Emotionale Reise: DÀnemark trÀumt vom zweiten EM-Triumph
03.07.2021 - 22:56:28 | dpa.deKasper Hjulmand jubelte mit einem rot-weiĂen Schlapphut auf dem Kopf den Fans zu, der ĂŒberragende Thomas Delaney hĂŒpfte mit nacktem Oberkörper eingehĂŒllt in eine Fahne auf und ab. EntkrĂ€ftet, aber ĂŒberglĂŒcklich feierten die dĂ€nischen EM-Helden auf ihrer Reise die nĂ€chste groĂe Party.
Auch Minuten nach dem Schlusspfiff zum 2:1 (2:0) gegen Tschechien machte das Team die Welle und lieĂ sich fĂŒr den Einzug ins Halbfinale feiern. Dank einer starken ersten Halbzeit gewann die Auswahl von Hjulmand das Viertelfinale zweier AuĂenseiter in Baku vor 16.306 Zuschauern und steht erstmals seit dem EM-Triumph 1992 wieder unter den besten Vier. «Das war unser Ziel von Beginn an: Wir wollten nach Wembley», sagte Borussia Dortmunds Delaney, der als Spieler des Spiels ausgezeichnet wurde. «Plötzlich sind wir da, das ist schwer zu glauben.»
Angetrieben von gut 1000 mitgereisten Fans, die auch eine Botschaft an Christian Eriksen richteten, erzielten Delaney (5. Minute) per Kopf und Kasper Dolberg (42.) nach Traumflanke von Joakim Maehle die Tore fĂŒr DĂ€nemark. Die Skandinavier treffen nun am Mittwoch in London auf England und dĂŒrfen vom zweiten EM-Triumph nach 29 Jahren trĂ€umen. «Wir haben Geschichte geschrieben, es ist so lange her, dass DĂ€nemark im Halbfinale war», schwĂ€rmte Jens Stryger Larsen.
FĂŒr die Tschechen war auch das fĂŒnfte Turniertor von Bayer Leverkusens Patrik Schick (49.), durch den dieser den EM-Landesrekord von Milan Baros egalisierte, zu wenig. Nach dem bitteren Ende einer starken EM saĂ Schick zusammengekauert und alleine auf der Bank. «Das ist FuĂball, es geht um Fehler, wir sind raus. Wenn wir zurĂŒckschauen, verdienen wir groĂen Respekt», sagte er. «Es haben nicht viele Menschen an uns geglaubt, wir haben gezeigt, dass wir mit den ganz GroĂen mithalten können. Ich bin stolz auf dieses Team.»
Traum vom zweiten EM-Triumph
In der schwĂŒlen Abendhitze von Baku waren die dĂ€nischen Fans auf den TribĂŒnen in der Ăberzahl. Viele hatte sich den Tag ĂŒber schon im Park Khagani Garden der Hauptstadt Aserbaidschans warmgefeiert. Der Verband hatte 50 der treuesten AnhĂ€nger das Flugticket und die Eintrittskarte fĂŒr das Viertelfinale spendiert, mehr als 1000 Fans nahmen die weite Reise ans Kaspische Meer auf sich. «Wir sind froh ĂŒber unsere Fans, sie sind verrĂŒckt. Sie wissen, wie viel es uns bedeutet, dass sie hier hergekommen sind und uns unterstĂŒtzt haben», sagte Hjulmand. «Das ist einer der GrĂŒnde, warum wir so viel Energie haben.»
Die emotionale Bindung zwischen AnhĂ€ngern und Mannschaft war wĂ€hrend des Turniers durch das Drama um Eriksen, der im ersten Spiel fast gestorben wĂ€re, noch enger geworden. In einem Block mit dĂ€nischen Fans hing ein Plakat mit der Aufschrift: «FOR CHRIS10AN». Vor dem Spiel wurde auf dem Rasen wie bei vorigen Partien ein Trikot mit dessen Nummer 10 ausgebreitet. «Ich denke jeden Tag an Christian», sagte Coach Hjulmand nach dem Spiel. «Ich bin froh, dass er ĂŒberlebt hat. Wir haben in hier hin mitgenommen und werden ihn auch mit nach Wembley nehmen.»
In der Neuauflage des EM-Viertelfinals von 2004, das Tschechien seinerzeit mit 3:0 gewonnen hatte, ĂŒbernahmen die DĂ€nen frĂŒh die Initiative, lieĂen den Ball laufen und erzielten bereits nach fĂŒnf Minuten und der ersten, allerdings umstrittenen Ecke das 1:0. Delaney kam nach der Hereingabe von Stryger Larsen frei zum Kopfball und versenkte den Ball als Aufsetzer unhaltbar im Tor der Tschechen.
Tschechen drÀngen vergeblich auf Ausgleich
Insgesamt kam Tschechien nach dem RĂŒckstand besser ins Spiel, allerdings war Schick zu Beginn noch abgemeldet. Die DĂ€nen verlegten sich auf Konter - so fiel auch das 2:0. Der Ex-Bremer Jannik Vestergaard spielte einen Steilpass auf Maehle, der mit dem AuĂenrist spektakulĂ€r von links in den Strafraum flankte. Dort brauchte Dolberg nur noch den FuĂ hinzuhalten. «Ich habe ihn gefragt, ob er ihn wirklich mit dem AuĂenrist gespielt hat», berichtete Delaney unglĂ€ubig ĂŒber die Vorlage von Maehle. «Mann, er spielt so gut.»
Die Tschechen drĂ€ngten nach der Pause auf den Anschlusstreffer. Nachdem Schmeichel noch groĂartig einen Schuss von Antonin Barak (47.) parierte, war er kurz darauf gegen den Abschluss von Schick zum 1:2 (49.) machtlos, als dieser eine Hereingabe von Vladimir Coufal platziert ins Tor schoss. In der mit zunehmender Spielzeit zerfahrener werdenden Partie hatte der eingewechselte Poulsen in 78. Minute die Chance zur Vorentscheidung, doch Vaclik parierte bravourös. In der Schlussphase verstĂ€rkten die Tschechen ihre Ausgleichsanstrengungen, auch Darida durfte aufs Feld. Doch auch die letzten verzweifelten Angriffsversuche bleiben erfolglos - die dĂ€nische Party auf der TribĂŒne konnte starten.
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