CSU-Parteitag, Ilse Aigner

CSU-Parteitag: Söder wirbt fĂŒr Aigner als BundesprĂ€sidentin

Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 18:23 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Beim CSU-Parteitag erhĂ€lt Ilse Aigner starken Applaus fĂŒr Söders Vorstoß. Zugleich verlangt der Parteichef von Union und Koalition mehr Geschlossenheit im Umgang mit politischen Extremisten.

CSU setzt Signale fĂŒr Berlin und Bayern

  • Ilse Aigner saß beim Parteitag in der ersten Reihe und winkte den Delegierten nach Söders Worten zu.
  • Söder will seine UnterstĂŒtzung fĂŒr Aigner am Samstag beim Besuch von Friedrich Merz erneut Ă€ußern.
  • Eine Fortsetzung der bayerischen Koalition mit den Freien WĂ€hlern bezeichnete Söder als denkbar, aber nicht gesetzt.
Markus Söder hÀlt auf dem CSU-Parteitag eine kÀmpferische Rede. - Bild: Peter Kneffel/dpa

Söder wirbt beim CSU-Parteitag fĂŒr Aigner

CSU-Chef Markus Söder hat zum Abschluss seiner Parteitagsrede erneut fĂŒr Bayerns LandtagsprĂ€sidentin Ilse Aigner als nĂ€chste BundesprĂ€sidentin geworben. Die Entscheidung werde zwar „woanders gefĂ€llt“, sagte Söder, bezeichnete Aigner aber als „tolle Sache“.

Aigner erhÀlt starken Applaus

Die Delegierten quittierten Söders Vorstoß mit frenetischem Applaus. Aigner, die in der ersten Reihe saß, stand auf und winkte den Delegierten zu.

Söder kĂŒndigte an, seine UnterstĂŒtzung am Samstag erneut zu Ă€ußern, wenn Bundeskanzler Friedrich Merz auf dem CSU-Parteitag zu Gast ist. In der CSU wird Aigner seit LĂ€ngerem als mögliche Nachfolgerin von BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier gehandelt.

CDU hÀlt eigene Entscheidung offen

Die CDU-FĂŒhrung hat sich bislang nicht auf Aigner festgelegt. Aus Parteikreisen hieß es kurz vor dem Parteitag, die CDU habe den Anspruch nicht aufgegeben, einen Kandidaten oder eine Kandidatin aus den eigenen Reihen zu nominieren.

Merz hat sich zu der Frage bislang nicht öffentlich geĂ€ußert. Söder hatte Aigner bereits Ende April erstmals fĂŒr das Amt ins GesprĂ€ch gebracht.

Aufruf zum Kampf gegen Extremisten

In seiner rund 70-minĂŒtigen Rede rief Söder die Union und die Parteien der Mitte zu einem gemeinsamen Kampf gegen Extremisten von links und rechts auf. Die Union mĂŒsse wieder stĂ€rkste politische Kraft in Deutschland werden und die Koalition mĂŒsse trotz Streit zusammenhalten.

Mit Blick auf AfD-Erfolge und mögliche Regierungsbildungen in Berlin und Sachsen-Anhalt warnte Söder vor einer GefĂ€hrdung der Volksparteien. Er rief SPD und GrĂŒne im Bund dazu auf, eine von der Linken gefĂŒhrte Koalition in Berlin zu stoppen.

Forderung nach Extremistenklausel

Söder drohte Berlin und Sachsen-Anhalt erneut mit einem Ausschluss vom LĂ€nderfinanzausgleich, falls dort Regierungen unter Beteiligung oder FĂŒhrung extremistischer Parteien zustande kommen sollten. „Keine Kohle fĂŒr Extremisten“, lautete seine Losung.

Gemeinsam mit Baden-WĂŒrttemberg und Hessen will sich Söder nach eigenen Worten fĂŒr eine „Extremistenklausel“ einsetzen. Auch Geldmittel fĂŒr Berlin aus dem Hauptstadtvertrag stellte er infrage.

Absage an AfD-Verbotsverfahren

Ein AfD-Verbotsverfahren lehnte Söder erneut ab. Die Partei sei keine normale demokratische Partei, dennoch mĂŒsse sich die Union ihr mit Argumenten und demokratischen Mitteln entgegenstellen.

An die AfD-Spitze appellierte Söder, Rechtsextreme und identitÀre Verbindungen aus der Partei zu entfernen. Zugleich forderte er die schwarz-rote Koalition auf, Reformen umzusetzen und nicht nur aus Angst vor Neuwahlen zusammenzubleiben.

Koalitionsfrage in Bayern bleibt offen

Mit Blick auf die nÀchste bayerische Landtagswahl in zwei Jahren vermied Söder eine feste Koalitionsaussage zugunsten der Freien WÀhler. Eine Fortsetzung der Zusammenarbeit sei denkbar, aber keinesfalls gesetzt.

Söders Rede verbindet zwei Themen, die in der Union derzeit eng miteinander verknĂŒpft sind: die Suche nach einem gemeinsamen Kurs gegen die AfD und die Frage, wer Frank-Walter Steinmeier im Amt des BundesprĂ€sidenten nachfolgen soll. Mit Ilse Aigner bringt der CSU-Chef eine erfahrene CSU-Politikerin ins GesprĂ€ch, obwohl die CDU ihren Anspruch auf eine eigene Personalentscheidung aufrechterhĂ€lt.

Die UnterstĂŒtzung fĂŒr Aigner ist damit zunĂ€chst ein politisches Signal aus Bayern und keine abgeschlossene Kandidatur. Entscheidend wird sein, ob CDU und CSU bei der Nachfolgefrage eine gemeinsame Linie finden. Dass Aigner beim Parteitag anwesend war und auf Söders Worte reagierte, verleiht der öffentlichen Werbung zusĂ€tzliche Wirkung.

Streit um LĂ€nderfinanzausgleich

Die von Söder geforderte Extremistenklausel zielt auf die finanziellen Beziehungen zwischen Bund und LĂ€ndern. Sie wĂŒrde die Frage aufwerfen, ob politische Mehrheiten in einem Land Folgen fĂŒr Mittel aus dem LĂ€nderfinanzausgleich oder fĂŒr den Hauptstadtvertrag haben dĂŒrfen. Politikwissenschaftlerin Ursula MĂŒnch bewertete die Forderung in einem aktuellen Medienbeitrag als juristisch nicht umsetzbar, zugleich aber als politisch anschlussfĂ€hig.

FĂŒr die Bundespolitik erhöht Söders Vorstoß den Druck auf die schwarz-rote Koalition, Geschlossenheit und sichtbare Erfolge zu zeigen. Zugleich grenzt sich der CSU-Chef von einem AfD-Verbotsverfahren ab und setzt auf eine inhaltliche und demokratische Auseinandersetzung. Die Debatte ĂŒber Aigner und der Kampf gegen Extremismus bleiben damit vorerst miteinander verbunden, aber politisch getrennte Entscheidungen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

ZDFheute: „Neue BundesprĂ€sidentin? CSU drĂ€ngt auf Aigner-Nominierung“ (23.10.2026)

Der Beitrag bestĂ€tigt, dass Aigner als mögliche Kandidatin im Mittelpunkt steht, und ordnet die UnterstĂŒtzung der CSU ein. Anders als die dpa-Meldung konzentriert er sich auf die Nachfolge im BundesprĂ€sidentenamt; Söders gesamte Parteitagsrede steht weniger im Vordergrund.

NDR: „CSU-Parteitag: ‚Extremismusklausel ist ein klassischer Söder‘“ (23.10.2026)

Der NDR-Bericht stellt die Extremismusklausel in den Mittelpunkt und gibt die EinschĂ€tzung der Politikwissenschaftlerin Ursula MĂŒnch wieder, rechtlich sei der Vorstoß nicht umsetzbar. Damit setzt er einen anderen Schwerpunkt als die dpa-Meldung, die neben der Finanzforderung besonders Söders Werbung fĂŒr Aigner und seinen Appell an die Union beschreibt.

Die BeitrĂ€ge stimmen darin ĂŒberein, dass Söder den Parteitag fĂŒr klare politische Signale nutzt. Offen bleibt, ob die CDU Aigner unterstĂŒtzt und ob eine Extremismusklausel rechtlich und politisch durchsetzbar wĂ€re.

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