Nach AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt: Söder schließt Kanzlersturz von Merz durch CSU aus
Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 00:01 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
CSU-Chef Markus Söder hat Spekulationen über einen möglichen Sturz von Bundeskanzler Friedrich Merz durch seine Partei nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt eine klare Absage erteilt.
Söder stellt sich hinter Kanzler Merz
In einem Interview mit der „Bild am Sonntag“ erklärte der bayerische Ministerpräsident, von der CSU werde es „auf keinen Fall“ einen Kanzlersturz geben. Merz sei nach Söders Einschätzung weiterhin der richtige Mann, um eine Regierung zu führen, die Reformen voranbringen wolle. Er stehe zu den geplanten Veränderungen, so der CSU-Chef.
Söder verwies darauf, dass ein unmittelbarer Wechsel im Kanzleramt die bestehenden politischen Probleme nicht lösen würde. Jede mögliche Alternative hätte es zunächst mit denselben Herausforderungen zu tun – insbesondere mit einer SPD, die sich nach seiner Darstellung mit Reformen schwertue.
Wahldebakel der CDU in Sachsen-Anhalt
Auslöser der Debatte ist das CDU-Wahldebakel in Sachsen-Anhalt. Bei der Landtagswahl am vergangenen Sonntag erreichte die AfD mit knapp 44 Prozent mit Abstand die meisten Stimmen und verfehlte nur eine absolute Mehrheit. Die CDU verlor fast 20 Prozentpunkte und kam auf 17,2 Prozent.
In den kommenden Tagen stehen weitere Wahlen an: In einer Woche wird in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin gewählt, zudem findet eine Kommunalwahl in Niedersachsen statt. Die Ergebnisse könnten maßgeblichen Einfluss auf die politische Zukunft von Kanzler Merz haben.
Unions-interne Diskussionen und Geschlossenheitsappell
Zu Gerüchten, wonach Unions-Ministerpräsidenten den Kanzler nach den bevorstehenden Wahlen zum Rücktritt auffordern könnten, sagte Söder, über Parteien und Personen werde zwar gesprochen. Die Union tue aber gut daran, zusammenzustehen und sich nicht durch die AfD auseinanderbringen zu lassen.
Für die CDU selbst übernahm Söder keine Verantwortung und verwies darauf, dass er dort nicht Vorsitzender sei. Seine Aussagen zielen damit vor allem auf den Zusammenhalt der Union und die Abgrenzung von der AfD.
Kritik an SPD und Forderung nach mehr Reformtempo
Zur Zukunft der schwarz-roten Bundesregierung äußerte sich Söder verhalten. Er hoffe, dass das Bündnis bis 2029 halte, betonte aber, dass gegen Merz eine aus seiner Sicht „brutale“ Kampagne laufe. Nach Söders Darstellung hätten am Sonntag sowohl US-Präsident Donald Trump als auch der russische Präsident Wladimir Putin massiv für die AfD geworben, was im Netz und anderswo unterstützt werde und dem Image des Kanzlers schade.
Mit Blick auf Sachsen-Anhalt sprach Söder von der größten „Denkzettelwahl“ der deutschen Geschichte und forderte deutliche Konsequenzen. Die Bundesregierung müsse einen „deutlichen Zacken zulegen“, die bisherigen Ergebnisse seien zu mager. Besonders bei Themen wie Sozialmissbrauch, kalter Progression und hohen Energiepreisen sieht er Handlungsbedarf.
Appell an Arbeitsministerin Bas
Söder kritisierte, es werde zu viel Geld für falsche soziale Ausgaben ausgegeben. Arbeitsministerin Bärbel Bas von der SPD müsse nach seiner Ansicht „endlich in die Gänge kommen“. Bas hatte angekündigt, bis Ende des Jahres einen Aktionsplan gegen Sozialmissbrauch umzusetzen.
Damit verbindet Söder seine Rückendeckung für Kanzler Merz mit deutlicher Kritik an Teilen der Bundesregierung und der SPD, deren Reformbereitschaft er als unzureichend beschreibt.
Historischer Wahlausgang und Druck auf die Bundesregierung
Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit einem Stimmenanteil der AfD von knapp 44 Prozent und einem Absturz der CDU auf 17,2 Prozent markiert einen deutlichen Einschnitt im deutschen Parteiensystem. Der Erfolg der AfD in einem ostdeutschen Bundesland verstärkt die Debatte über die Strategien der etablierten Parteien im Umgang mit Protestwählern und Unzufriedenheit mit der Bundespolitik. Zugleich geraten die schwarz-rote Bundesregierung und Kanzler Friedrich Merz innenpolitisch unter erheblichen Druck, da die Wahlergebnisse als Signal für eine verbreitete Skepsis gegenüber der bisherigen Reformpolitik interpretiert werden.
Machtbalance in der Union und Rolle der CSU
Vor diesem Hintergrund kommt der klaren Absage von Markus Söder an einen Kanzlersturz durch die CSU besondere Bedeutung zu. Die CSU ist traditionell ein machtpolitischer Faktor innerhalb der Union, ihre Unterstützung für den jeweiligen Unionskanzler gilt als zentrale Voraussetzung für Stabilität. Wenn Söder Merz als richtigen Mann für Reformen bezeichnet und betont, von der CSU werde es „auf keinen Fall“ einen Kanzlersturz geben, stärkt dies öffentlich die Position des Kanzlers und signalisiert Geschlossenheit gegenüber innerparteilichen Spekulationen. Zugleich verweist Söder auf die Verantwortung der SPD in der Bundesregierung und kritisiert aus seiner Sicht unzureichende Reformbereitschaft im sozialpolitischen Bereich.
Konfliktfelder Sozialpolitik, Kommunikation und internationale Einflussnahme
Inhaltlich legt Söder den Fokus auf Themen wie Sozialmissbrauch, kalte Progression und Energiepreise und fordert ein deutlich höheres Reformtempo der Bundesregierung. Damit adressiert er Felder, die seit längerem als besonders sensibel für die Wahrnehmung von Gerechtigkeit und wirtschaftlicher Belastung gelten. Seine Hinweise auf angebliche Unterstützung der AfD durch internationale Akteure sowie auf die Notwendigkeit besserer Kommunikation spiegeln die Sorge wider, dass Desinformation und Vertrauensverlust gegenüber staatlichen Institutionen das politische Klima weiter polarisieren könnten. Für Bürgerinnen und Bürger verdeutlicht die Debatte, dass die kommenden Wahlen und Reformentscheidungen unmittelbare Auswirkungen auf Steuerlast, soziale Sicherungssysteme und die politische Stabilität bis zur regulären Wahlperiode 2029 haben können.
