Dreyer sieht AfD-Erfolg nach Sachsen-Anhalt als europÀische NormalitÀt
Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 01:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDer Jenaer Politikwissenschaftler Michael Dreyer hĂ€lt historische Vergleiche der AfD mit der NSDAP fĂŒr irrefĂŒhrend. Nach dem Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt sprach er sich auch gegen Parallelen zum Ende der Weimarer Republik aus.
Dreyer warnt vor NSDAP-Vergleichen
Dem Interviewpartner "Neue OsnabrĂŒcker Zeitung" sagte Dreyer, die NSDAP stehe "fĂŒr das absolut Böse, und jeder Vergleich mit ihr fĂŒhrt in die Irre". Der Erfolg der AfD sei aus seiner Sicht vielmehr eine "Anpassung an europĂ€ische NormalitĂ€t", da es in fast jedem Land eine rechtspopulistische Partei gebe.
Bundesrepublik heute aus Sicht des Forschers stabiler
Auch Gegenwartsvergleiche mit der politischen Krise der Weimarer Republik lehnt Dreyer ab. Die Bundesrepublik im Jahr 2026 stehe seiner Aussage zufolge "ganz anders da", die politischen Eliten seien durchweg demokratisch geprÀgt. Zudem seien die Bundesrepublik und das Grundgesetz deutlich widerstandsfÀhiger als die Weimarer Republik und ihre Verfassung.
Kritik an der AfD im liberalen Bereich
Zugleich widerspricht Dreyer der pauschalen EinschÀtzung, die AfD sei eine antidemokratische Partei. Innerparteilich sei die AfD "sogar sehr demokratisch", da die Parteibasis seiner Darstellung nach mehr Mitspracherecht habe als in vielen anderen Parteien. Als Problem benennt er, dass die AfD das "Mehrheitsprinzip gegen den Minderheitenschutz" ausspielen wolle. Die Defizite der Partei verortet er daher im Bereich des Liberalismus und nicht im Bereich der Demokratie.
Die Einordnung der Aussagen des Jenaer Politikwissenschaftlers Michael Dreyer fĂ€llt in eine Phase, in der die AfD bei Landtagswahlen â aktuell in Sachsen-Anhalt â hohe Stimmenanteile erzielt und in Teilen Ostdeutschlands zu einer dominierenden politischen Kraft geworden ist. Der Hinweis auf "europĂ€ische NormalitĂ€t" zielt auf die Beobachtung, dass rechtspopulistische Parteien in vielen EU-Staaten seit Jahren stabile oder wachsende WĂ€hleranteile erreichen.
Historische Vergleiche und ihre Grenzen
Dreyer wendet sich gegen einen direkten Vergleich der AfD mit der NSDAP und gegen Parallelen zur Endphase der Weimarer Republik. Damit adressiert er eine verbreitete Debatte, in der Wahlerfolge der AfD immer wieder mit der Radikalisierung und dem Zusammenbruch der Demokratie in Deutschland zwischen 1930 und 1933 verknĂŒpft werden. Die Betonung der qualitativen Differenz zur NSDAP und der höheren StabilitĂ€t des politischen Systems soll verdeutlichen, dass historische Analogien zwar Warnsignale liefern können, aber nicht eins zu eins ĂŒbertragbar sind.
Demokratie, Liberalismus und institutionelle StabilitÀt
Mit der Aussage, die Bundesrepublik stehe "ganz anders da" als die Weimarer Republik, rĂŒckt Dreyer die heute bestehenden Schutzmechanismen in den Mittelpunkt: ein gefestigtes Mehrparteiensystem, starke Verfassungsgerichte, föderale Strukturen und eine breite demokratische Verankerung politischer Eliten. Zugleich legt er den Schwerpunkt der Kritik an der AfD weniger auf die formale Demokratie, sondern auf den liberalen Rechtsstaat, insbesondere den Schutz von Minderheiten. Die Diagnose, die AfD spiele das Mehrheitsprinzip gegen Minderheitenschutz aus, weist darauf hin, dass der zentrale Konflikt nicht um Wahlen an sich, sondern um Reichweite und Grenzen demokratischer Mehrheitsentscheidungen gefĂŒhrt wird.
Bedeutung fĂŒr die aktuelle Debatte
FĂŒr Leser bedeutet diese Einordnung, dass Wahlerfolge der AfD einerseits Teil eines europĂ€ischen Trends rechtspopulistischer Parteien sind, andererseits aber weiterhin innerhalb eines demokratisch und verfassungsrechtlich stabilen Rahmens stattfinden. Die Frage, wie weit demokratische Verfahren reichen und wie stark liberale Prinzipien â wie Grundrechte und Minderheitenschutz â geschĂŒtzt bleiben, dĂŒrfte die politische Auseinandersetzung in den kommenden Monaten prĂ€gen.
