Berlin: Faas sieht Rot-Grün-Rot als wahrscheinlichstes Bündnis
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSBerliner Sondierungen vor Entscheidung
- Thorsten Faas hält eine Koalition aus Linken, Grünen und SPD in Berlin für das realistischste Szenario.
- Der Politologe sieht bei diesem Bündnis mehr inhaltliche Passung als bei CDU, Grünen und SPD.
- Die Parteien wollen bis Ende der Woche klären, ob Koalitionsverhandlungen möglich sind.
Der Berliner Politologe Thorsten Faas hält ein Regierungsbündnis aus Linken, Grünen und SPD für das realistischste Szenario. Inhaltlich passe dieses Bündnis aus seiner Sicht besser als die Alternative aus CDU, Grünen und SPD, sagte der Wissenschaftler der „Rheinischen Post“.
Wohnraum bleibt zentraler Streitpunkt
Faas verwies zugleich auf erhebliche Unterschiede zwischen den drei Parteien. Diese beträfen sowohl die politischen Schwerpunkte als auch einzelne Positionen.
Als besonders schwierige Frage nannte er die Vergesellschaftung von Wohnraum. Dabei handelt es sich um einen zentralen Konfliktpunkt innerhalb möglicher Verhandlungen über eine gemeinsame Berliner Regierung.
Parallele in Mecklenburg-Vorpommern
Nach Einschätzung des Politologen spricht auch die politische Entwicklung in Mecklenburg-Vorpommern für das Berliner Modell. Dort werde es gleichzeitig ebenfalls zu einem Bündnis aus Linken, Grünen und SPD kommen.
Gerade vor dem Hintergrund des Wahlergebnisses hält Faas diese Konstellation in Berlin weiterhin für am wahrscheinlichsten. Linke, Grüne und SPD führen derzeit Sondierungsgespräche.
Entscheidung über Koalitionsverhandlungen
Bis Ende der Woche wollen die drei Parteien klären, ob die Gespräche eine ausreichende Grundlage für Koalitionsverhandlungen bieten. Erst danach wäre der nächste formale Schritt zur Bildung einer Landesregierung möglich.
Die Berliner Sondierungen stehen unter einem zusätzlichen politischen Vorbehalt. SPD und Grüne haben die Gespräche mit der Linken am 13. Oktober vorerst unterbrochen, nachdem die Linksfraktion die umstrittene Abgeordnete Vanessa Emde aufgenommen hatte. Beide Parteien wollen nun prüfen, ob frühere Vereinbarungen zum Umgang mit Antisemitismus weiterhin gelten.
Damit verschiebt sich der Schwerpunkt der Gespräche vorübergehend von klassischen Sachfragen auf die politische Verlässlichkeit des möglichen Bündnisses. Inhaltlich bleiben insbesondere die Vergesellschaftung von Wohnraum, die unterschiedliche Schwerpunktsetzung der drei Parteien und die Ausgestaltung gemeinsamer Regierungsziele konfliktträchtig. Die Wohnungsfrage gilt als besonders sensibel, weil sie in Berlin sozialpolitische Erwartungen und rechtliche sowie wirtschaftliche Folgen verbindet.
Entscheidung über nächste Phase
Für die Regierungsbildung ist entscheidend, ob SPD und Grüne die Vereinbarungen mit der Linken als ausreichend verbindlich bewerten. Erst danach kann sich klären, ob aus den Sondierungen formelle Koalitionsverhandlungen werden. Die Linke hat ihren Parteitag, auf dem die Basis über mögliche Koalitionsverhandlungen entscheiden soll, auf den 31. Oktober verschoben. Das verlängert den innerparteilichen und öffentlichen Klärungsprozess.
Faas’ Einschätzung stützt sich auf die größere inhaltliche Nähe von Linken, Grünen und SPD gegenüber einem Bündnis aus CDU, Grünen und SPD. Zugleich zeigt der aktuelle Verhandlungsstopp, dass rechnerische oder programmatische Passung allein nicht genügt: Personalfragen, gemeinsame Abgrenzungen und belastbare Vereinbarungen können den Zeitplan der Berliner Regierungsbildung unmittelbar bestimmen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
n-tv: „SPD und Grüne in Berlin unterbrechen Sondierungen mit Linken“ (13.10.2026)
Der Bericht bestätigt die Unterbrechung der Gespräche und stellt die Aufnahme der umstrittenen Abgeordneten Vanessa Emde in die Linksfraktion als entscheidenden Auslöser dar. Im Mittelpunkt stehen die unterschiedlichen Bewertungen einer zuvor getroffenen Vereinbarung zum Umgang mit Antisemitismus.
ZDFheute: „Berlin: Grüne und SPD unterbrechen Sondierungen mit Linken“ (13.10.2026)
Auch ZDFheute berichtet über den vorläufigen Stopp und ordnet ihn in die Aufnahme Emdes sowie die gemeinsame Erklärung gegen Antisemitismus ein. Der Beitrag hebt zusätzlich mögliche Sanktionen innerhalb der Linksfraktion und die vorausgegangene Kritik von Friedrich Merz hervor.
Beide Berichte bestätigen den aktuellen Einschnitt in den Sondierungen. Unterschiede liegen vor allem in der Gewichtung: n-tv konzentriert sich auf die unmittelbare Reaktion der Parteien, während ZDFheute stärker die Vereinbarungen und den politischen Hintergrund beschreibt. Offen bleibt, ob die Gespräche nach der Prüfung wieder aufgenommen werden.
