CSU-Parteitag, Markus Söder

CSU-Parteitag: Söder stellt sich fünf offenen Fragen in München

Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 18:34 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die CSU kann in Bayern derzeit an ihre Landtagswahlwerte anknüpfen, ringt aber mit dem Kurs der Union, der Zukunft von Ilse Aigner und der Koalitionsperspektive nach 2028. Auch die Berliner Regierungsarbeit belastet die Partei.

CSU zwischen Bayern und Berlin

  • Markus Söder stellte auf dem Parteitag die Bedeutung der CSU als Volkspartei heraus.
  • Ilse Aigner erhielt für Söders favorisierte Bundespräsidentenkandidatur besonders starken Applaus.
  • Die CSU bewertet eine Fortsetzung der Koalition mit den Freien Wählern nach 2028 nicht als bedingungslos.
Markus Söder und seine CSU stehen vor einer ganzen Reihe von Herausforderungen - und offenen Fragen. (Archivbild) - Bild: Christoph Reichwein/dpa

CSU berät in München über Kurs und Personal

Die CSU kommt in unruhigen politischen Zeiten zu ihrem Parteitag zusammen und kann in Bayern derzeit auf Umfragewerte von 36 und 37 Prozent verweisen. Parteichef Markus Söder muss zugleich die Zukunft der Partei, die Rolle von Ilse Aigner und das Verhältnis zur Berliner Union klären.

Volkspartei unter Druck

In seiner rund 75-minütigen Rede warnte Söder davor, die CSU dürfe nicht im „Wachkoma“ liegen. Er verwies darauf, dass sich die Partei vom Abwärtstrend der Union abkopple, obwohl sie gemeinsam mit CDU und SPD im Bund Regierungsverantwortung trägt.

Aigner erhält starken Applaus

Besondere Aufmerksamkeit galt Landtagspräsidentin Ilse Aigner. Söder hatte sie vor Monaten als seine Favoritin für das Amt der Bundespräsidentin genannt und erklärte auf dem Parteitag, er gönne ihr das Amt „von Herzen“.

Aigner hat sich bislang nicht persönlich zu der Personalie geäußert. Die CSU unterstützt sie deutlich, eine Entscheidung auf Bundesebene steht jedoch noch aus; im Mittelpunkt steht dabei auch die Haltung von Kanzler und CDU-Chef Friedrich Merz.

Unzufriedenheit mit Merz

In der CSU sind die Erwartungen an Merz gering. Parteiintern wird ihm vorgehalten, viele Ankündigungen nicht umgesetzt zu haben; zugleich sehen Umfragen im Freistaat Söder bei den eigenen Anhängern teils als bessere Alternative.

Söder selbst gibt sich loyal und zurückhaltend. Aus seinem Umfeld heißt es jedoch, er stünde bereit, falls er gerufen werde. Bis zur Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen im April 2027 dürfte die Kanzlerfrage ruhen.

Koalition in Bayern bleibt offen

Die CSU regiert in Bayern mit den Freien Wählern. Söder bezeichnete eine Fortsetzung nach der Landtagswahl 2028 als denkbar, aber nicht bedingungslos und nicht um den Preis, dass die CSU geschwächt werde.

Ein Bündnis mit den Grünen schließt Söder weiterhin aus. Zugleich stellt sich die Frage, ob die CSU nach 2028 erneut genügend Stimmen für eine Zweierkoalition mit den Freien Wählern erhält, da auch die AfD in Bayern hohe Umfragewerte erreicht.

Berliner Reformen als Belastungsprobe

In der CSU wächst zudem die Sorge, dass die stockende Arbeit der schwarz-roten Bundesregierung auf die Partei zurückschlägt. Entscheidend wird sein, ob die angekündigten Reformen umgesetzt werden und ob ihre Folgen für Wirtschaft und Konjunktur im Alltag der Menschen ankommen.

Der CSU-Parteitag fällt in eine Phase, in der die Partei ihre vergleichsweise stabile Position in Bayern gegen mehrere Risiken absichern muss. Die in der Meldung genannten Umfragewerte von 36 und 37 Prozent liegen nahe am Ergebnis der Landtagswahl 2023, reichen aber nicht automatisch für eine komfortable politische Perspektive.

Besonders eng verbunden sind die bayerische und die bundespolitische Ebene. Die CSU profitiert derzeit davon, dass sie sich vom schwächeren Erscheinungsbild der Union absetzen kann. Zugleich sitzt sie mit CDU und SPD in Berlin in Regierungsverantwortung und muss deshalb auch für die Erfolge und Probleme der Koalition einstehen.

Bundespräsidentenwahl erhöht den Druck

Die Personalie Ilse Aigner verknüpft bayerische Parteipolitik mit der Suche nach der Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier. Eine Entscheidung der Union steht noch aus. Für die CSU ist Aigner zugleich eine profilierte Kandidatin und ein Faktor in der längerfristigen Personalplanung, weil ihr Wechsel ins Bundespräsidialamt ihre Rolle in Bayern verändern würde.

Auch die Kanzlerfrage bleibt mit der Entwicklung der Union verbunden. Söder signalisiert Loyalität, während in der CSU zugleich Unzufriedenheit mit Friedrich Merz spürbar ist. Bis zur Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen im April 2027 dürfte die Debatte zwar gedämpft bleiben; die Umsetzung der Berliner Reformvorhaben kann jedoch entscheidend dafür werden, ob die CSU ihren Abstand zur Bundespartei hält.

Bayerische Koalition ohne klare Alternative

In Bayern ist die Zusammenarbeit mit den Freien Wählern derzeit stabil, doch Söders Vorbehalte zeigen, dass eine Fortsetzung nach 2028 nicht automatisch feststeht. Ein Bündnis mit den Grünen schließt er aus. Damit bleibt für die CSU die Frage, ob sie erneut allein mit den Freien Wählern regieren kann, während die AfD in Umfragen stark bleibt.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Frankfurter Rundschau: „Parteitag in München: Söders CSU präsentiert sich als „Stabilitätsanker“ – Kanzler Merz am Samstag erwartet“ (23.10.2026)

Der Beitrag hebt die stabile Selbstdarstellung der CSU, Söders erwartete Unterstützung für Ilse Aigner und den Auftritt von Friedrich Merz hervor. Anders als die dpa-Analyse stellt er zusätzlich die geplante Abgrenzung von AfD und Linkspartei sowie den Reformdruck im Bund heraus.

ZDFheute: „Neue Bundespräsidentin? CSU drängt auf Aigner-Nominierung“ (23.10.2026)

Der Beitrag konzentriert sich auf die ausstehende Entscheidung über die Nachfolge Steinmeiers und den Konflikt zwischen CSU-Forderung und Zurückhaltung in der CDU. Er bestätigt Aigners zentrale Rolle, macht aber stärker als die dpa-Meldung die möglichen Spannungen innerhalb der Koalition sichtbar.

Beide Beiträge beschreiben Aigner als Kern der offenen Personalfrage und erwarten Auswirkungen auf das Verhältnis von CSU und CDU. Unterschiede liegen vor allem beim Schwerpunkt: Während der eine Artikel den Parteitag und die bayerische Stabilität betont, rückt der andere das Verfahren der Bundespräsidentenwahl und den unionsinternen Entscheidungsdruck in den Mittelpunkt.

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