Untersuchung, Yeboah

Rassistische BrandanschlÀge: Saarland setzt U-Ausschuss ein

21.06.2023 - 11:52:16

Der Ghanaer Samuel Yeboah ist in einem Asylbewerberheim in Saarlouis 1991 ums Leben gekommen. Noch immer beschÀftigt der Fall die Landesregierung, die jetzt Fehler im Handeln aufdecken möchte.

Der Landtag des Saarlandes hat einen Untersuchungsausschuss zur Aufarbeitung von rassistischen BrandanschlÀgen Anfang der 90er-Jahre eingesetzt. Dies beschloss das Landesparlament einstimmig, gut 30 Jahre nach dem Tod des Ghanaers Samuel Yeboah (27) bei einem Brandanschlag auf ein Asylbewerberheim in Saarlouis im September 1991.

Der Ausschuss soll den «Umgang der saarlĂ€ndischen Behörden» mit diesem Brandanschlag sowie mit fĂŒnf anderen offensichtlich rassistischen AnschlĂ€gen bis hin zum Oktober 1992 untersuchen.

Fehler im Handeln?

Die regierende SPD und die oppositionelle CDU haben den Beschluss zur Einsetzung des Untersuchungsausschusses gemeinsam eingebracht. Darin heißt es, die mittlerweile bekannt gewordenen Defizite der frĂŒheren Ermittlungen machten «eine Untersuchung der VorgĂ€nge innerhalb der saarlĂ€ndischen Landesregierung und ihrer nachgeordneten Behörden notwendig».

Der Ausschuss solle «Fehler im Handeln und mögliches Unterlassen der saarlÀndischen Landesregierungen und ihrer nachgeordneten Behörden» aufklÀren. Dadurch erhoffe man sich Hinweise auf «einen möglichen VerÀnderungsbedarf» der Strukturen der saarlÀndischen Sicherheits- und Justizbehörden.

Yeboah war bei einem nÀchtlichen Brandanschlag auf eine Asylbewerberunterkunft im September 1991 nach schwersten Verbrennungen gestorben. Zwei andere Hausbewohner wurden verletzt. Die Ermittlungen wurden schon 1992 eingestellt. Seit November 2022 steht jedoch ein 52-jÀhriger Deutscher wegen des Brandanschlags vor dem Oberlandesgericht Koblenz.

Die saarlĂ€ndische MinisterprĂ€sidentin Anke Rehlinger (SPD) hatte Mitte Juni ihr «tiefes Bedauern ĂŒber die gemachten Fehler» im Umgang mit dem Tod von Samuel Yeboah bekundet und sich fĂŒr «Fehler der damaligen Zeit» entschuldigt. Zugleich kĂŒndigte sie einen EntschĂ€digungsfonds fĂŒr Opfer rassistischer Gewalt an.

@ dpa.de