Russland, Sabotage

Deutsche sollen fĂŒr Russland Sabotage geplant haben

18.04.2024 - 12:02:16

Der Generalbundesanwalt hat zwei Russlanddeutsche festnehmen lassen. Sie werden der Spionage verdĂ€chtigt. Auch Sabotageakte sollen in Planung gewesen sein. Beide mĂŒssen nun in Untersuchungshaft.

Nach der Festnahme zweier MĂ€nner in Bayern, die fĂŒr Russland spioniert und mögliche Anschlagsziele in Deutschland ausgekundschaftet haben sollen, mĂŒssen beide VerdĂ€chtige in Untersuchungshaft. Ein Ermittlungsrichter habe auch den zweiten Haftbefehl in Vollzug gesetzt, sagte eine Sprecherin des Generalbundesanwalts in Karlsruhe. Den Angaben nach sind die beiden dringend verdĂ€chtig, in einem besonders schweren Fall fĂŒr einen auslĂ€ndischen Geheimdienst tĂ€tig gewesen zu sein.

Den beiden Russlanddeutschen ging es nach Angaben des Generalbundesanwalts beim Bundesgerichtshof um Sabotageaktionen, die insbesondere dazu dienen sollten, «die aus Deutschland der Ukraine gegen den russischen Angriffskrieg geleistete militĂ€rische UnterstĂŒtzung zu unterminieren».

Dem Älteren von beiden, Dieter S., wird auch die Verabredung zur HerbeifĂŒhrung einer Sprengstoffexplosion und zur Brandstiftung sowie AgententĂ€tigkeit zu Sabotagezwecken und sicherheitsgefĂ€hrdendes Abbilden militĂ€rischer Anlagen vorgeworfen.

Die beiden in Russland geborenen MĂ€nner, die am Mittwoch in Bayreuth festgenommen wurden, haben den Angaben zufolge beide die deutsche und die russische StaatsbĂŒrgerschaft. Ermittler durchsuchten Wohn- und Arbeitsort der beiden in der Region Bayreuth.

Bereitschaft zu Sabotage signalisiert

Konkret soll sich Dieter S. mit jemandem, der mit einem russischen Geheimdienst in Verbindung steht, seit mindestens Oktober vergangenen Jahres ĂŒber mögliche Sabotageaktionen ausgetauscht haben. Er soll sich seinem GesprĂ€chspartner gegenĂŒber bereiterklĂ€rt haben, Sprengstoff- und BrandanschlĂ€ge vor allem auf militĂ€risch genutzte Infrastruktur und Industriestandorte in Deutschland zu begehen. Dieter S. sammelte dem Generalbundesanwalt zufolge Informationen ĂŒber potenzielle Anschlagsziele, darunter auch Einrichtungen der US-StreitkrĂ€fte. Der zweite Beschuldigte, Alexander J., half ihm demnach spĂ€testens ab MĂ€rz 2024.

Zu den ausgekundschafteten Orten gehören nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur der US-StĂŒtzpunkt Grafenwöhr sowie andere militĂ€rische Einrichtungen in Bayern. Zuerst hatte der «Spiegel» berichtet. Einige der ins Visier genommenen Objekte soll Dieter S. vor Ort ausgespĂ€ht und fotografiert haben, etwa MilitĂ€rtransporte. Ein Angriff auf eines der Objekte soll aber dem Vernehmen nach nicht unmittelbar bevorgestanden haben.

Auch Deutschland im Fokus des russischen Geheimdienstes

«Wir wissen, dass der russische Machtapparat auch unser Land in den Fokus nimmt», sagte Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP). Auf diese Bedrohung mĂŒsse Deutschland wehrhaft und entschlossen reagieren.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) sprach von einem besonders schweren Fall der mutmaßlichen AgententĂ€tigkeit fĂŒr Russland. Sie betonte: «Wir werden die Ukraine weiter massiv unterstĂŒtzen und uns nicht einschĂŒchtern lassen.»

Außenministerin Annalena Baerbock (GrĂŒne) lĂ€sst den russischen Botschafter einbestellen. Ein Sprecher des AuswĂ€rtigen Amtes bestĂ€tigte einen entsprechenden Bericht der «Bild»-Zeitung. Unbekannt ist noch, wann genau der Termin stattfindet.

Beschuldigter soll im Donbass fĂŒr Separatisten gekĂ€mpft haben

Dieter S. steht laut Generalbundesanwalt zudem im dringenden Verdacht, sich als KĂ€mpfer einer bewaffneten Einheit der als auslĂ€ndische terroristische Vereinigung eingestuften «Volksrepublik Donezk» angeschlossen zu haben. Er soll zwischen Dezember 2014 und September 2016 in der Ostukraine fĂŒr diese prorussische Vereinigung aktiv gewesen sein und ĂŒber eine Schusswaffe verfĂŒgt haben. 2014 hatten sich moskautreue Separatisten nach dem Sturz des russlandfreundlichen PrĂ€sidenten Viktor Janukowitsch von Kiew losgesagt. Die neue prowestliche FĂŒhrung in Kiew hatte danach mit einem MilitĂ€reinsatz vergeblich versucht, die Kontrolle ĂŒber Donezk und andere Ortschaften im Donbass zurĂŒckzuerlangen.

Weitere FĂ€lle in der Vergangenheit

Es ist nicht der erste mutmaßliche Spionagefall, der die Bundesanwaltschaft beschĂ€ftigt: In Berlin steht aktuell ein ehemaliger Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes (BND) vor Gericht. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm und einem GeschĂ€ftsmann Landesverrat in besonders schwerem Fall vor. Sie sollen im September und Oktober 2022 geheime Dokumente und Informationen aus dem deutschen Auslandsnachrichtendienst an den russischen Inlandsgeheimdienst FSB gegeben haben. DafĂŒr sollen sie laut Anklage einen «Agentenlohn» von 450.000 Euro beziehungsweise 400.000 Euro bekommen haben. Die beiden Deutschen sitzen in Untersuchungshaft.

Im vergangenen August war in Koblenz ein Berufssoldat festgenommen worden, der beim Bundesamt fĂŒr AusrĂŒstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr arbeitete. Die Einrichtung ist zustĂ€ndig fĂŒr die Ausstattung der Bundeswehr mit Material und Waffen sowie die Entwicklung, Erprobung und Beschaffung von Wehrtechnik. Ab Mai 2023 soll der Mann mehrfach dem russischen Generalkonsulat in Bonn und der russischen Botschaft in Berlin eine Zusammenarbeit angeboten haben.

«Es bleibt dringend notwendig, Hinweise auf verschiedene Operationen zusammenzufĂŒhren, die ganzheitliche Strategie dahinter zu erkennen und sich daraus ergebende Muster zu analysieren, um sich dagegen wehrhaft aufzustellen und zu behaupten», sagte der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums, Konstantin von Notz (GrĂŒne).

@ dpa.de