Zehn Jahre nach dem Bruder: Tournee-Triumph fĂŒr Domen Prevc
06.01.2026 - 18:31:03 | dpa.deĂberflieger Domen Prevc ist in die FuĂstapfen seines Bruders Peter getreten und hat genau zehn Jahre spĂ€ter dessen Skisprung-Triumph bei der Vierschanzentournee nachgemacht. Der 26 Jahre alte Slowene sprang bei eisiger KĂ€lte in Bischofshofen 138 und 138,5 Meter und beseitigte als Tageszweiter auf der Paul-AuĂerleitner-Schanze letzte kleine Zweifel an seinem erstmaligen Coup bei dem Traditionsevent.
WĂ€hrend Prevc den goldenen Adler und ein Preisgeld von 100.000 Euro erhĂ€lt, wird sich die Wartezeit der deutschen Skispringer auf einen Triumph bei der Tournee auf ein Vierteljahrhundert verlĂ€ngern. Felix Hoffmann (in Bischofshofen auf Rang zehn) und Philipp Raimund (Zwölfter) absolvierten zwar ordentliche Wettbewerbe, konnten mit der von Prevc angefĂŒhrten Weltspitze aber erneut nicht mithalten.
Wohl letzte Tournee ohne Frauen
Die Ăsterreicher Jan Hörl und Stephan Embacher komplettierten vor 12.500 Zuschauern mit groĂem RĂŒckstand das Gesamtpodium hinter dem slowenischen Dominator. In der Endabrechnung nach vier Springen in ausverkauften und stimmungsvollen Stadien schafften es Hoffmann und Raimund auf die RĂ€nge sechs und acht. Den Tagessieg holte Daniel Tschofenig aus Ăsterreich vor Prevc und Japans Ryoyu Kobayashi.
Die 74. Ausgabe des Schanzen-Spektakels war wahrscheinlich die letzte, bei der ausschlieĂlich MĂ€nner teilgenommen haben. Mit der Genehmigung fĂŒr ein Flutlicht am Bergisel in Innsbruck sollen die Frauen im nĂ€chsten Winter zum JubilĂ€umsevent zum Programm dazustoĂen. Geplant ist, dass sie ihre Springen jeweils am Quali-Tag der MĂ€nner absolvieren.
Hannawald: «Vielleicht nÀchstes Jahr»
Sven Hannawald bleibt mit seinem historischen Vierfachsieg in der Saison 2001/02 der letzte deutsche Gesamtsieger. «Dieses GefĂŒhl weitergeben zu dĂŒrfen, hĂ€tte ich mir gewĂŒnscht. Leider nicht, vielleicht klappt es nĂ€chstes Jahr. Wenn ich die Bilder sehe, wird es mir schon warm ums Herz», sagte der heutige ARD-Experte, als ihm im Auslauf von Bischofshofen mal wieder die Bilder von damals gezeigt wurden.
Zweieinhalb Wochen vor der Skiflug-WM in Oberstdorf und viereinhalb Wochen vor Olympia in Italien hat Bundestrainer Stefan Horngacher viel Arbeit vor sich, um das Team fĂŒr die GroĂereignisse medaillentauglich zu machen. Das Ziel fĂŒr die Tournee («Dass wir unfallfrei wieder heimfahren - und erfolgreich sind») erfĂŒllten seine Sportler nur bedingt.Â
Der im MĂ€rz scheidende Bundestrainer wird zumindest mit Blick auf die Tournee nach sieben Jahren unvollendet bleiben. So erging es auch ĂŒber ein Jahrzehnt lang VorgĂ€nger Werner Schuster, der zwar fĂŒr WM-Titel und Olympiasiege sorgte, die deutschen Skisprung-SehnsĂŒchte nach einem nĂ€chsten Hannawald bei der Tournee aber nicht erfĂŒllen konnte.
Lob fĂŒr Sprungstil von Prevc: «Unglaublich schön»
Der Star dieser Ausgabe war zweifellos Prevc, der zum Start in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen dominierte. «Man fragt sich als Springer schon, wo sind die restlichen 15 Meter bis zum Domen? Er hat ein FluggefĂŒhl, von dem kann ich nur trĂ€umen, das macht er unglaublich schön», schwĂ€rmte Raimund ĂŒber den FlugkĂŒnstler.Â
Domens Schwester Nika Prevc prĂ€gt parallel dazu aktuell den Frauen-Weltcup. In einer Textnachricht hatte sie ihm von Villach beste GrĂŒĂe nach Bischofshofen geschickt.
Weit mehr als sein Bruder Peter, der vor genau zehn Jahren den deutschen Rivalen Severin Freund hinter sich lieĂ, ist Weltrekordhalter Domen ein Risikospringer. «Ein bisschen Kamikaze» nannte Peter die Sprungweise seines jĂŒngeren Bruders einmal. Seit den Materialumstellungen in diesem Sommer ist Prevc der Mann, den es in dem von GroĂereignissen geprĂ€gten Winter zu schlagen gilt.
Hochdekoriertes Duo im Tief
FĂŒr die einstigen Weltklasse-Athleten Andreas Wellinger und Karl Geiger geht es aktuell nicht um Medaillen oder Siege - sondern um einen Verbleib im deutschen Weltcup-Team. Weder Wellinger noch Geiger konnten bei der Tournee ĂŒberzeugen. «Aktuell haben wir zu viele, die vor dem zweiten Durchgang ausscheiden. Das ist die nĂŒchterne RealitĂ€t», beschrieb Wellinger. Er selbst zĂ€hlte bei allen vier Springen zu dieser Gruppe.
Hinter den starken Hoffmann und Raimund gibt es fĂŒr Olympia nur zwei weitere PlĂ€tze, die Pius Paschke, Wellinger und Geiger unter sich ausmachen dĂŒrfte. Das GlĂŒck von Wellinger (30 Jahre) und Geiger (32) ist, dass sich derzeit keine Talente aufdrĂ€ngen, ihnen diese PlĂ€tze in den kommenden Wochen streitig zu machen.
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