Hessen, Eritrea

Ausschreitungen bei Eritrea-Festival in Gießen

08.07.2023 - 13:58:53

Das Festival ist umstritten - Kritiker sehen eine problematische NÀhe zur Regierung Eritreas. Vor Ort kommt es zu «massiven Angriffen» auch auf EinsatzkrÀfte. 60 Menschen werden in Gewahrsam genommen.

  • Die Polizei hat im Vorfeld des Eritrea-Festivals mindestens 60 Menschen in Gewahrsam genommen. - Foto: Lino Mirgeler/dpa/Symbolbild

    Lino Mirgeler/dpa/Symbolbild

  • Polizisten kontrollieren am Rande des Eritrea-Festivals in Gießen eine Person. - Foto: Helmut Fricke/dpa

    Helmut Fricke/dpa

Die Polizei hat im Vorfeld des Eritrea-Festivals mindestens 60 Menschen in Gewahrsam genommen. - Foto: Lino Mirgeler/dpa/SymbolbildPolizisten kontrollieren am Rande des Eritrea-Festivals in Gießen eine Person. - Foto: Helmut Fricke/dpa

Bei einem umstrittenen Eritrea-Festival in Gießen ist es nach Angaben der Polizei zu gewalttĂ€tigen ZwischenfĂ€llen sowie «massiven Angriffen» auch auf EinsatzkrĂ€fte gekommen. Bis zum frĂŒhen Samstagnachmittag wurden demnach 22 Beamte verletzt. Unter anderem seien sie mit Steinen angegriffen worden, teilte das PolizeiprĂ€sidium Mittelhessen ĂŒber Twitter mit. Die Polizisten hĂ€tten am Festivalort, den Hessenhallen, verhindert, dass Personengruppen auf das GelĂ€nde stĂŒrmten.

Ein Polizeisprecher hatte zuvor von SteinwĂŒrfen, FlaschenwĂŒrfen und Rauchbomben berichtet. Bereits im vergangenen Jahr hatte es gewaltsame Ausschreitungen bei dem Festival gegeben. Kritiker sehen eine NĂ€he zum eritreischen Regime, die gewaltbereiten Personen werden den Regimegegnern zugerechnet.

Die Polizei sprach von Stein- und FlaschenwĂŒrfen, SchlĂ€gereien, entzĂŒndeten Rauchbomben, Einreißen von AbsperrzĂ€unen und Versuchen, polizeiliche Absperrungen zu durchbrechen. Die Beamten setzten Pfefferspray und Schlagstöcke ein. Ein Wasserwerfer stand bereit. Mindestens 60 Menschen wurden laut Polizei in Gewahrsam genommen, zuvor waren bereits etwa 50 Platzverweise erteilt worden. Ob es Verletzte gab und wie viele, war zunĂ€chst unklar.

Mehr als 1000 Polizisten im Einsatz

Aufgrund der dynamischen Lage seien ĂŒber die mehr als 1000 Beamten hinaus, die bereits im Einsatz waren, weitere Polizisten nach Gießen gerufen worden, sagte der Sprecher. Es gehe um mehrere Hundert KrĂ€fte aus allen hessischen PolizeiprĂ€sidien. Mit Lautsprechertrupps werde versucht, auf Personen einzuwirken, die an Absperrungen auftrĂ€ten und möglicherweise versuchen wollten, diese zu durchbrechen. Auch ein Polizeihubschrauber und eine Drohne waren im Einsatz.

Bereits im vergangenen Jahr hatte es bei dem Festival Ausschreitungen gegeben. Gegner der Veranstaltung sehen eine problematische NĂ€he zur Regierung Eritreas. Die Veranstalter rechneten am Samstag und Sonntag mit jeweils etwa 2500 Besuchern. Ein Verbot des Festivals durch die Stadt war vom Gießener Verwaltungsgericht gekippt und diese Entscheidung vom Hessischen Verwaltungsgerichtshof bestĂ€tigt worden.

Am Samstag seien seit etwa 05.30 Uhr unterschiedlich starke Personengruppen durch Ausschreitungen an verschiedenen Orten in Gießen aufgefallen, berichtete die Polizei. Sie riet, das Stadtgebiet weitrĂ€umig zu umfahren, weil es «durch die stĂ€ndige Verlegung von EinsatzkrĂ€ften» in der Stadt zu starken VerkehrsbeeintrĂ€chtigungen komme. Die Polizei war mit mehr als 1000 KrĂ€ften an mehreren Orten der Stadt im Einsatz.

Drohungen gegenĂŒber Autofahrern

An den Hessenhallen - dem VeranstaltungsgelĂ€nde - habe eine große Gruppe von vermutlich etwa 100 Personen den Absperrzaun eingerissen, hieß es. Am NeustĂ€dter Tor gab es der Polizei zufolge eine Auseinandersetzung mit einer Vielzahl von Beteiligten. Dort soll es auch zu Drohungen gegenĂŒber Autofahrern gekommen sein. Autos seien beschĂ€digt worden. Von einer BrĂŒcke seien GegenstĂ€nde geworfen worden.

Seit der UnabhĂ€ngigkeit Eritreas von Äthiopien vor rund 30 Jahren regiert PrĂ€sident Isayas Afewerki das Land mit einer Übergangsregierung. International geriet Afewerki zuletzt in die Kritik, da die eritreische Armee mehreren UN-Berichten zufolge im Ă€thiopischen BĂŒrgerkrieg bis November 2022 an der Seite der Ă€thiopischen Zentralregierung schwere Menschenrechtsverletzungen begangen haben soll. Zudem sind in dem Land viele Freiheitsrechte weitgehend eingeschrĂ€nkt.

@ dpa.de