Ex-Diplomat, Putin

Ex-Diplomat: Putin ist ein Meister von Scheinverhandlungen

29.03.2024 - 12:17:52

Der frĂŒhere deutsche Diplomat Michael Steiner hĂ€lt die Vorstellung von Friedensverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine derzeit fĂŒr naiv.

Er glaube nicht, "dass diejenigen, die nun scheinbar sachverstĂ€ndig nach dem Patentrezept der Diplomatie rufen, auch tatsĂ€chlich Erfahrung mit Friedensverhandlungen gesammelt haben", schreibt Steiner in einem Gastbeitrag fĂŒr die "SĂŒddeutsche Zeitung" (Osterausgabe). Wer sich mit Friedensverhandlungen auskenne, wisse, dass sie "in der realen Welt" sinnvoll erst möglich seien, "wenn beide Seiten zum Schluss gekommen sind, dass sie am Verhandlungstisch weniger verlieren werden als auf dem Schlachtfeld". Steiner war unter anderem außen- und sicherheitspolitischer Berater von Bundeskanzler Gerhard Schröder, er leitete Friedensverhandlungen zu Bosnien, Kosovo und Afghanistan. Der Ex-Diplomat argumentierte unter anderem mit den "Scheinverhandlungen mit zahlreichen WaffenstillstĂ€nden" in den 1990er-Jahren in Bosnien-Herzegowina.

"Die waren das Papier nicht wert, auf dem sie unterschrieben wurden. Erst eine militĂ€rische KrĂ€fteverschiebung und erhebliche GelĂ€ndegewinne zulasten des serbischen Angreifers machten 1995 die Friedensverhandlungen in Dayton möglich." Heute sei der russische PrĂ€sident Wladimir Putin ein Meister von Scheinverhandlungen, wie spĂ€testens seit den Abkommen von Minsk bekannt sei, die vor neun Jahren den Krieg in der Ostukraine beenden sollten. Steiner fordert Europa auf, die Ukraine effektiv zu unterstĂŒtzen. Die EU und Großbritannien spielten wirtschaftlich "in einer anderen Liga als Russland". Wenn sie es nach zwei Jahren Krieg nicht geschafft hĂ€tten, die Ukraine bei der Ausstattung mit Waffen auf Augenhöhe zu bringen, hĂ€tten sie zwar kein objektives, wohl aber ein mentales Problem. "Wir mĂŒssen unser eigentliches Problem, das der taktischen RealitĂ€tsverdrĂ€ngung, ĂŒberwinden", schreibt der Ex-Diplomat. "FĂŒr Wegducken wird es keinen Schadensrabatt geben."

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