Musliminnen, Diskriminierung

Über 60 Prozent der Musliminnen erleben oft Diskriminierung

20.03.2025 - 10:18:32

Dass Menschen wegen ihres Glaubens oder ihrer Hautfarbe benachteiligt werden, kommt relativ hÀufig vor. So berichten es die Betroffenen laut einer Studie. Auch der Wahlkampf hat Spuren hinterlassen.

  • Muslimische Menschen fĂŒhlen sich in Deutschland hĂ€ufig aufgrund ihrer Religion diskriminiert. (Archivbild) - Foto: Christoph Reichwein/dpa

    Christoph Reichwein/dpa

  • Nach einer Recherche des Mediendienstes Integration haben rund 11,6 Prozent der Abgeordneten des neuen Bundestags einen Migrationshintergrund. (Archivbild) - Foto: Annette Riedl/dpa

    Annette Riedl/dpa

  • Vereine und VerbĂ€nde, die sich fĂŒr die Interessen von Menschen einsetzen, die von Rassismus betroffen sind, beklagen, dass ihre Perspektive da, wo Entscheidungen getroffen werden, hĂ€ufig fehle. (Archivbild) - Foto: Bernd WĂŒstneck/dpa

    Bernd WĂŒstneck/dpa

Muslimische Menschen fĂŒhlen sich in Deutschland hĂ€ufig aufgrund ihrer Religion diskriminiert. (Archivbild) - Foto: Christoph Reichwein/dpaNach einer Recherche des Mediendienstes Integration haben rund 11,6 Prozent der Abgeordneten des neuen Bundestags einen Migrationshintergrund. (Archivbild) - Foto: Annette Riedl/dpaVereine und VerbĂ€nde, die sich fĂŒr die Interessen von Menschen einsetzen, die von Rassismus betroffen sind, beklagen, dass ihre Perspektive da, wo Entscheidungen getroffen werden, hĂ€ufig fehle. (Archivbild) - Foto: Bernd WĂŒstneck/dpa

Diskriminierung aufgrund rassistischer Zuschreibungen ist in Deutschland relativ weit verbreitet. Laut einer aktuellen Studie erlebt gut die HĂ€lfte aller Menschen, die sich ethnischen oder religiösen Minderheiten zugehörig fĂŒhlen, regelmĂ€ĂŸig rassistische Diskriminierung. Wie die Ergebnisse einer reprĂ€sentativen Befragung fĂŒr die aktuelle Ausgabe des Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitors zeigen, war dies zuletzt bei 54 Prozent der Menschen, die im Fachjargon als «rassistisch markiert» bezeichnet werden, der Fall. 

Bei der Befragung zwischen August 2024 und Januar 2025 gaben 61 Prozent der muslimischen Frauen an, sich binnen eines Jahres mindestens einmal im Monat diskriminiert gefĂŒhlt zu haben. Ähnlich hoch war der Anteil bei schwarzen Menschen: Laut Studie berichteten 62 Prozent der schwarzen MĂ€nner und 63 Prozent der schwarzen Frauen, in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal pro Monat Alltagsdiskriminierung erfahren zu haben. In mehr als vier von fĂŒnf FĂ€llen war ihrer EinschĂ€tzung zufolge die Hautfarbe der Grund fĂŒr die Diskriminierung.

Zum Vergleich: 32 Prozent der Menschen, die nach eigener EinschĂ€tzung von ihrem GegenĂŒber nicht als Angehörige ethnischer Minderheiten wahrgenommen werden, erlebten binnen eines Jahres mindestens einmal pro Monat Diskriminierung – etwa wegen ihres Geschlechts, ihres Alters oder anderer Merkmale beziehungsweise Zuschreibungen.

In der Gruppe der Deutschen mit Migrationshintergrund wird die Wahrnehmung als «nicht deutsch» als hÀufigste Diskriminierungsursache genannt. Einen Migrationshintergrund haben nach der Definition des Statistischen Bundesamtes alle Menschen, die bei der Geburt nicht die deutsche Staatsangehörigkeit hatten, sowie jene mit mindestens einem Elternteil, auf den dies zutrifft.

Subtiler und offener Rassismus

WĂ€hrend offener Rassismus nicht an Relevanz einbĂŒĂŸt, etablieren sich der Studie zufolge vermehrt subtilere Formen von rassistischen Einstellungen. Zu den Diskriminierungserfahrungen, die von den Teilnehmern der Befragung geschildert wurden, zĂ€hlen unter anderem «angestarrt werden», BelĂ€stigung und Beleidigung. 

Migrations-Wahlkampf hat Spuren hinterlassen

Laut Untersuchung sind 23 Prozent der deutschen Bevölkerung der Ansicht, ethnische und religiöse Minderheiten stellten zu viele Forderungen nach Gleichberechtigung. 22 Prozent der rund 9.500 Befragten im Alter zwischen 18 und 73 Jahren vertraten zudem die Meinung, diese Minderheiten hÀtten in den vergangenen Jahren wirtschaftlich mehr profitiert als ihnen zustehe.

Aus Sicht der TĂŒrkischen Gemeinde in Deutschland (TGD) ist der Zusammenhalt in der Gesellschaft im zurĂŒckliegenden Bundestagswahlkampf stark beschĂ€digt worden. Der Bundesvorsitzende des Dachverbands, Gökay Sofuoglu, hatte diese Woche erklĂ€rt: «FĂŒr Menschen mit Migrationsgeschichte ist der dauerhaft negative Diskurs ĂŒber Migration und Vielfalt, angetrieben von rechtsextremen KrĂ€ften, der grĂ¶ĂŸte Stresstest der jĂŒngeren Geschichte.»

Vertrauen in Institutionen leidet

Was nicht ĂŒberrascht: Wer von rassistischer Diskriminierung betroffen ist, hat tendenziell weniger Vertrauen in staatliche Institutionen. Laut dem Bericht, der den Titel «Verborgene Muster, sichtbare Folgen» trĂ€gt, sank das Vertrauen rassistisch markierter Menschen in die Bundesregierung von 58 Prozent in 2022 auf 38 Prozent in der aktuellen Befragung, insbesondere bei Musliminnen und Muslimen sowie bei asiatischen Menschen. 

Der Leiter der GeschÀftsstelle des Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitors, Cihan Sinanoglu, sagte, neben der Migrationsdebatte im Wahlkampf sei ein weiterer naheliegender Grund die unterschiedliche Sicht auf den Nahost-Konflikt und «das, was nach dem 7. Oktober passiert ist». Migrationsforscherin Naika Foroutan nannte in diesem Zusammenhang EinschrÀnkungen der Demonstrations- und Wissenschaftsfreiheit sowie Polizeigewalt - vor allem in Berlin - und den Aufstieg der AfD.

Von den muslimischen Menschen, die angaben, keine Diskriminierung erlebt zu haben, gaben 87 Prozent an, sie vertrauten der Polizei. Unter denjenigen, die angaben, hÀufig Diskriminierung durch Polizeibeamte erfahren zu haben, lag der Wert demnach lediglich bei 19 Prozent.

Der Nationale Diskriminierungs- und Rassismusmonitor wird vom Deutschen Zentrum fĂŒr Integrations- und Migrationsforschung (Dezim) erstellt und durch das Bundesprogramm «Demokratie leben!» des Bundesministeriums fĂŒr Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Die empirische Forschung des Monitors legt nach Auskunft des Autorenteams auch deshalb einen besonderen Fokus auf die Erfahrungen der von Rassismus Betroffenen, damit diese nicht als «persönliche Anekdoten» banalisiert werden.

@ dpa.de