Pflegekosten: GKV-Chef lehnt pauschale Deckelung ab
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDer Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Oliver Blatt, hat sich in der Debatte um die Pflegereform skeptisch zu einer Deckelung der Kosten fĂŒr Pflegeheime geĂ€uĂert. Eine Begrenzung könne PflegebedĂŒrftige zwar entlasten, verlagere die Finanzierung nach seiner EinschĂ€tzung aber lediglich auf andere Beitrags- oder Steuerzahler.
âDie Deckelung von Heimkosten muss meiner Ansicht nach differenzierter betrachtet werdenâ, sagte Blatt der âRheinischen Postâ fĂŒr deren Montagsausgabe. Die finanzielle Belastung durch hohe Eigenanteile sei enorm, eine schlichte Deckelung koste jedoch Milliarden und brauche eine realistische Gegenfinanzierung.
Blatt sieht LĂ€nder bei Investitionskosten in der Pflicht
Der GKV-Chef sprach sich stattdessen deutlich fĂŒr eine stĂ€rkere Verantwortung der BundeslĂ€nder aus. Wenn die LĂ€nder die Investitionskosten ĂŒbernĂ€hmen, könnten PflegebedĂŒrftige in Heimen nach seiner Darstellung auf einen Schlag um 500 Euro im Monat entlastet werden.
âEs kann jedenfalls nicht sein, dass dies am Ende wieder den Beitragszahlenden aufgeladen wirdâ, warnte Blatt. Die Kosten einer Deckelung dĂŒrften nicht einseitig ĂŒber die BeitrĂ€ge zur sozialen Pflegeversicherung finanziert werden.
Offenheit fĂŒr Ausgleich zwischen Versicherungen
FĂŒr einen finanziellen Ausgleich zwischen sozialer und privater Pflegeversicherung zeigte sich Blatt offen. Der Gerechtigkeitsaspekt mĂŒsse aus seiner Sicht zu Recht diskutiert werden. Zugleich verwies er auf die von Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann geplante Expertenkommission, von der er VorschlĂ€ge zur kĂŒnftigen Finanzierung erwartet.
Linnemanns Idee, die LeistungszuschĂŒsse zu den Eigenanteilen sozial zu staffeln, begrĂŒĂte Blatt. Die Pflegeversicherung zahle inzwischen knapp acht Milliarden Euro fĂŒr diese ZuschĂŒsse, ohne dabei zwischen Menschen mit groĂem Vermögen und PflegebedĂŒrftigen mit kleiner Rente und geringen Ersparnissen zu unterscheiden.
Steuermittel fĂŒr Angehörige und Corona-Altlasten
Blatt forderte auĂerdem, die RentenbeitrĂ€ge fĂŒr pflegende Angehörige aus Steuermitteln zu finanzieren. Diese Aufgabe sei von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung und solle nicht dauerhaft den Beitragszahlern aufgebĂŒrdet werden.
Das gelte nach seinen Worten auch fĂŒr finanzielle Sonderausgaben aus der Corona-Pandemie. Die Pflegeversicherung trage daraus Altlasten von fĂŒnf Milliarden Euro; der Bund mĂŒsse seiner Verantwortung gerecht werden.
Die Debatte ĂŒber einen Deckel fĂŒr Eigenanteile in Pflegeheimen berĂŒhrt einen grundlegenden Zielkonflikt der sozialen Pflegeversicherung: PflegebedĂŒrftige sollen vor steigenden Kosten geschĂŒtzt werden, zugleich muss die Finanzierung dauerhaft tragfĂ€hig bleiben. Oliver Blatt stellt deshalb nicht den Entlastungsbedarf infrage, sondern die Verteilung der zusĂ€tzlichen Lasten.
Besonders umstritten ist, ob die Pflegeversicherung eine umfassendere Absicherung ĂŒbernehmen oder stĂ€rker nach Einkommen differenzieren soll. Die Pflegekassen bezuschussen bereits die Eigenanteile in der vollstationĂ€ren Pflege; eine pauschale Begrenzung wĂŒrde den Finanzierungsbedarf jedoch weiter erhöhen. Damit verschĂ€rft sich die Frage, ob BeitrĂ€ge, Steuermittel, LĂ€nder oder private Vorsorge den Mehraufwand tragen.
Finanzierung und LĂ€nderaufgabe
Blatts Vorschlag, die LĂ€nder stĂ€rker an den Investitionskosten zu beteiligen, zielt auf einen Kostenblock, der bislang vielfach bei den Bewohnern ankommt. Eine Ăbernahme durch die LĂ€nder könnte die monatliche Belastung nach seiner Darstellung um 500 Euro senken. FĂŒr Betroffene wĂ€re das unmittelbar spĂŒrbar, fĂŒr LĂ€nderhaushalte entstĂŒnde jedoch ein erheblicher zusĂ€tzlicher Finanzbedarf.
Parallel wird ĂŒber höhere oder stĂ€rker gestaffelte BeitrĂ€ge diskutiert. Aktuelle ReformplĂ€ne sehen laut BR24 unter anderem Mehrbelastungen fĂŒr Kinderlose, höhere Einkommen und kĂŒnftig auch Arbeitgeber von Minijobbern vor; dadurch soll die FinanzlĂŒcke der Pflegeversicherung kurzfristig verringert werden. Die Auseinandersetzung ĂŒber den Kostendeckel wird damit Teil einer gröĂeren Reformfrage: Soll die Pflegeversicherung vor allem solidarisch ĂŒber BeitrĂ€ge, stĂ€rker aus Steuern oder ĂŒber eine umfassendere Vollversicherung finanziert werden?
Was die Kommission klÀren muss
Die angekĂŒndigte Expertenkommission dĂŒrfte deshalb nicht nur die Höhe von Eigenanteilen betrachten, sondern auch ZustĂ€ndigkeiten und Leistungsprinzipien. Besonders relevant ist, ob ZuschĂŒsse kĂŒnftig stĂ€rker nach BedĂŒrftigkeit vergeben werden und wie ein Ausgleich zwischen sozialer und privater Pflegeversicherung rechtssicher ausgestaltet werden kann. FĂŒr PflegebedĂŒrftige und Angehörige bleibt entscheidend, ob politische Entlastungen tatsĂ€chlich zu niedrigeren monatlichen Zahlungen fĂŒhren oder lediglich andere Beitrags- und Steuerlasten auslösen.
