BVerfG: Papier hĂ€lt Eingriffe in Versammlungsfreiheit fĂŒr möglich
25.11.2023 - 07:00:00"Es könnten also durchaus schĂ€rfere Regeln fĂŒr Demonstrationen von Nicht-EU-AuslĂ€ndern erlassen werden. Das mĂŒssten die zustĂ€ndigen BundeslĂ€nder veranlassen", sagte Papier. Ausweisungen und den Entzug der StaatsbĂŒrgerschaft als Folge der Verbreitung von Judenhass auf Demonstrationen hĂ€lt der Staatsrechtler dagegen fĂŒr praktisch kaum umsetzbar. "Wenn die betreffenden Personen deutsche StaatsbĂŒrger sind, dann gibt es keine Möglichkeit der Ausweisung oder der Aberkennung der StaatsbĂŒrgerschaft", sagte Papier. "Bei AuslĂ€ndern gĂ€be es die Möglichkeit zumindest theoretisch." Praktisch aber gebe es regelmĂ€Ăig Hindernisse. "Sie mĂŒssen einen Staat finden, in den Sie abschieben können. Man kann Menschen nicht beliebig irgendwohin ausweisen. Kurz: Schlagworte bieten keine Lösungen", sagte Papier. Er forderte stattdessen die konsequente Anwendung geltenden Strafrechts, das sei "auch kein zahnloser Tiger". Der Staatsrechtslehrer forderte den Bundestag auf, bei den aktuellen Beratungen ĂŒber ein neues StaatsbĂŒrgerschaftsrecht ein stĂ€rkeres Gewicht darauf zu legen, "ob eine Integration in die kulturelle, soziologische und werteorientierte Gemeinschaft möglich und zu erwarten ist". Generell sei zu ĂŒberlegen, die StaatsbĂŒrgerschaft nicht einfachgesetzlich zu regeln, sondern in der Verfassung zu verankern. "Das Grundgesetz ist die beste Verfassung, die Deutschland je hatte. Und doch enthĂ€lt es gewisse RegelungslĂŒcken. So sagt es nichts zur StaatsbĂŒrgerschaft, obwohl die staatsrechtlich gesehen eine zentrale Frage ist, weil sie gewissermaĂen festlegt, wer zum Kreis des deutschen Volkes als TrĂ€ger der Staatsgewalt gehört", sagte Papier. "Das ist bei uns nur einfachgesetzlich geregelt - und deshalb abhĂ€ngig von den politischen Mehrheiten im Bundestag. Ich habe das immer bedauert."


