Mark Rutte ist neuer Nato-GeneralsekretÀr
01.10.2024 - 10:33:14 | dpa.deNach rund zehn Jahren im Amt ĂŒbergab Jens Stoltenberg den Posten in einer Zeremonie im Hauptquartier der Allianz in BrĂŒssel.
Der 57-jĂ€hrige Rutte war im FrĂŒhsommer von den Regierungen der 32 Mitgliedstaaten des transatlantischen VerteidigungsbĂŒndnisses fĂŒr den Posten auserwĂ€hlt worden. Er soll ihn mindestens fĂŒr vier Jahre ĂŒbernehmen. Danach könnte sein Mandat erneuert werden.
Herausforderungen inmitten globaler Krisen
In diesen vier Jahren nimmt Rutte eine zentrale Funktion in der Allianz ein: Der GeneralsekretĂ€r der Nato muss Kompromisse zwischen den Mitgliedstaaten schmieden. Weil er auch HandlungsvorschlĂ€ge machen kann, spielt er damit gerade in Zeiten von Krisen oder Konflikten eine entscheidende Rolle. Er ist auch der Personalchef und leitet als oberster Verwaltungsbeamter das Nato-Hauptquartier. Alle diese Aufgaben machen ihn zu einer SchlĂŒsselfigur der Sicherheitspolitik.
Die Nato ist das wichtigste sicherheitspolitische BĂŒndnis weltweit. Sie verbindet die Sicherheitsinteressen Europas und Nordamerikas. Inzwischen gehören ihr 32 MitgliedslĂ€nder an, die gemeinsam ihre sicherheits- und verteidigungspolitischen Ziele verfolgen. Im Falle eines Angriffs haben sich die Staaten zur gegenseitigen UnterstĂŒtzung verpflichtet.
Der Machtwechsel von Stoltenberg zu Rutte findet in einer Zeit vieler Krisen statt. Der russische Angriffskrieg in der Ukraine wĂŒtet an den Grenzen des VerteidigungsbĂŒndnisses. Stoltenberg warb in der Vergangenheit beharrlich fĂŒr eine gröĂtmögliche UnterstĂŒtzung der Ukraine mit westlichen Waffensystemen. Die Ukraine wird wohl hoffen, dass Rutte diesen Kurs fortsetzt. "Wir mĂŒssen sicherstellen, dass die Ukraine als souverĂ€ne, unabhĂ€ngige, demokratische Nation bestehen kann", betonte der NiederlĂ€nder zumindest kurz vor der AmtsĂŒbergabe.
Rutte gilt als "Trump-FlĂŒsterer"
Eine besonders groĂe Herausforderung könnte fĂŒr den NiederlĂ€nder aus den USA kommen. Bei einem möglichen Sieg des frĂŒheren US-PrĂ€sidenten Donald Trump gegen die demokratische PrĂ€sidentschaftskandidatin Kamala Harris Anfang November steht der Zusammenhalt der Nato auf der Kippe. ĂuĂerungen des Republikaners hatten in der Vergangenheit Zweifel daran geweckt, ob die USA unter seiner FĂŒhrung uneingeschrĂ€nkt zur Beistandsverpflichtung stehen wĂŒrden. Trump drohte zeitweise sogar mit einem Austritt der USA aus dem BĂŒndnis. Stoltenberg agierte als geschickter Vermittler und moderierte unter anderem in dem wĂ€hrend der Amtszeit von Trump eskalierten Streit um die Verteidigungsausgaben der europĂ€ischen Alliierten.
Auch der NiederlĂ€nder hat schon Erfahrungen im Umgang mit Trump gesammelt - er erwarb sich sogar den Ruf als "Trump-FlĂŒsterer". WĂ€hrend eines Treffens mit Rutte im Jahr 2019 sagte Trump, er und Rutte seien Freunde geworden. Er bezeichnete die Beziehungen zwischen den Niederlanden und den USA so gut wie nie zuvor. Rutte wird zugetraut, einen gewissen Einfluss auf Trump zu haben. Kurz vor der AmtsĂŒbergabe sagte er in BrĂŒssel, dass er sowohl mit Harris als auch mit Trump arbeiten könne, "egal, wie die Wahlen ausgehen".
Ein erfahrener Krisenmanager
Auch abseits seines Rufs als "Trump-FlĂŒsterer" bringt Rutte langjĂ€hrige Erfahrung in der internationalen Politik mit. Fast 14 Jahre war der studierte Historiker Regierungschef der Niederlande. Er gilt als einer, der den Laden zusammenhalten kann. "Er betrachtet sich als Problemlöser, als Manager", sagt seine Biografin, die renommierte Kolumnistin Sheila Sitalsing - als "Manager der Firma Niederlande".
Bislang "managte" Norweger Stoltenberg die Nato. Zehn Jahre hatte der 65-JÀhrige das Amt inne - lÀnger war bislang nur Ruttes Landsmann Joseph Luns der höchste internationale Beamte der Nato. Dieser amtierte von 1971 bis 1984.
Neues Amt fĂŒr Stoltenberg
Nach seinem Abschied soll Stoltenberg nun ein neues gewichtiges Amt einnehmen: Medienberichten zufolge soll er im kommenden Jahr Christoph Heusgen als Chef der MĂŒnchner Sicherheitskonferenz (MSC) ablösen. Entsprechende Berichte wurden der Deutschen Presse-Agentur aus mehreren Quellen bestĂ€tigt. Die MĂŒnchner Sicherheitskonferenz hat sich seit ihrer GrĂŒndung 1963 zu einem der bedeutendsten internationalen Foren zur Sicherheitspolitik entwickelt.
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