«Wo ist Taylor?» - Mahomes und Chiefs jubeln ohne Swift
05.11.2023 - 19:24:23Patrick Mahomes drehte im Frankfurter Football-Tollhaus noch eine kleine Ehrenrunde, aus den Boxen dröhnte in voller LautstĂ€rke «Don't Stop Believin'» von Journey. AngefĂŒhrt von ihrem Superstar haben die Kansas City Chiefs ihre Vormachtstellung in der NFL untermauert und Rivale Miami Dolphins besiegt.
«Das war eine atemberaubende Erfahrung. Ich habe ĂŒberall Rot gesehen, in der ganzen Stadt. Wir haben richtig die Liebe gespĂŒrt. Ich war richtig aufgeregt, hier zu sein», sagte Matchwinner Mahomes nach dem 21:14 (21:0), das nach exzellenter erster Halbzeit vor 50.023 begeisterten Zuschauern tatsĂ€chlich noch kurz in Gefahr geriet.
Nach tagelangen Debatten ĂŒber einen möglichen Besuch von Taylor Swift wurde die Pop-Gigantin nicht auf den RĂ€ngen gesehen. Die Chiefs um den starken Mahomes und Travis Kelce, der zuletzt turtelnd mit Swift abgelichtet worden war, zeigten sich als Team in starker Form. «Where is Taylor», hieĂ es auf dem weiĂen Shirt eines Journalisten in der folgenden Pressekonferenz. Wo ist Taylor? Das Swift-Geheimnis wurde fĂŒr die NFL in den vergangenen Tagen zum echten GeschĂ€ft neben dem eigentlichen Sport - wirklich lĂŒften wollte es keiner.
Zuschauer sorgen fĂŒr Football-Feiertag
Wie die Premiere vor einem Jahr in MĂŒnchen, bei der Tom Brady von einer der besten Erfahrungen seines Profilebens sprach, wurde auch diese Partie zu einem Football-Feiertag in Deutschland. Spektakel bot bei dem Spitzenspiel allerdings lange nur der Titelverteidiger von Trainer Andy Reid, der schon in Halbzeit eins so deutlich davonzog, dass kaum noch Spannung aufkam. «Das Publikum war unglaublich. Es war ein super Event. Die deutschen Fans waren phĂ€nomenal», sagte Reid, dem man die ĂŒberschwĂ€ngliche Begeisterung nicht immer sofort ansieht.
FĂŒr die Dolphins, die in dieser Saison bereits 70 ZĂ€hler in einer Partie erzielt hatten, war die 21-Punkte-Hypothek trotz starker zweiter Halbzeit zu viel. Die echten GĂ€nsehaut-Momente, wie zu «Sweet Caroline» oder «Country Roads» 2022 in der Allianz Arena, wollten diesmal trotz der hochkarĂ€tigen Besetzung aber nicht so wirklich aufkommen. Dabei versuchten es die Veranstalter nach Spielschluss wieder mit exakt den gleichen Liedern.
Stimmungsmusik von Queen bis DJ Ătzi begeisterte die Zuschauer zuvor bis in die Schlussphase. Ăber drei Millionen Karten hĂ€tte die NFL fĂŒr die Partie, die viele Chiefs-Fans angesichts des Spitzenspiel-Charakters lieber in den USA gesehen hĂ€tten, verkaufen können. Kansas City machte mit dem siebten Sieg im neunten Spiel einen weiteren Schritt Richtung Super Bowl, der am 11. Februar 2024 in Las Vegas ausgetragen wird.
Chiefs-Touchdown gleich im ersten Angriff
Schon einige Stunden vor Spielbeginn sĂ€umten zehntausende Football-Fans in verschiedenen Trikots das Stadionareal. Die omniprĂ€sente Frage nach Superstar Swift als GlĂŒcksbringerin fĂŒr den diesmal unauffĂ€lligen Kelce blieb aktuell, selbst Frank Buschmann Ă€uĂerte sich am RTL-Mikro: «Mir ist völlig wurscht, ob Taylor Swift hier ist.» Stattdessen zu sehen war nur Deutschlands FuĂball-Ikone Lothar MatthĂ€us. Weniger als 24 Stunden nach der Kritik an Bayern-Trainer Thomas Tuchel saĂ der Rekordnationalspieler schon wieder am Spielfeldrand in Frankfurt - und sprach fĂŒr das US-Fernsehen plötzlich ĂŒber Football.
Das Stadion der Eintracht war im Football-Look kaum wiederzuerkennen, aus den Boxen dröhnten Nena und die regional bekannten Rodgau Monotones. Bei geschlossenem Dach kickten die von Mike McDaniel trainierten Dolphins pĂŒnktlich um 15.30 Uhr an. Und Mahomes lieferte sofort das, was sich die Fans von ihm erhofften. Direkt mit dem ersten Angriff schafften die Chiefs den ersten Touchdown - und wiederholten diesen, als der erste Versuch nach ĂberprĂŒfung durch den Referee aberkannt wurde. In der ersten Auszeit folgte ein Heiratsantrag, den ein Chiefs-Fan seiner Partnerin machte - er hatte Erfolg, das Stadion jubelte. Der Entertainment-Faktor war auch abseits des Feldes riesig.
Miami blĂŒht erst nach der Halbzeit auf
Von Mahomes' Quarterback-Rivale Tua Tagovailoa war zunĂ€chst wenig zu sehen. Das galt auch fĂŒr Dolphins-Star Tyreek Hill, einem der besten Spieler der laufenden NFL-Spielzeit. Stattdessen fĂŒhrte Mahomes sein Team noch vor der Halbzeit zu einem weiteren Touchdown, der das 14:0 brachte. Direkt im Anschluss ereignete sich eine echte Seltenheit: Die Defensive der Chiefs eroberte in den Schlussminuten der ersten HĂ€lfte den Ball und trug diesen - inklusive eines Passes - umgehend zu einem weiteren Touchdown. «Das war klasse, ein riesiges Play fĂŒr uns», sagte Mahomes. Die zahlreichen in rot gekleideten Fans jubelten, die Partie schien beim Stand von 21:0 vorzeitig entschieden.
Doch das wirkte nur so. Im zweiten Durchgang bot sich plötzlich ein ganz anderes Bild. Miamis Spielmacher Tagovailoa agierte nun prĂ€zise und fokussiert, die QualitĂ€ten der 70-Punkte-Offensive waren auf einmal bestens zu sehen. Mit zwei Touchdowns alleine im dritten Viertel trotzte der Herausforderer aus Florida den zahlreichen Chiefs-Fans und verkĂŒrzte auf 14:21. Der Schlussabschnitt versprach noch einmal Spannung, doch Miamis Offensive konnte das hohe Niveau nicht halten.









