Pflegereform, Deutscher Pflegerat

Pflegereform: Pflegerat fordert umfassende Überarbeitung

Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 00:04 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Der Deutsche Pflegerat verlangt eine umfassende Überarbeitung der geplanten Pflegereform. Besonders umstritten sind höhere Zugangshürden, der Wegfall des Entlastungsbetrags bei Pflegegrad 1 und die Finanzierung von Personal- und Ausbildungskosten.

Als besonders kritisch beurteilt der Pflegerat die höheren Hürden beim Zugang zu Pflegegraden und die geplante Streichung des Entlastungsbetrags bei Pflegegrad 1. (Symbolbild) - Bild: Marcus Brandt/dpa
Als besonders kritisch beurteilt der Pflegerat die höheren Hürden beim Zugang zu Pflegegraden und die geplante Streichung des Entlastungsbetrags bei Pflegegrad 1. (Symbolbild) - Bild: Marcus Brandt/dpa

Der Deutsche Pflegerat fordert von der schwarz-roten Koalition eine umfassende Überarbeitung ihrer Pläne für eine Reform der Pflegeversicherung.

Kritik an Zugang und Entlastungsbetrag

Verbandspräsidentin Christine Vogler bezeichnete höhere Hürden beim Zugang zu Pflegegraden und die geplante Streichung des Entlastungsbetrags für Menschen mit Pflegegrad 1 als besonders problematisch. Pflegebedarf verschwinde dadurch nicht, erklärte sie.

Der Entlastungsbetrag unterstützt Pflegebedürftige unter anderem bei Angeboten zur Betreuung und im Haushalt. Nach den bisherigen Reformplänen soll diese Leistung für Pflegegrad 1 entfallen.

Warnung vor Folgen für Pflegekräfte

Für beruflich Pflegende kritisiert der Verband außerdem die vorgesehene mehrjährige Aussetzung der Tariftreue und eine Begrenzung der Finanzierung künftiger Lohnsteigerungen. Dadurch werde es schwieriger, Pflegefachpersonen im Beruf zu halten und die Versorgung zu sichern, warnte Vogler.

Mehr Steuermittel gefordert

Der Pflegerat verlangt, neben den Rentenbeiträgen für pflegende Angehörige auch die Ausbildungskosten aus Steuermitteln zu finanzieren. Beides sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und dürfe nicht zulasten pflegebedürftiger Menschen gehen.

Zudem müssten die Länder ihrer Verantwortung für die Investitionskosten nachkommen. Damit sind etwa Ausgaben für Gebäude und Ausstattung von Pflegeeinrichtungen gemeint.

Koalition streitet über Gesetzentwurf

Die Reformpläne haben einen Konflikt zwischen Union und SPD ausgelöst. Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) will an diesem Mittwoch einen Gesetzentwurf ins Kabinett bringen, der die Finanzen der gesetzlichen Pflegeversicherung im kommenden Jahr stabilisieren soll.

Die SPD droht jedoch mit einer Blockade und lehnt ein reines Kürzungspaket ab. Sie verlangt Änderungen an den Plänen, bevor das Vorhaben das Kabinett erreicht.

Finanzdruck trifft auf wachsenden Bedarf

Die Pflegeversicherung steht zugleich vor einem Einnahmeproblem und einer steigenden Nachfrage nach Leistungen. Nach Angaben aus der aktuellen Debatte fehlen ihr jährlich rund zehn Prozent der Ausgaben; für das laufende Jahr wird ein Defizit in Milliardenhöhe erwartet. Damit steigt der politische Druck, kurzfristig Einsparungen zu beschließen.

Die geplanten Änderungen berühren jedoch zentrale Zugangsvoraussetzungen. Höhere Hürden für Pflegegrade könnten dazu führen, dass Menschen später oder in geringerem Umfang Unterstützung erhalten. Der Wegfall des Entlastungsbetrags für Pflegegrad 1 würde insbesondere Personen treffen, die noch keinen umfassenden Pflegebedarf haben, aber bereits Hilfe im Alltag benötigen.

Personal und Finanzierung als Schlüssel

Die Forderung nach einer umfassenden Gegenfinanzierung verweist auf die Verteilung der Verantwortung: Pflegebedürftige und Beitragszahlende sollen nicht allein für Aufgaben aufkommen, die als gesamtgesellschaftlich gelten. Dazu zählen aus Sicht des Pflegerats auch Ausbildungsaufwendungen sowie die Absicherung pflegender Angehöriger.

Für Pflegeeinrichtungen ist die Finanzierung der Personalkosten entscheidend. Werden Tarifsteigerungen nicht ausreichend berücksichtigt oder wird die Tariftreue ausgesetzt, kann das die Gewinnung und Bindung von Fachkräften erschweren. Für Betroffene bedeutet der Koalitionsstreit deshalb nicht nur eine offene Haushaltsfrage, sondern auch Unsicherheit über Zugang, Eigenanteile und die Qualität der Versorgung.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Linnemann lehnt von SPD geforderten ‚Pflegedeckel‘ ab“ (27.09.2026)

Der Bericht bestätige den Koalitionsstreit und die für Mittwoch geplante Kabinettsbefassung. Er setze einen Schwerpunkt auf die Finanzierungslücke der Pflegeversicherung, die Forderung der SPD nach einem Eigenanteil-Deckel sowie Linnemanns Plan, strukturelle Fragen später von einer Kommission beraten zu lassen.

n-tv: „SPD droht mit Blockade: Nun streitet die Koalition über die Pflegereform“ (28.09.2026)

Der Artikel bestätige die drohende Blockade und stelle zusätzlich den Widerstand aus Teilen der Union sowie Forderungen von Grünen und Linken heraus. Anders als die dpa-Meldung zum Pflegerat konzentriere er sich auf den Streit über den Pflegedeckel, die Finanzierungsmodelle und den Zeitplan; offen bleibe, ob sich die Koalition vor der Kabinettsbefassung einigen könne.

Beide Berichte stellten die kurzfristige finanzielle Stabilisierung als gemeinsamen Handlungsdruck dar, unterschieden sich aber beim Schwerpunkt: Während tagesschau.de die strukturelle Unterfinanzierung und den Kommissionsplan hervorhebe, betone n-tv.de die parteiübergreifenden Konfliktlinien und den Widerstand gegen ein mögliches Spargesetz.

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