Richterwahl, SPD

Richterwahl: SPD nennt CSU-Aussagen «unertrÀglich»

21.07.2025 - 16:04:52

Der Bundeskanzler möchte den Konflikt um Frauke Brosius-Gersdorf möglichst gerÀuschlos beilegen. Doch aus der Union gibt es eine Reihe prominenter Wortmeldungen. In der SPD wÀchst der Zorn.

  • Legte der SPD-Kandidatin indirekt den RĂŒckzug nahe: Alexander Dobrindt.  - Foto: Kay Nietfeld/dpa

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  • So mancher in der Union meint, Frauke Brosius-Gersdorf sollte auf ihre Kandidatur verzichten. (Archivbild)  - Foto: Britta Pedersen/dpa

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  • Verlangte KritikfĂ€higkeit von Brosius-Gersdorf: Dorothee BĂ€r. (Archivbild)  - Foto: Niklas Treppner/dpa

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Legte der SPD-Kandidatin indirekt den RĂŒckzug nahe: Alexander Dobrindt.  - Foto: Kay Nietfeld/dpaSo mancher in der Union meint, Frauke Brosius-Gersdorf sollte auf ihre Kandidatur verzichten. (Archivbild)  - Foto: Britta Pedersen/dpaVerlangte KritikfĂ€higkeit von Brosius-Gersdorf: Dorothee BĂ€r. (Archivbild)  - Foto: Niklas Treppner/dpa

Der Koalitionskonflikt um die geplatzte Wahl von Frauke Brosius-Gersdorf zur Verfassungsrichterin wird schĂ€rfer. Aus der SPD-Bundestagsfraktion kommt massive Kritik an Innenminister Alexander Dobrindt und Forschungsministerin Dorothee BĂ€r (beide CSU). Beide hatten der von der SPD nominierten Juraprofessorin zuletzt öffentlich RatschlĂ€ge erteilt: BĂ€r forderte KritikfĂ€higkeit von Brosius-Gersdorf, Dobrindt legte ihr den Verzicht auf die Kandidatur fĂŒr das höchste deutsche Gericht nahe. 

«Wie sich Dobrindt und BĂ€r zur Causa Brosius-Gersdorf geĂ€ußert haben, ist unertrĂ€glich. Die Forderungen an die Juristin, ihre Kandidatur ad acta zu legen, sind ein unverschĂ€mter Versuch, Konsequenzen aus der gescheiterten Richterwahl der Betroffenen zuzuschieben», sagte die bayerische SPD-Landesgruppenchefin Carolin Wagner.

Den Kardinalfehler im Bundestag hĂ€tten aber Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) und dessen Fraktion zu verantworten. Ruf und Karriere einer hervorragenden Wissenschaftlerin wĂŒrden durch eine Hetzkampagne beschĂ€digt und die zustĂ€ndige Ministerin lege der Betroffenen lediglich Selbstkritik nahe – «das ist beschĂ€mend», so Wagner.

Merz setzt auf gerÀuschlose Lösung hinter den Kulissen 

Die Wahl der drei Kandidaten fĂŒr das Bundesverfassungsgericht war am 11. Juli kurzfristig von der Tagesordnung des Bundestages genommen worden. Grund war der Widerstand innerhalb der Unionsfraktion. Entgegen vorheriger Zusagen konnte die Fraktionsspitze die Zustimmung zur Brosius-Gersdorf nicht mehr garantieren. 

Wie der Konflikt nun gelöst werden kann, ist völlig offen. Die SPD hĂ€lt an der Kandidatur von Brosius-Gersdorf fest. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat wiederholt erklĂ€rt, dass man in der Koalition ohne Zeitdruck gemeinsam nach einer Lösung suchen wolle. Dabei schloss er zuletzt auch einen RĂŒckzug von Kandidaten nicht aus. Zugleich verurteilte er die Anfeindungen und Drohungen gegen die Potsdamer Staatsrechtlerin Brosius-Gersdorf als völlig inakzeptabel.

SPD: «Diesen Fehler hat allein die Union zu korrigieren»

Aus der Unionsfraktion kommt aber weiter Kritik an der Kandidatin. BĂ€r verteidigte diese Kritik vor einer Woche in der ARD-Talkshow «Maischberger» und forderte «ein bisschen Resilienz» von der Juraprofessorin. Von jemandem, der sich ins höchste deutsche Gericht wĂ€hlen lassen wolle, mĂŒsse man auch KritikfĂ€higkeit erwarten können. 

Dobrindt wiederum legte Brosius-Gersdorf nahe, selbst Konsequenzen zu ziehen. «Als Bewerberin fĂŒr eine Position im Verfassungsgericht hat man wohl kaum die Intention, die Polarisierung in der Gesellschaft weiter zu befördern», sagte er der «Augsburger Allgemeinen». 

Der Co-Vorsitzende der bayerischen SPD-Landesgruppe, Carsten TrĂ€ger, wirft Dobrindt deshalb eine TĂ€ter-Opfer-Umkehr vor. Fakt sei, dass sich nur die Mitglieder der Unionsfraktion von Falschaussagen und unhaltbaren Anschuldigungen hĂ€tten in die Irre fĂŒhren lassen. «Diesen Fehler hat allein die Union zu korrigieren und sonst niemand.»

Linnemann bleibt zuversichtlich: «Wir kriegen das hin»

CDU-GeneralsekretĂ€r Carsten Linnemann zeigte sich zuversichtlich, dass der Konflikt trotzdem beigelegt werden kann. «Ja, wir kriegen das hin», sagte er dem «Tagesspiegel». Wichtig sei, dass man in der Koalition «hinter den Kulissen und in aller Ruhe zu einer breit getragenen Lösung kommen». Details wollte er nicht nennen. SPD-GeneralsekretĂ€r Tim KlĂŒssendorf bekrĂ€ftigte in den Funke-Zeitungen, jetzt sei die Union in der Pflicht. Die SPD bestehe auf den Verabredungen. 

Umfrage: Mehrheit gegen RĂŒckzug von Brosius-Gersdorf

Eine Mehrheit der Deutschen ist laut einer Umfrage dagegen, dass die Juraprofessorin Brosius-Gersdorf wegen der Bedenken in der Unionsfraktion ihre Kandidatur fĂŒr das Bundesverfassungsgericht zurĂŒckzieht. In der Forsa-Erhebung fĂŒr den «Stern» lehnten 57 Prozent der Befragten einen solchen Schritt ab. Nur knapp jeder Vierte - 24 Prozent - vertrat die Ansicht, dass die von der SPD nominierte Kandidatin wegen des Widerstands in der Union freiwillig verzichten sollte. 19 Prozent Ă€ußerten sich nicht.

@ dpa.de