Bundeswehr, Boris Pistorius

Politiker wollen Tempo fĂŒr Raketenabwehr mit Arrow machen

16.10.2023 - 15:14:34

Der Fliegerhorst Holzdorf soll zu einem der wichtigsten Standorte der Luftwaffe werden. Im Osten der Republik werden Transporthubschrauber sowie die Raketenabwehr mit dem System Arrow 3 stationiert.

FĂŒr den Aufbau einer weitreichenden Raketenabwehr wollen Bund und LĂ€nder gemeinsam Gas geben: Verteidigungsminister Boris Pistorius und die MinisterprĂ€sidenten von Brandenburg und Sachsen-Anhalt, Dietmar Woidke (SPD) und Reiner Haseloff (CDU), bekrĂ€ftigten dazu am Montag PlĂ€ne fĂŒr einen schnellen Ausbau des Fliegerhorstes Holzdorf.

«Es gibt akut keine Angriffsgefahr», sagte Pistorius, der sich vor Ort ĂŒber den Stand des Vorhabens informierte. «Arrow 3 wird aber auch nicht beschafft, uns jetzt vor einer Bedrohung zu schĂŒtzen, sondern in Zukunft, weil wir merken, dass die Gefahren nĂ€her gerĂŒckt sind und es wieder einen aggressiven Nachbarn in Europa gibt.»

Das israelische System soll Teil einer Luftverteidigung in Europa werden und eine LĂŒcke in der Abwehr schließen. Denn nach dem Ende des Kalten Krieges wurden viele FĂ€higkeiten abgebaut. Im Fall von Arrow gab es diese FĂ€higkeiten auch nicht. Der «Pfeil» kann anfliegende Raketen in bis zu ĂŒber 100 Kilometern Höhe zerstören, also außerhalb der AtmosphĂ€re und im beginnenden Weltraum. Das soll feindliche Raketen ganz weitgehend wirkungslos machen. Das Projekt ist eine Initiative der Bundesregierung.

Die Zeit drÀngt

Holzdorf wird der erste von drei Standorten der Feuereinheiten. Eine sogenannte AnfangsbefĂ€higung soll es im Jahr 2025 geben. Dazu wird in Holzdorf auch ein 70 Tonnen schweres Radar aufgebaut werden. «Wenn man ein solches System installiert wie Arrow 3, dann kommt es darauf an, die Angreifbarkeit und die Verwundbarkeit zu reduzieren», sagte Pistorius. «Deswegen werden zwei Standorte ausgelotet, einer im Norden, einer im SĂŒden und alles zusammen sichert dann eben die VerteidigungsfĂ€higkeit in jeder Situation ab. Und das ist die entscheidende Herausforderung.»

Der MilitĂ€rflughafen Holzdorf auf der Landesgrenze von Brandenburg und Sachsen-Anhalt soll auch Heimat von 47 der 60 geplanten schweren Transporthubschrauber der Bundeswehr werden. Die Boeing-Helikopter des Typs CH-47F Chinook - leicht erkennbar an ihrer Bananenform - werden das kĂŒnftige Arbeitspferd der Luftwaffe. Piloten und Wartungspersonal werden mit ihren Familien in die Region ziehen. Die zwei Großprojekte zusammen werden Holzdorf zu einem der wichtigsten Luftwaffen-Standorte in Deutschland machen.

Nun drĂ€ngt aber auch die Zeit. Die MilitĂ€rplĂ€ner sind in den vergangenen Jahren regelmĂ€ĂŸig in ErklĂ€rungsnot gekommen, weil alles lĂ€nger dauert und teurer wurde. FĂŒr Pistorius ist dies eines der Projekte, bei denen er noch in seiner Amtszeit liefern muss, wenn es nicht vor der nĂ€chsten Bundestagswahl auch an ihm hĂ€ngenbleiben soll.

Woidke: Neuausrichtung der Bundeswehr ĂŒberfĂ€llig

Die beiden Landesregierungen erwarten sich einen wirtschaftlichen Schub und zusĂ€tzliche ArbeitsplĂ€tze vom Ausbau des MilitĂ€rflughafens. Es gebe dafĂŒr volle UnterstĂŒtzung. Mehr als eine halbe Milliarde Euro sollen in den Standort investiert werden. Derzeit sind schon 1 800 Soldaten in Holzdorf stationiert.

«Weltweit mĂŒssen wir sicherheits- und militĂ€rpolitische UmbrĂŒche erleben, die die politischen Ordnungssysteme und internationalen Sicherheitsordnungen nachhaltig gefĂ€hrden», erklĂ€rte Woidke. Die Neuausrichtung der Bundeswehr sei ĂŒberfĂ€llig. Haseloff betonte, die militĂ€rischen Belange hĂ€tten absolute PrioritĂ€t und sein Bundesland werde sich als verlĂ€sslicher Partner erweisen.

Pistorius sagte auf eine Frage hin, es sei unklar, ob es wegen der verĂ€nderten Bedrohungslage in Israel zu Verzögerungen kommen könnte. «Der furchtbare Terrorangriff der Hamas auf israelisches Staatsgebiet und die Situation, in der sich das Land jetzt befindet: Wir wissen noch nicht, was das bedeutet fĂŒr Produktion und LieferzeitrĂ€ume. Da muss man jetzt abwarten, wie der Konflikt sich entwickelt», sagte er. Deutschland will das Luftverteidigungssystem aus Israel beschaffen.

@ dpa.de