Richterbund beklagt Zeitlupen-Tempo bei Digitalisierung in der Justiz
18.04.2024 - 06:13:34Bislang verlaufe die digitale Wende in der Justiz mitunter eher in Zeitlupe, sagte Verbands-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Sven Rebehn der Deutschen Presse-Agentur. Bund und LĂ€nder mĂŒssten das Tempo deutlich erhöhen, sonst werde der Umstieg auf die E-Akte und eine digitale Kommunikation der Justiz mit BĂŒrgern und Unternehmen kaum bis 2026 gelingen. Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) will die Digitalisierung in der Justiz beschleunigen, einige seiner Vorhaben sind aber umstritten.
An diesem Freitag findet in Potsdam erstmals eine Digitalministerkonferenz statt. Den Vorsitz haben Brandenburg und Berlin inne.
Richterbund-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Rebehn kritisierte veraltete und fehleranfĂ€llige Softwarelösungen, ĂŒberlastete Datennetze und fehlende IT-UnterstĂŒtzung in der Justiz. "Auch leistungsfĂ€hige Technik fĂŒr Videoverhandlungen steht nicht flĂ€chendeckend bereit." KĂŒnstliche Intelligenz, die bei Massenverfahren schneller durch die Aktenflut helfen könnte, sei fĂŒr den Regelbetrieb in der Justiz noch Zukunftsmusik.
Der Deutsche Richterbund forderte die Bundesregierung auf, mehr Geld fĂŒr die Digitalisierung aufzubringen und nannte eine Milliarde Euro fĂŒr einen Bund-LĂ€nder-Digitalpakt. Bundesjustizminister Buschmann stellte den LĂ€ndern fĂŒr die kommenden Jahre bis zu 200 Millionen Euro fĂŒr Projekte zur Digitalisierung ihrer Justizbehörden in Aussicht. "Mit Trippelschritten und einem Schmalspurbudget lĂ€sst sich die Mammutaufgabe der Justiz-Digitalisierung aber kaum forcieren", so Rebehn.

