Israelischer Ex-Botschafter: StaatsrÀson auch keine heilige Kuh
16.08.2025 - 14:00:00
"Ich sehe dahinter keine Strategie des Bundeskanzlers, sondern eine Entscheidung aus der Not", sagte Stein der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS). "Das war eine Bauchentscheidung, getrieben von Emotionen, vor allem von Frustration."
Einen Bruch mit der deutschen StaatsrĂ€son sehe er in der Entscheidung nicht, so Stein weiter. Wohl aber verdeutliche sie ein "Dilemma, das sich fĂŒr Deutschland nur schwer auflösen lĂ€sst. Einerseits ist das Land Grundprinzipien wie dem Völkerrecht und dem humanitĂ€ren Recht verpflichtet. Auf der anderen Seite steht die StaatsrĂ€son, die Israel einen gewissen Sonderstatus verleiht."
In der Vergangenheit habe man bisweilen den Eindruck gewinnen können, dass die StaatsrĂ€son gegenĂŒber den anderen Prinzipien das gröĂere Gewicht habe, sagte Stein.
Und weiter: "Die jetzige Entscheidung von Merz zeigt in eine andere Richtung. Flapsig ausgedrĂŒckt: Die StaatsrĂ€son ist auch keine heilige Kuh." Den aktuellen Kurs der israelischen Regierung unter MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu bezeichnete der ehemalige Botschafter als "Irrweg", dem es "klare Signale von auĂen" entgegenzusetzen gelte. Finanzminister Bezalel Smotrich und Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir, die sich immer wieder gegen das Selbstbestimmungs- und Existenzrecht der palĂ€stinensischen Bevölkerung ausgesprochen haben, mĂŒssten deshalb sanktioniert werden, forderte Stein.


