neue Höchstwerte
Auch die Meerestemperaturen lagen im Oktober auf Rekordniveau. Zwischen den beiden 60. Breitengraden betrug die Temperatur an der Wasseroberfläche 20,95 Grad und übertraf damit den bisherigen Oktoberrekord von 2023.
Im zentralen und östlichen äquatorialen Pazifik wurden 29,94 Grad gemessen. Die Temperatur lag damit deutlich über den Werten früherer starker El-Niño-Ereignisse von 2015/2016 und 1997/1998.
UN spricht von Overshoot-Szenario
Die Vereinten Nationen gehen inzwischen davon aus, dass das im Pariser Abkommen angestrebte 1,5-Grad-Ziel überschritten wird. Die Überschreitung soll nach Möglichkeit kurz und gering bleiben, weil Risiken und Folgen mit jedem zusätzlichen Bruchteil eines Grades und jedem weiteren Jahr zunehmen.
Klimaforscher Johan Rockström fordert, die Erwärmung durch eine möglichst rasche Entfernung von Kohlendioxid aus der Atmosphäre wieder zu senken. Eine offizielle Überschreitung im Fünfjahreszeitraum sei mittlerweile unvermeidbar, erklärte Rockström in einem Briefing.
Die Copernicus-Prognose markiert eine wichtige Verschiebung in der Bewertung des Pariser Klimaziels. Ein einzelnes Kalenderjahr oberhalb von 1,5 Grad bedeutet noch nicht, dass die völkerrechtlich und wissenschaftlich relevante Schwelle im langfristigen Sinn endgültig überschritten ist. Dafür wird der Durchschnitt über mehrere Jahre betrachtet. Dass der Zeitraum 2023 bis 2026 voraussichtlich ebenfalls über 1,5 Grad liegt, macht jedoch deutlich, wie weit sich die Welt bereits in einem sogenannten Overshoot-Szenario bewegt.
Die Entwicklung hat unmittelbare Bedeutung für die Risikobewertung. Mit steigenden globalen Mitteltemperaturen nehmen die Wahrscheinlichkeiten für Hitzewellen, Dürren, Starkregen und andere Extremereignisse zu. Die Monatswerte zeigen zudem, dass die Erwärmung nicht nur an Land stattfindet: Rekordnahe oder rekordhohe Meerestemperaturen beeinflussen Ökosysteme, den Wasserkreislauf und die Entstehung intensiver Wetterlagen.
Was der neue Ausblick bedeutet
Der mögliche Rekordwert von 2024 bleibt eine zentrale Vergleichsgröße, doch auch ein zweitwärmstes Jahr würde den langfristigen Erwärmungstrend bestätigen. El Niño kann die globale Temperatur vorübergehend zusätzlich erhöhen; die grundlegende Erwärmung wird jedoch durch die langfristige Ansammlung von Treibhausgasen bestimmt. Für Politik und Gesellschaft verschärft sich damit das Spannungsfeld aus Emissionsminderung, Anpassung und der Frage, wie lange eine Überschreitung der 1,5-Grad-Marke dauern darf.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Stern: „Copernicus: 2026 wohl das zweitheißeste Jahr nach 2024“ (06.11.2026)
Der Beitrag hebt die Einstufung von 2026 als voraussichtlich zweitwärmstes Jahr und den wärmsten Oktober hervor. Zusätzlich nennt er Auswirkungen in Europa wie niedrige Flusspegel sowie Überschwemmungen und setzt damit einen regionalen Schwerpunkt.
FOCUS online: „2026 reißt fast sicher 1,5-Grad-Marke bei globaler Erwärmung“ (06.11.2026)
Der Artikel bestätigt die Copernicus-Prognose und betont, dass die 1,5-Grad-Marke offiziell erst im mehrjährigen Durchschnitt als überschritten gilt. Einen zusätzlichen Schwerpunkt bildet die Darstellung von Klimaextremen in Deutschland.
Beide Beiträge stimmen beim Temperaturausblick und bei der Bedeutung des mehrjährigen Durchschnitts überein. Unterschiede ergeben sich vor allem bei der regionalen Perspektive: Während der Stern europäische Folgen nennt, stellt FOCUS online Deutschland und die dort beobachteten Extreme in den Vordergrund.
