BND, Deutschland

Merz: Neuer PrÀsident soll BND noch schlagkrÀftiger machen

11.09.2025 - 15:11:34

Der bisherige Botschafter in der Ukraine, Martin JÀger, löst nach neun Jahren Bruno Kahl an der Spitze des deutschen Auslandsgeheimdienstes ab. Der Kanzler schreibt ihm klare Ziele ins Auftragsbuch.

Der Bundesnachrichtendienst (BND) soll mit dem erfahrenen Krisendiplomaten Martin JĂ€ger an der Spitze angesichts von Kriegen, Krisen und wachsender hybrider Bedrohung schlagkrĂ€ftiger werden. «Wir wollen, dass der BND nachrichtendienstlich auf dem allerhöchsten Niveau mitspielt», forderte Kanzler Friedrich Merz (CDU) bei der AmtseinfĂŒhrung des neuen PrĂ€sidenten in der Zentrale des Auslandsnachrichtendienstes in Berlin. 

JÀger (61), zuletzt Botschafter in der Ukraine, löst Bruno Kahl (63) an der Spitze der Behörde mit rund 6.500 Mitarbeitern ab. Kahl wechselt nach neun Jahren im Amt auf eigenen Wunsch als deutscher Vertreter an den Heiligen Stuhl in Rom.

Merz: Systemrivalen und Gegner immer aggressiver

«Wir handeln im Augenblick in vielerlei Hinsicht in einem Raum der grĂ¶ĂŸten Ungewissheit», sagte Merz. Die sicherheitspolitische Lage sei noch nie in der Nachkriegsgeschichte so ernst gewesen wie derzeit. TĂ€glich wehre man hybride Angriffe gegen Infrastruktur ab: Sabotageakte, Spionage, Desinformationskampagnen. «Wir haben wieder Systemrivalen und Gegner im Äußeren, aber auch im Inneren. Und sie gehen immer aggressiver vor.» Es sei damit «die wichtigste Aufgabe dieser Bundesregierung, neue Grundlagen fĂŒr ein sicheres, souverĂ€nes Deutschland zu schaffen». 

Gemessen an der Verantwortung Deutschlands in Europa und seiner wirtschaftlichen StĂ€rke mĂŒsse die Zusammenarbeit mit den anderen Sicherheitsbehörden im Inland und der Bundeswehr sowie den nachrichtendienstlichen Partnern auf internationaler Ebene exzellent funktionieren, sagte der Kanzler. Zudem werde man bessere rechtliche Rahmenbedingungen fĂŒr die Nachrichtendienste schaffen. Die SouverĂ€nitĂ€t von Deutschland und Europa hĂ€nge nicht zuletzt daran, dass man im Sicherheitsbereich noch besser werde.

Neuer BND-PrÀsident: Kontrolliert höhere Risiken eingehen

JĂ€ger will den BND noch stĂ€rker auf die Bedrohungslage ausrichten. Der Dienst mĂŒsse ein verlĂ€ssliches FrĂŒhwarnsystem sein sowie Deutschland außen- und sicherheitspolitische HandlungsrĂ€ume eröffnen und diese verteidigen. Man werde «kontrolliert und konsequent höhere Risiken eingehen, um besseren Zugang zu Wissen zu eröffnen und die Interessen unseres Landes besser zu schĂŒtzen». JĂ€ger ergĂ€nzte: «Und wir werden unsere Gegner konfrontieren, wo immer dies nötig ist.» 

 

Kahl: Sind raus aus der Schmuddelecke

Kahl sagte, die Reputation des BND habe sich in den vergangenen Jahren grundlegend geĂ€ndert. «Wir sind definitiv raus aus der Schmuddelecke, in die wir jahrzehntelang gestellt worden sind.» Ein Grund sei der russische Angriffskrieg auf die Ukraine. Dadurch verstĂŒnden Politik, Medien und Bevölkerung immer besser, warum man den BND bei der ErfĂŒllung seines Auftrags nicht behindern, sondern unterstĂŒtzen solle.

Geheimdienstkontrolleur: AufklÀrungsarbeit des BND stÀrken

Der Vorsitzende des Parlamentarischen Gremiums zur Kontrolle der Nachrichtendienste, Marc Henrichmann (CDU), sagte der Deutschen Presse-Agentur, der BND brauche «bedrohungsangepasste Befugnisse, Personal und eine hochwertige technische Ausstattung, um unser Land wirksam vor Feinden schĂŒtzen zu können.» JĂ€ger habe die Aufgabe, den BND widerstandsfĂ€higer zu machen und dessen AufklĂ€rungsarbeit zu stĂ€rken.

GrĂŒne fordern Sicherheitsoffensive gegen hybride Bedrohungen

Auch die GrĂŒnen fordern eine bessere Vernetzung der Sicherheitsbehörden. Fraktionsvize Konstantin von Notz sagte der dpa, mit einer Reform des Nachrichtendienstrechts mĂŒsse «eine StĂ€rkung der Dienste und der Kontrolle gleichermaßen kommen». Notz ist auch stellvertretender Vorsitzender des Geheimdienst-Kontrollgremiums im Parlament.

Martin JĂ€ger: Krisendiplomat mit Wirtschaftserfahrung

Der im baden-wĂŒrttembergischen Ulm geborene JĂ€ger ging nach dem Studium der Völkerkunde und der Politik in MĂŒnchen in den AuswĂ€rtigen Dienst. Von 2005 bis 2008 war er Sprecher des AuswĂ€rtigen Amts. Anschließend wechselte er bis 2013 als Leiter des Bereichs Außenbeziehungen zur Daimler AG.

Von 2013 bis 2014 arbeitete JĂ€ger als Botschafter in der afghanischen Hauptstadt Kabul, anschließend war er bis 2016 unter dem damaligen Finanzminister Wolfgang SchĂ€uble (CDU) Leiter des Leitungsstabes. Nach Zeiten als StaatssekretĂ€r im baden-wĂŒrttembergischen Innenministerium (2016 bis 2018) und im Entwicklungsministerium (2018 bis 2021) vertrat JĂ€ger Deutschland von 2021 bis 2023 als Botschafter in der irakischen Hauptstadt Bagdad. Seit 2023 war er Botschafter in Kiew.

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