Richterbund, StrafverschÀrfung

Richterbund zweifelt an StrafverschÀrfung bei Antisemitismus

09.01.2024 - 07:45:03

Der Deutsche Richterbund (DRB) hĂ€lt Forderungen des Zentralrates der Juden nach schĂ€rferen Strafen gegen Antisemitismus fĂŒr wenig zielfĂŒhrend.

"SchĂ€rfere Strafgesetze allein werden wenig bewirken, solange eine personell ausgelaugte Strafjustiz mit ihrer Arbeit kaum noch hinterherkommt", sagte DRB-BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer Sven Rebehn der "Neuen OsnabrĂŒcker Zeitung". Auch Kritik von ZentralratsprĂ€sident Josef Schuster an milden Urteilen bei judenfeindlichen Straftaten wies Rebehn zurĂŒck: Strafverfahren wegen antisemitisch motivierter Taten fĂŒhre die Strafjustiz "generell mit höchster PrioritĂ€t", so der DRB-BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer. Solche FĂ€lle wĂŒrden "grundsĂ€tzlich nicht wegen GeringfĂŒgigkeit oder gegen Auflagen eingestellt", sondern konsequent vor Gericht gebracht. Schuster hatte am Sonntag bei der Klausur der CSU-Bundestagsabgeordneten fĂŒr eine schĂ€rfere Bestrafung von Antisemitismus geworben und sich hinter einen entsprechenden Forderungskatalog der CSU-Landesgruppe gestellt.

Dieser sieht etwa vor, Hetze gegen den Staat Israel mit einer Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten zu ahnden. Zudem hatte Schuster kritisiert, Gerichte wĂŒrden TĂ€ter mitunter wegen einer schweren Kindheit oder Fluchterfahrung verschonen. Laut Rebehn fehlen bundesweit mehr als 1.500 StaatsanwĂ€lte und Strafrichter, sodass die Zahl offener Verfahren auf 850.000 hochgeschnellt sei, was eine zĂŒgige Bestrafung oft unmöglich mache. "Bund und LĂ€nder mĂŒssen deshalb deutlich mehr in die Strafverfolgung investieren, um das Sicherheitsversprechen des Staates bestmöglich einzulösen", sagte der DRB-BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer der NOZ.

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